Christopher Street Day

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Christopher Street Day – so bunt wie der Regenbogen

Die Parade der Homosexuellen ist fast so populär wie der Rosenmontagszug.
Bei den Veranstaltungen des „Cologne Pride“ kämpfen homosexuelle Menschen  für Anerkennung und Gleichberechtigung.
Die alljährliche Parade ist eines der größten Ereignisse in der Domstadt


Rosenmontag ist irgendwann zwischen dem 2. Februar und dem 8. März. Wer an diesem Tag nach Köln kommt, weiß in der Regel, dass er mit bunt geschmückten Menschen, ebenso farbigen Wagen und viel rheinischer Fröhlichkeit konfrontiert wird. Dass man ein ähnliches Spektakel mitten im Sommer erleben kann, erscheint auf den ersten Blick seltsam. Am ersten Sonntag im Juli zieht natürlich kein Karnevalszug durch die Innenstadt, doch eine andere Veranstaltung lockt Hunderttausende von Besuchern auf die Straßen. Die Teilnehmer rufen nicht „Kölle Alaaf“, sondern „Aloha“. Es sind Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender. Sie präsentieren sich am Christopher Street Day, um zu zeigen, dass sie anders, aber nicht minderwertig sind. Ganz im Gegenteil: Der Stolz kommt schon im englischsprachigen Namen der Feierlichkeiten zum Ausdruck. Wie in anderen europäischen Ländern, so spricht man auch in Köln vom Cologne Pride.

Tabus brechen

Wie viele Menschen sich zu Partnern des gleichen Geschlechts hingezogen fühlen, lässt sich kaum erfassen. Erstens gilt Homosexualität oft noch als Tabuthema, zweitens sind die Grenzen schwer zu definieren. Klar ist jedoch, dass sich heute niemand mehr für seine erotischen Vorlieben schämen muss. In der Politik sowie in der Unterhaltungsbranche bekennen sich immer mehr Prominente zu ihren Neigungen, und das ist auch gut so. Mit der öffentlichen Anerkennung stieg das Selbstvertrauen der Schwulen und Lesben. Parallel dazu wuchs auch die Begeisterung für den Christopher Street Day, der in seinen Ausmaßen nur noch vom Karneval übertroffen wird. Mit den Aktivitäten der fünften Jahreszeit wollen sich die Teilnehmer sowieso nicht vergleichen. Statt die Politiker als Witzfiguren darzustellen, bitten sie sie um Unterstützung.

Die Forderung: mehr Toleranz für Homosexuelle

Ernstes Thema – gute Stimmung

Im Rahmen des Cologne Pride finden zahlreiche Veranstaltungen statt, die sich über mehrere Wochen erstrecken. Den Mittelpunkt bildet dabei traditionell das erste Juli-Wochenende. Zum Auftakt präsentiert die AIDS-Hilfe am Freitag eine Gala, die auch zur gesundheitlichen Aufklärung beitragen soll. Denn gerade bei gleichgeschlechtlichen Kontakten gilt die Ansteckungsgefahr mit der Immunschwäche-Krankheit als besonders groß. Schließlich ist es kein Zufall, dass die rote Schleife sowohl ein Symbol für AIDS als auch für die Homosexuellen ist. Da Aufklärung der beste Schutz ist, bieten die Veranstalter des Kölner Lesben- und Schwulentags (KLuST) an diesem Wochenende in der Altstadt umfangreiche Informationen. Andere Teilnehmer kümmern sich währenddessen um Kultur und Unterhaltung. Mit einem bunt gemischten Angebot aus Festival, Party und Sport zeigen sie, dass jeder mit jedem feiern kann. Die ersten Termine gibt es schon Mitte Juni. Am vorletzten Wochenende dieses Monats kann man beispielsweise im Phantasialand, einem Freizeitpark im benachbarten Brühl, den so genannten „Fantasypride“ erleben. Mit einer Mischung aus Musik, verrückten Wettbewerben und Party übernahm der „Fantasypride“  eine amerikanische Tradition. Seit 2004 eröffnet dieses Ereignis offiziell den Cologne Pride.

Vor der Hauptbühne versammeln jährlich sich tausende Menschen zum Feiern aber auch um Solidarität zu zeigen

Parade mit konkreten Forderungen

Das Beste kommt wie immer zum Schluss. Die Parade bildet den Höhepunkt der schwul-lesbischen Feiertage. Obwohl der Cologne Pride nicht auf eine lange Tradition zurückblicken kann, hat sich insbesondere der Umzug am Sonntag fest im Kalender etabliert. Zuletzt kamen jährlich deutlich mehr als eine halbe Millionen Menschen zum CSD nach Köln. Als die Stadt 2002 Austragungsort der europäischen Parade „Europride“ war, wurden angeblich sogar mehr als eine Million Besucher gezählt, womit die Homosexuellen mehr Publikum angelockt hätten als die Jecken beim Rosenmontagszug.

Mittlerweile lassen sich viele heterosexuelle Menschen von der Stimmung mitreißen. Auf den Wagen haben sich schon einige bekannte Politiker präsentiert, zum Beispiel der mehrmals verheiratete Joschka Fischer oder Claudia Roth. Sie treten außerdem bei den Kundgebungen auf, bei denen die Teilnehmer ihre Ziele verkünden. Die Kernaussage findet sich in Form eines Mottos bereits auf dem Plakat. An diesen Botschaften lassen sich die Fortschritte der homosexuellen Bewegung am deutlichsten erkennen. In den ersten Jahren nach der Premiere 1991 ging es zunächst einmal nur darum, auf die Existenz der Gruppe hinzuweisen. Von 1994 bis 1997 dominierte das Motto „Flagge zeigen“, das neben dem Hinweis auf die offene Meinungsäußerung das wichtigste Symbol der Bewegung beinhaltete. Die in sechs Farben gestaltete Regenbogenflagge eroberte von San Francisco aus als Zeichen der sexuellen Vielfalt die Welt. Ab 1998 beschäftigten sich die Teilnehmer mit konkreten Themen. Durch kreative und doppeldeutige Sprüche wiesen sie unter anderem auf die eingetragene Lebenspartnerschaft („Homo-Ehe“), das Antidiskriminierungsgesetz und die Rechte älterer Menschen hin. Insbesondere 2002, im Jahr des Europride, durfte natürlich auch der Blick nach Europa nicht fehlen.

Sexuelle Befreiung nach einer Razzia
Die Schwulen in den USA konnten vor vierzig Jahren von solchen rechtlichen Privilegien nur träumen. Jede Handlung, die von der heterosexuellen Norm abwich, galt als Erregung öffentlichen Ärgernisses. Körperliche Liebe zwischen Männern konnte nur an geheimen Orten praktiziert werden. Die Polizei versuchte ständig, so genannte „Schwulenbars“ aufzuspüren, so auch im Stonewall Inn in New York. Dort sorgte eine nächtliche Razzia am 28. Juni 1969 für eine gewaltsame Auseinandersetzung zwischen den Homosexuellen und den Ordnungshütern. Die Ereignisse mündeten schließlich im ersten Christopher Street Day, der nach der Straße benannt wurde, an der die Kneipe lag. Die sexuelle Befreiung durch die „Gay Liberation Front“ breitete sich über die Grenzen aus und erreichte nach einigen Jahren Deutschland.

Aloha! Die Zugteilnehmer mit Spaß bei der Sache

Köln etabliert sich als Hochburg der Homosexuellen

Als Köln 1991 Gastgeber des nordrhein-westfälischen Gedenktages „Gay Freedom Day“ war, entschied der neu gegründete Verein „Kölner Lesben- und Schwulentag“, künftig jedes Jahr eine solche Veranstaltung in der Stadt durchzuführen. Die Teilnehmerzahl stieg ebenso wie die öffentliche Wahrnehmung. Zusätzliche Motivation erhielten die Homosexuellen durch den europäischen Dachverband EPOA. Zum zweiten Mal nach Berlin 1993 fand die mit besonderer Aufmerksamkeit bedachte kontinentale Parade Europride 2002 in Deutschland statt. Die rheinische Metropole freute sich nicht nur über die Ehre, sondern auch über einen Rekord bei den Besuchern. In den letzten Jahren etablierten sich die Zahlen der aktiven und passiven Teilnehmer auf konstant hohem Niveau. Darüber freut sich neben den Veranstaltern die regionale Wirtschaft, die zusätzliche Einnahmen verbuchen kann. Derzeit blickt der KLuST schon über den nächsten Cologne Pride mit der Parade am 6. Juli 2008 hinaus. Denn das nächste internationale Großereignis der Homosexuellen in Köln steht bevor. Im Jahr 2010 finden die achten Olympischen Spiele der Schwulen und Lesben, die Gay Games, rund um das Rheinenergie-Stadion statt. Rund 10.000 Athleten werden in 31 Disziplinen um sportliche Meriten kämpfen, während sich weitere Besucher bei den begleitenden Kulturveranstaltungen vergnügen. Mit dem Motto der Gay Games – „Be part of it!“ (Sei ein Teil davon!) – könnte man auch die kompletten Aktivitäten der Homosexuellen beschreiben. Sie wollen einfach nur zur Gesellschaft gehören wie jeder andere Mensch. Aloha CSD!

 

Markus Schnitzler

Kommentare

georg Büllesbach, 05.03.2011 23:14:
hallo geehrte Damen ,
hallo geehrte Herren,

ich finde es einfach nur super das
es so eine Veranstalttung gibt.
Würde gerne näheres über ver. Akti.
im vorfehlt des CSD. erfahren
Wenn es fileicht einen Terminkalender gibt wo die einzelnen Termine u. Lokale u.s.w.

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