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Verschnaufpause im Seniorenpark

Radtour an der Sieg

Schnell – praktisch – nett

Der absolute Pluspunkt dieser Tour ist die geniale Verkehrsanbindung, da alle Ortschaften an der Sieg eine Bahnstation haben. Einfach rein in den Zug, aussteigen, auf dem gut ausgeschilderten Sieg-Radwanderweg am Flüsschen entlang radeln, und wenn man nicht mehr kann, das Wetter umschlägt oder die Kinder nörgeln, kein Problem: Man wartet auf den nächsten Zug und ist in spätestens einer Stunde wieder zu Hause. 

 

Der Ausgangspunkt der Radtour ist Eitorf – eine 45-minütige S-Bahn-Fahrt vom Kölner Hauptbahnhof entfernt. Die ersten fünf Kilometer bis zum nächsten Örtchen Merten sind genau das Richtige, um warm zu werden. Gut zu fahrender Schotterweg, äußerst wenige Menschen, keine aufdringlich schöne Landschaft, wegen der man schon jetzt ins Trödeln geraten würde. Das kommt später. Wer nach der kurzen Steigung vor Merten schon eine Verschnaufpause braucht, kann die in der Orangerie im Schloss Merten einlegen. Dieser Ort – erst Nonnenkloster der Augustinerinnen, dann Schloss, jetzt Seniorenheim – ist nett für einen kurzen Kaffee auf der Terrasse.

Die Eisenbahnbrücke von Merten

Hinter Merten wird die Strecke richtig schön und man fragt sich, wieso man eigentlich vorher noch nie an der Sieg war. Der Radweg führt durch ein weites Tal vorbei an ausgedehnten Pferdekoppeln des Gestüts Kölner Union. Hierher kommen also die Pferde, die bei nationalen und internationalen Rennen Preise abräumen. Rechts bewaldete Hügel, die die Grenze zum Bergischen Land darstellen, links die kurvenreiche Sieg, die von ihrer Quelle im Rothaargebirge bis hierhin schon gute 100 Kilometer hinter sich gebracht hat. Ein Graureiher macht die Idylle vollkommen, in der – wie wunderbar – immer noch kein Mensch weit und breit zu sehen ist. Am Ende des Tals verlässt der Radweg die Aue und führt in den Wald auf den Sieghöhenweg. Rechts wird er von Schieferwänden gesäumt, links liegt 15 Meter tiefer die Sieg. Man muss kurz schieben, und zwar ordentlich bergauf. Außer einer schönen Landschaft hat die Tour lustige Begebenheiten zu bieten, wie zum Beispiel den Bahnübergang bei Auel, dessen stets geschlossene Schranken sich nur auf Zuruf öffnen. Theoretisch zumindest. Praktisch ruft eine männliche Stimme „Gleich”, aber die Schranke öffnet trotzdem nicht. Entschuldigung, der Herr, wollten keine Umstände bereiten.

Die Sieg von ihrer schönsten Seite

In Stadt Blankenberg wartet der ersehnte Kuchen. Dafür muss man die Sieg überqueren und recht steile Serpentinen hinauffahren – immerhin liegt Blankenberg 161 über N. N. Wer oben ankommt ohne abzusteigen, kann, wenn er noch ausreichend Luft bekommt, stolz auf sich und seine passable Kondition sein. Tourismusprospekte werben damit, dass eine Reise nach Blankenberg einer Reise in eine andere Zeit gleicht. Und tatsächlich ist die einst kleinste Stadt Deutschlands, der 1245 die Stadtrechte zuerkannt wurden, eine kleine Perle. Es gibt weder Geschäfte noch eine Apotheke oder Tankstelle. Das mittelalterliche Blankenberg ist eine der am besten erhaltenen Großburganlagen im Rheinland. Was ab 1150 für die Bau- und Burgherren aus der Sayn’schen Dynastie die Kontrolle über den Zugang zum Siegtal, das Bergische Land, das Siebengebirge und den Westerwald bedeutete, ist für Ausflieger heute ein Aussichtspunkt mit  herrlichem Blick über das Siegtal. Blankenberg heißt so, weil die Burg auf einem „blancken”, das heißt baumlosen Berg erbaut wurde. Die Neustadt ist von einer dicken, noch gänzlich erhaltenen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert umgeben. Von der Altstadt ist nicht viel übrig geblieben: zwei Turmstümpfe, ein Mauerstück und der Grabenturm links am Ortseingang. Nach einem Spaziergang durch die Gassen gibt’s auf einer sonnigen Terrasse am Marktplatz Blaubeerwindbeutel – köstlich! So hübsch dieses Blankenberg mit seinen schnuckeligen Fachwerkhäusern ist, so verdächtig sieht es allerdings auch nach sonntäglichen Touristenmassen aus. Doch es ist Samstag und es ist leer. Mal wieder bestätigt sich die These: Wer kann, sollte beim Ausfliegen antizyklisch handeln. Das meint auch ein Kellner und empfiehlt insbesondere Stunden und Tage für einen Blankenbergbesuch, an denen Bundesliga oder Formel 1 anstehen. 

Die verdiente Rast in Blankenberg

Für die anstrengende Bergetappe wird man mit einer phantastischen Talfahrt belohnt. Zurück auf dem bekannten Sieg-Radwanderweg geht es weiter Richtung Hennef. Dort bietet sich die nächste Möglichkeit für einen Abstecher: Die lange Betonbrücke, der Hostmannsteg, und die von Birken gesäumte Allee führen zum Allner See. Der ist zwar keine ausgesprochene Oase reinen Schwimmvergnügens, aber trotzdem wie gemacht für einen erfrischenden Zwischenstopp. Anschließend radelt man auf dem Siegdeich weiter Richtung Siegburg. Am Siegwerk Buisdorf erfährt man einiges über die Wiederansiedlung der Lachse in der Sieg. An einer Aufstiegsrampe werden die Lachse, die seit einigen Jahren wieder in die Sieg zum Laichen kommen, registriert und gezählt.

Abwärts in Blankenberg

Um Siegburg herum wird es wieder urban. Diesen zirka acht Kilometer langen Abschnitt zwischen Autobahnen und Hochspannungsleitungen gilt es, zügig hinter sich zu bringen und dabei an die schöne Auenlandschaft zu denken, die anschließend kommt. Auf einem Schild im Landschaftsschutzgebiet der Siegauen erfährt man, dass die Siegmündung neben der Ahrmündung das einzige Mündungsgebiet in Deutschland ist, das „noch einigermaßen naturbelassen” ist. Das unkonkrete „einigermaßen” trifft den Kern: Trotz unübersehbarer Eingriffe ist diese sechs Kilometer lange und bis zu drei Kilometer breite Siegauenlandschaft wunderschön – fast romantisch. Teiche, Tümpel und Wasserarme tragen Namen wie Buntschepp, das Deepe Loch oder Diescholl. Mit den Frühjahrs- und Herbsthochwassern vereinigen sie sich zu einem See und überschwemmen Teile des Auengebiets. Entlang des Siegufers stehen Pappeln, auf den Wiesen und im Auenwald Silber- und Kopfweiden mit dicken, knorrigen Stämmen und dürren, in die Höhe ragenden Trieben. Hier hat jede Tages- und Jahreszeit ihren eigenen Charme. Wer nicht dem ausgewiesenen Weg über den Siegdeich rechts des Flusses folgt, sondern den holprigen Trampelpfad direkt am Wasser entlang nimmt, was erlaubt ist, kann mit etwas Glück Wildgänse beobachten. Wenn es nicht mehr weitergeht, fährt man rechts auf den Siegdeich zurück, an der Ahl Sieg entlang bis zur Bergheimer Siegfähre und setzt auf die andere Seite über. Und nicht etwa schwach werden und sofort in das Ausflugslokal „Zur Siegfähre” einkehren! Denn die Mündung ist das Ziel, und die erreicht man auf einem ungeteerten Weg über die Halbinsel Kempener Werth. Die frühere Insel musste nach einem misslungenen Begradigungsversuch der Sieg zu einer Halbinsel aufgeschüttet werden. Durch die Begradigung war die Fließgeschwindigkeit so hoch geworden, dass sich vor der Mündung riesige Sandbänke aufbauten. Am äußersten Zipfel vom Kempener Werth sieht man die Sieg in den Rhein münden und man stellt sich vor, wie schön es wohl war, als der kleine noch in mehreren Armen fächerförmig in den großen Strom mündete.

Lachse in der Sieg – Sie sind zurück und springen wieder!

1950 waren die Lachse im Rhein ausgestorben und standen damit als trauriges Symbol für ein dunkles Kapitel deutscher Umweltpolitik: Gnadenlose Reduzierung auf Verwertbarkeit und hemmungslose Ausbeutung machten Flüsse zu befahrenen Abwässerkanälen. Der Lachs, besonders sensibel hinsichtlich der Wasserqualität, verschwand als einer der ersten Fische aus hiesigen Gewässern. Ihm folgten viele andere Arten.

Als die Wasserqualität im Rhein in den 80er Jahren langsam wieder stieg, kamen viele Arten, wie Fluss- und Meerneunauge oder Meerforelle, wieder von selbst zurück. Aber der Lachs blieb aus.

Die Wasserqualität wurde weiter verbessert, Aufstiegsmöglichkeiten für wandernde Fischarten an künstlichen Staustufen geschaffen und künstliche Wasserfälle in den Seitenflüssen eingeebnet. 1987 wurden die ersten Jungfische in den früheren Laichgründen der Lachse ausgesetzt und 1990 fanden tatsächlich die ersten Tiere aus dem Atlantik den Weg zurück in ihre vermeintlichen Kinderstuben. Verbunden damit kann man es inzwischen wieder beobachten, dieses unfassbare Schauspiel, das wir nur noch aus den Tierfilmen über Alaska kannten: Lachse, die nach tausenden von Reisekilometern in ihrem schönsten Hochzeitskleid die Wasserfälle hochspringen, um ihre Laichgründe zu suchen, sich zu vermählen, für Nachwuchs zu sorgen und dann zu sterben.

Das Siegwehr Buisdorf ist einer dieser Orte. Hier sammeln sich jährlich zwischen September und November hunderte von Lachsen. Führt die Sieg genug Wasser, mobilisieren sie ihre letzten Kräfte und versuchen, den kleinen Wasserfall hochzuspringen – Lachse, die bis zu einem Meter lang und bis zu zehn Kilogramm schwer sind. Doch leider ist das nur ein Teilerfolg. Denn die Lachse laichen zwar, doch der Sauerstoffgehalt der Flüsse ist für die Embryonen zu niedrig. Zu wenige überleben, um die Population aufrechtzuerhalten. Deshalb werden weiterhin jährlich Junglachse in der Sieg ausgesetzt, die künstlich aufgezogen wurden.

 

Tourvorschlag:

43 Kilometer, 4 Stunden
Die Tour lässt sich gemütlich bewältigen und eignet sich aufgrund der gut ausgebauten Strecke auch für einen Familienausflug.

Vom Bahnhof Eitorf über die Sieg auf den gut ausgeschilderten Sieg-Radwanderweg (rechts der Sieg). Immer der Beschilderung bis Oberauel folgen. Hier verlassen wir hinter der Brücke den Siegradweg (jetzt links der Sieg)und folgen der Ausschilderung nach Stadt Blankenberg. Von dort fahren wir den gleichen Weg wieder zurück auf den Radweg. Dieser teilt sich in Buisdorf in eine Strecke links und rechts der Sieg. Wir nehmen den rechten und fahren rechts über die Siegbrücke Richtung Siegburg, dann sofort links durch die Bahnunterführung Richtung Sieg. Auf dem Siegdamm radeln wir (an Schnellstraße und Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln–Frankfurt vorbei) Richtung Troisdorf. Nach der Eisenbahnbrücke geht’s links auf den Radwanderweg Siegdeich (R21), wir unterfahren die Autobahn, vorbei am Sieglarer See in das Naturschutzgebiet der Siegauen. Auf dem Siegdeich bis zur Rheindorfer Straße, dann links entlang der Ahl Sieg bis zur L269. An der Bergheimer Siegfähre setzen wir über und fahren über den Siegdamm auf die Halbinsel Kempener Werth bis zur Mündung. Anschließend über den Siegdamm zurück bis zur Autobahnbrücke, auf die andere Rheinseite Richtung Bonn-Zentrum und am Rhein entlang zum Hauptbahnhof.

Variationen:
Der insgesamt 140 Kilometer lange Sieg-Radwanderweg von der Quelle im Rothaargebirge bis zur Mündung in den Rhein eignet sich hervorragend für eine Wochenendtour mit Übernachtung. Außerdem lädt der Sieghöhenweg mit seinen Wäldern und wunderbaren Ausblicken auf das Flusstal zu ausgedehnten Wanderungen ein. Für einen Nachmittagsspaziergang ist das Münddungsgebiet der Siegauen ein lohnenswertes Ziel.

 

Anfahrt

Öffentliche Verkehrsmittel:
mit der Regional- oder S-Bahn bis Eitorf. Zurück entweder ab Hauptbahnhof Bonn oder Bahnhof Bonn-Beuel.


www.siegtal.com Radwanderkarte des Landesvermessungsamts NRW (Blaue Reihe): „Rhein-Sieg-Kreis”, 1:50.000

Dieser Beitrag stammt aus dem Buch "Ausfliegen" mit freundlicher Genehmigung des Kiepenheuer und Witsch Verlags.

Ausfliegen!
22 Tages- und Wochenendausflüge um die Ecke
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Kommentare

Heiner, 02.08.2017 17:59:
Mitte Juli 2017 bin ich über Köln - Siegmündung - Siegquelle - Lahnquelle - Lahnmündung bis Koblenz gefahren.
Die Sieg ist nicht empfehlenswert. Selbst der beste Abschnitt Siegmündung bis Rosbach ist nicht durchgängig beschildert. Mal das Symbol für den Siegtalradweg, mal nur das Symbol für einen Radweg (wohin führt uns das Schild?).. Es fehlt ein durchgängiger Hinweis entlang der Sieg. Nicht jeder will den Ort am Wegesrand sehen. Ortsdurcfahrten sind zudem schlecht beschildert. Selbst Ortskundige schimpfen über die schlechte Beschilderung.
Ganz anders die Lahn. Tolle Beschilderung. Hinweis auf Ortsdurchfahrten.
Durchgängig gut befahrbar.
Jupp, 09.05.2016 11:16:
Hallo, kann mich Mc Multi nur anschließen. Auch 2016 ist der sog. Radweg immer noch grauenhaft. Flussabwärts bis Windeck kann man getrost vergessen. Auf oder an der vielbefahrenen Strasse, unterirdische Wegbeschaffenheit und keine Beschilderung.
Ab Windeck bis zum Rhein geht´s dann.

Wenn ihr einen schönen Weg fahren wollt, dann fahrt den Ruhr-Sieg-Radweg.
Bin ich letztes Wochenende gefahren. Bis auf das Teilstück Finnentrop-Attendorn sehr zu empfehlen.
Mc Multi, 13.08.2012 20:37:
Bin vergangenes Wochenende von Siegen bis Köln gefahren. Der Siegtalradweg verdient zumindest auf der Strecke von Siegen bis Rosbach den Namen nur bedingt. Die Streckenführung verläuft oft nicht auf erkenntlichen bzw. explizieten Radwegen - dafür aber auf viel befahrener Bundesstraße (z.T. ohne Seitenstreifen!), mal findet man sich auf einer Wiese mit Trampelpfad wieder. Sobald man Rheinlandpfalz hinter sich gelassen hat, wird der Weg besser. Aber die Beschilderung lässt im gesamten Verlauf des Weges zu wünschen übrig. Ich hatte den Eindruck, dass mal das offizielle Siegtalradwegssymbol genutzt wurde, mal ein rotes S, mal ein blaues S, mal als Aufkleber, mal gepinselt, in unterschiedlichen Farben. Empfehlung: sich die einzelnen abzufahrenden, jeweils nächsten Ortschaften notieren, denn die sind meistens gut ausgeschildert. Sonst kann es passieren, dass man ohne Karte oder Navi strandet, weil an Kreuzungen/Gabelungen zwar mehrer Ortschaften ausgeschildert sind, aber sich ansonsten kein Hinweis auf die Weiterführung des Siegtalradwegs findet.
Unterkunft: In Eulenbruch (oberhalb Rosbach) kann ich die Pension Eulenhof empfehlen. Nur drei individuell eingerichtete Doppelzimmer (Dusche/WC), Frühstück u.a. mit selbstgemachter Marmelade gibt es in einem urgemütlichen kleinen Backhaus. Gespräche zu den anderen Gästen sind garantiert. Ich habe mich hier wohler gefühlt als in so manchem 4*-Hotel. Siehe Homepage Eulenhof Rosbach. Die Pensionsinhaber sind superfreundlich, hilfsbereit. Eine Unterkunft, in der man den Rest der Welt vergessen lernen kann. Ruhe und Natur pur! Und das ganze für Preise ÜF von 30 € (EZ) bis 25 € (DZ)...
Bak, 17.04.2009 10:19:
Hallo

die Fotos sind aber nicht sehr einladend.

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