Bayenthal

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Bayenthal: zwischen Brauerei und Literaturhaus

Pfarrkirche St. Matthias

Der Stadtteil Bayenthal erlebt einen strukturellen Wandel

Zunächst siedelten sich einfache Arbeiter im südlichen Stadttei an. Doch die heutigen Bewohner legen immer mehr Wert auf kulturelle Erfahrungen.

Köln ist stolz auf sein spezielles obergäriges Bier. Eine der bekanntesten Marken des herkunftsgeschützten Getränks ist das Dom Kölsch. Produziert wird dieses Bier allerdings einige Kilometer vom Dom entfernt. Die Dom-Brauerei befand sich bis vor kurzem im Stadtteil Bayenthal. Sie ist nicht der einzige Industriebetrieb, durch den der Kölner Stadtteil Nummer 201 bekannt wurde.

Ein neues Image rund um die Pfarrkirche
Im Gegensatz zum benachbarten Marienburg hatte Bayenthal das Image eines Industriegebiets. Um nicht nur Arbeiter anzulocken, sollten mit einem neuen Bebauungsplan andere Akzente gesetzt werden. Nun entstanden viele Einfamilienhäuser in grüner Umgebung. Im Mittelpunkt des modernisierten Stadtteils steht die Pfarrkirche St. Matthias. Das neugotische Gotteshaus wurde 1904 eingeweiht. 1863 gab es für die katholischen Arbeiter zwar noch keine eigene Gemeinde, aber eine vom Kölner Architekten Vincenz Statz errichtete Kirche an der Goltsteinstraße. Zwischen der ehemaligen und der neuen Kirche liegt heute das Krankenhaus St. Antonius.

Kultur im Literaturhaus
Einen wichtigen Beitrag zur Kultur liefert das Literaturhaus Köln. Anfang 2007 zog die Einrichtung vom Mediapark nach Bayenthal, wo die Freunde des geschriebenen Wortes in der Nähe des Rheinufers eine neue Heimat fanden. Der Verein wurde 1996 von Bürgern gegründet und ermöglicht Kontakte zu Autoren und literarischen Themen. Bekannte Schriftsteller wie Umberto Eco oder Salman Rushdie waren schon zu Gast. Für junge Leser gibt es seit Sommer 2007 ein eigenes Programm. Somit ist das Literaturhaus neben der lit.Cologne der wichtigste Treffpunkt für Bücherwürmer in Köln.

Das Literaturhaus

Bankiers und Staatsmänner
Wer seine kulturellen Eindrücke lieber bei einem Spaziergang gewinnen möchte, kann der Route des Kulturpfads Rodenkirchen folgen. Die ersten sieben Stationen befinden sich in Bayenthal. Die Tour beginnt direkt am Rhein am Oberländer Ufer. Dort sehen wir den Palais der Bankiersfamilie Oppenheim, die auf eine lange Tradition in Köln zurückblicken kann und noch heute aktiv ist. Ein paar Meter weiter nördlich steht der 27 Meter hohe Bismarckturm. Das im Jugendstil erbaute Denkmal ist dem ersten Reichskanzler gewidmet. Wenn man nun weiter am Ufer entlang läuft, wird man namentlich an einen anderen bedeutenden Politiker erinnert: den ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann.

Brauereien und Maschinenbau
Der Kulturpfad biegt jedoch nach links in die Alteburger Straße ein. An dem Gebäude Nummer 145 prangt der Name Küppers. Hier ist der Sitz einer bekannten Kölsch-Brauerei. Sehenswert sind die historische Einrichtung und die Sammlung alter Reklameschilder. Knapp hundert Hausnummern weiter, an der Alteburger Straße 242 befand sich bis Juni 2007 die Dom-Brauerei. Mittlerweile ist der expandierte Betrieb zwar nach Gremberg umgezogen, bleibt aber traditionell in Bayenthal verwurzelt. An gleicher Stelle wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Hirsch-Brauerei als Vorgänger der heutigen Firma gegründet.

Noch älter ist das Gewerbe des Maschinenbaus in Bayenthal. 1856 errichteten die Herren Goltstein und Mevissen eine Kölner Filiale der Berlin-Anhaltischen Maschinenbau Aktiengesellschaft (BAMAG). Die Kölnische Maschinenbau AG sorgte für einen Zulauf von mehr als tausend Arbeitern in den ersten Jahren der Produktion. Dadurch stieg die Einwohnerzahl der Siedlung, die damals noch zur Gemeinde Rondorf gehörte und erst am 1. April 1888 in Köln eingemeindet wurde. Die Entwicklung des Ortes hatte relativ spät begonnen. Die erste urkundliche Erwähnung stammt zwar schon aus dem Jahr 1307, aber die historischen Quellen berichten, dass Bayenthal 1830 noch aus drei Häusern und einem Kalkofen bestand. Als erste Industriebetriebe siedelten sich zwei Holzschneidemühlen und eine Eisengießerei an. Den Boom löste jedoch erst die Maschinenbau AG aus. Sie erhielt Großaufträge für den Kölner Dom, die Flora sowie den Hauptbahnhof und wurde durch die Produktion von Gasbehältern zur „Laternenfabrik“. Der Industrie war es wohl auch zu verdanken, dass Bayenthal als einer der ersten Stadtteile Kölns Anschluss an die Straßenbahn erhielt.

Dass das Gelände der Maschinenfabrik in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einem Wohnpark umgestaltet wurde, passt zu der Image-Kampagne. Ganz vergessen ist die Industrie jedoch nicht. Dafür sorgt auch das Institut der deutschen Wirtschaft, das in Bayenthal residiert. Das Forschungsinstitut will dazu beitragen, dass „die Lorbeeren immer wieder neu errungen werden“. Diese Selbstdarstellung könnte man auf den Stadtteil übertragen, der sich ständig an die neuen Begebenheiten anpasst.

Markus Schnitzler

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