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Das „heilige“ Köln

Schutzengel, Reliquien und eine Flut von Gotteshäusern

Der Abzug der Römer ließ die Kölner schutz- und orientierungslos zurück. In dieser Zeit des Niedergangs, in der die öffentliche Autorität vor dem Zusammenbruch stand, erwies sich die christliche Kirche zunächst als die einzige organisierte Kraft. In den erwartungsvollen Augen der Bevölkerung war es nun Aufgabe der Bischöfe und Äbte, drohende Gefahren abzuwenden und für Stabilität zu sorgen.

Bei ihrem Abzug hatten die römischen Truppen die Rheinbrücke vermutlich wieder abgerissen. Köln war nun vom Fernhandel des Imperiums ebenso abgeschnitten wie vom Eifelwasser – viele Bewohner flohen aus der schutzlos gewordenen Stadt. Kleinere Truppen von Franken zogen plündernd durch das Land, und schließlich nahm eine von ihnen die Stadt ein.

Sigibert, ein heidnischer Frankenkönig, wählte Köln im Jahr 480 zur Hauptstadt seines Reiches. Der mit ihm verbündete Chlodwig siegte 497 in der Nähe von Köln gegen die Alemannen und nahm, gemäß seinem Gelübde, nach der Schlacht den christlichen Glauben an. Neun Jahre später gelang es ihm durch die Ermordung von Sigiberts Sohn Chloderich, einen großen Teil des Rheinlandes und Köln in seinen Besitz zu bringen. Kaum 100 Jahre nach dem Untergang des Weströmischen Reiches war Köln wieder eine wichtige Stadt eines großen Reiches. Eine neue Blütezeit begann.

Der Heilige Gallus, ein frömmelnder Eiferer, empörte sich bei einem Besuch im frühen 6. Jahrhundert über die vielen noch rege frequentierten römischen Tempel in Köln. Sein Versuch, diese niederzubrennen, stieß jedoch bei den Einheimischen auf wenig Verständnis. Er entging nur knapp der Lynchjust

Die Kirchenbauten verdrängen die Tempel
Dennoch wurden aus christlichen Kreisen die Rufe immer lauter, die Stadt als „heiliges Köln“ zu etablieren. Ein wahrer Boom an Kirchenbauten setzte ein. Angeblich waren es insgesamt 365 an der Zahl: Bischof Kunibert, der Berater des letzten wirklich einflussreichen Merowingerkönigs Dagobert I., fand die Gebeine der Heiligen Ursula und gründete Kirchen. Plektrudis, die Stiefmutter Karl Martells, gründete Anfang des 8. Jahrhunderts das Stift St. Maria im Kapitol. Auch andere Kirchen, etwa Groß St. Martin, fanden eine erste Erwähnung.

Unter Karl dem Großen (742–814) blühte Köln auf. Sein Erzkaplan Hildebold wurde zunächst Bischof von Köln und nach der Erhebung des Bistums zum Erzbistum schließlich zum Erzbischof ernannt. Durch seine Stellung am Hofe Karls war er der mächtigste Geistliche im Reich. Er initiierte einen Neubau des Domes St. Peter, der zum geistlichen und damit auch wirtschaftlichen Zentrum vieler angeschlossener Bistümer wurde.

Karl der Große weitete daraufhin sein Reich auch stark nach Osten aus. Da er außerdem sein Herrschaftsgebiet bis nach Norditalien und an den Rand der Pyrenäen ausgedehnt hatte, lag Köln als Handelsstadt in der Mitte des Reiches. Es war berühmt durch seine Kirchen, gut geschützt vor äußeren Feinden, begünstigt durch die Nähe zur Kaiserpfalz in Aachen sowie durch seine Lage am Rhein.

Als die Normannen plündernd durchs Land zogen, blieb 881/882 zwar auch Köln von den Raubzügen nicht verschont, doch andere Städte traf es weitaus schlimmer.

Eine eher klägliche Reihe karolingischer Herrscher wurde schließlich abgelöst von den Ottonen. Unter König Heinrich I. (919–936) wurde Köln nun dem östlichen Teil des Reiches zugeordnet, der sich bald „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ nennen sollte.

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