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Bläck Fööss

Kölschband mit Kultstatus
Ladies and gentlemen, we proudly present: de Bläck Fööss:

Gitarre, Percussion, Gesang: Kafi Biermann
Schlagzeug, Akkordeon, Gesang: Ralph Gusovius
Gitarre, Banjo, Mandoline, Geige, Gesang: „Bömmel“ Lückerath
Bass, Gitarre, Mandoline: Hartmut Priess
Gitarre, Percussion, Gesang: Erry Stoklosa
Gitarre, Percussion, Gesang: Peter Schütten 
Piano, Akkordeon, Gesang: Andreas Wegener

Diese Band, die einmal regelrechte Hymnen des kölschen Frohsinns schreiben sollte, war ursprünglich wahrlich keine lokale Brauchtumsband.

Vor 1970 hieß sie Stowaways und machte Garagenrock, in Anlehnung an die Beatles und die Stones. Das Publikum erwartete damals ausschließlich Texte auf Englisch. Vor allem britischer Beat stand auf dem Programm, und damit wollten die jungen, hoch motivierten Musiker groß rauskommen.

Die Stowaways, die sich aus Schülerbands rekrutiert hatten, traten als Begleitband von Howard Carpendale, Peter Maffay und Jürgen Drews auf. Auch texteten sie schon mal Lieder für den Kinderfunk des WDR, darunter „Mach doch bei uns mit“, was später inhaltlich stark verändert zu einem Evergreen wurde: „Drink doch eine met“. Proberäume und Instrumente kosten Geld, und deshalb traten die Stowaways gelegentlich in Festzelten und Festhallen auf und brachten in der fünften Jahreszeit zum  herkömmlichen Programm vereinzelt das ein oder andere Lied auf Kölsch.

Dialektlieder in Schallplattenform waren damals noch nicht gefragt, doch dann kam das Jahr 1970. Die Stowaways hatten einen Studiotermin bei der EMI und sollten ein kölsches Lied einstimmen, nur mal so zum Ausprobieren. Das war ihnen peinlich und ihren Bandnamen wollten sie dafür lieber nicht hergeben, denn mit ihm erträumten sie sich in naher Zukunft Platz 1 der aktuellen Hitliste.

Und so gaben sie sich für das Lied „Rievkooche-Walzer“ ein Pseudonym: de Bläck Fööss. Von der Single verkauften sich mit Mühe 2000 Stück, aber dennoch, die Kölschband war geboren. Bläck Fööss, das klingt Englisch und Kölsch zugleich und heißt wörtlich nicht etwa „schwarze Füße“, sondern „blanke Füße“.

Unter diesem Label traten sie von nun an ganz ohne Schuhe und Strümpfe bei großen, klassischen Karnevalssitzungen auf. Mancher Sitzungspräsident raufte sich damals die Perücke angesichts der barfüßigen Barden mit Jeans und Zottelhaaren.

Ihre Vorbilder und Vorgänger waren Willi Ostermann (1876-1936) und Karl Berbuer (1900-1976), deren Texte sie mochten und zum Teil nachempfanden. Doch statt Tschingderassabum und Heidewitzka brachten sie fortan selbst komponierten und gecoverten Sound, mal als moderne Popsongs, mal als Samba-Version, mal als Gospel oder Reggae, aber immer mit einem Thema: Köln. Und fast ausschließlich mit einem Dialekt: Kölsch.

Schon vier Jahre nach der Aufnahme des „Rievkooche-Walzers“ kam die Band 1974 mit ihrer Langspielplatte „Op bläcke Fööss nah Kölle“ auf den Markt. Sie hätten sich wohl nicht träumen lassen, dass die Lieder noch über 30 Jahre später ganze Säle in kollektive Rührung versetzen: Zu ihnen gehören „Kölle, du uns Stadt am Rhing“, „Mer losse d´r Dom en Kölle“, der rockige Sound „Leev Linda Lou“, „De Mama kritt schon widder e Kind“ und die kölsche Stadthymne schlechthin: „In unserm Veedel“.

Kölschbarden in Holzfällerhemden
Faszinierend an den sieben Kölschbarden in ihren Holzfällerhemden ist nicht nur, dass sie schon seit Jahrzehnten auftreten, sondern auch, dass sie alle Altersgruppen erreichen. Außer diejenigen natürlich, die bei den ersten Klängen ab dem 11.11. um 11 Uhr 11 fluchtartig das Weite suchen.

Die Lieder sind nicht einfach nur Kracher oder Schunkelbaladen einer Karnevalskombo auf rheinischem Mainstream-Niveau, und die Blankfüßler verstehen sich auch gar nicht als reine Karnevalsband. Es ist nur eben so, dass sie an den närrischen Tagen am meisten gefragt sind.

Einfache Refrains sind der Kern der Lieder, ganz bewusst, denn ein paar Zeilen soll ja auch jeder verstehen. Aber zwischen den Zeilen klingt durchaus auch Kritik mit. „Katrin“ beispielsweise ist nicht nur ein Lied von der unerfüllten Liebe, sondern auch eine Anspielung auf kitschige Lovesongs. Und mit „Morje Morje -Yarinlarda“ nahmen sie die Ausländerfeindlichkeit aufs Korn.

Vielleicht wird die Band deshalb von Mitgliedern der Roten Funken genauso gemocht wie von den Besuchern der karnevalsparodierenden „Stunksitzung“ im E-Werk. Längst gibt es Konkurrenz von den Höhnern, den Brings, den Paveiern und von Klüngel Tropical. Das aber stört nicht weiter, man tritt gerne auch gemeinsam auf. Und anders als BAP und Zeltinger sind die Bläck Fööss nie deutschlandweit erfolgreich gewesen, vielleicht abgesehen von dem Hit „Frankreich, Frankreich“ (1985), gesungen mit überspitzt französischem Akzent (den Text entwarf die Band an einem Nachmittag nach einem Frankreichurlaub).

In der Rheinmetropole selber sind die Black Fööss aber die unangefochtenen Stars, auch nachdem Kafi Biermann 1994 den Frontmann Tommy Engel ersetzte, was die Lokalpresse wochenlang in Atem hielt.

Hunderte von Liedern gehören bereits zum Repertoire, und wenn das „Wasser vun Kölle“ mal wieder gut ist, wissen manche Mitsänger gar nicht, dass der Liedtext von den Bläck Fööss stammt. Den Text aber kennt jeder, zumindest auszugsweise. Gespielt haben sie schon im Senftöpfchen mit Alfred Biolek, am Tanzbrunnen und im Millowitsch-Theater.

Die Konzerte über das Jahr hinweg sind schnell ausgebucht (http://www.blaeckfoeoess.de). Doch der größte Erfolg kam in der Sylvesternacht 2000, als die kölschen Jungs zu ihrem 30-jährigen Jubiläum vor 15.000 Fans auftraten und die Kölnarena zum Kochen brachten.

Keine Frage, auch wenn sie es zunächst überhaupt nicht erwartet haben, die Bläck Fööss sind längst zum musikalischen Synonym der Domstadt geworden.

Tobias Büscher

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