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Die beiden Gesichter des Kölschen Klüngelns

Sportliches Ereignis und kriminelles Handeln

„Man kennt sich, man hilft sich.“ (Konrad Adenauer)

Kölscher Klüngel ist berühmt. Wenn man Klüngel sagt, dann meint man Köln. Klüngeln kann fast jeder Kölner.

Köln ist zwar eine Millionenstadt. Aber durch seine Veedel (Stadtteile) irgendwie auch ein Dorf. Man ging zusammen zur Schule, traf sich im Sport- oder Karnevalsverein, abends sah man sich in der Eckkneipe. Zusammen gefeiert wurde auch immer kräftig. Gleich ob im Karneval, auf einem der zahlreichen Events oder im Privatkreis.

Und da man in Köln eher offen und kommunikativ ist, fällt es nicht schwer, neue Menschen kennen zu lernen. So kennt man sich halt in Köln. Und hilft sich gegenseitig. Wenn man eine Wohnung sucht, kennt irgendeiner bestimmt irgendwen, der wieder jemanden kennt, dessen Wohnung zu vermieten ist. Ist der Hund entlaufen, so weiß man immer, wo man in der Nachbarschaft nachfragen soll. Hat der Partner oder die Partnerin sich von einem getrennt, schon laden nette Freunde einen ein, damit man neue Leute kennen lernen kann. Auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle oder nach einem neue Job? Kein Problem: der Pitter hat da einen Tipp. Die Oma ist krank und man sucht eine Hilfe zur Pflege. Auch kein Problem: Die Nachbarin drei Häuser weiter kennt da jemanden. Der Firma fehlen noch ein paar Aufträge. Da ruft man am besten mal den Pitter an. Der hat immer Aufträge zu vergeben. STOP! Sitzt Pitter etwa im Einkauf der Kölner Stadtverwaltung? Nein, keine Angst: Pitter arbeitet als kaufmännischer Sachbearbeiter in einem mittelständischen Unternehmen.

Man hilft sich halt. Man hat sein Netzwerk. Wie es dies in jeder anderen Region auf der Welt auch gibt. Da man sich in Köln extrovertiert und locker gibt, kennt man ein paar Menschen mehr als Bewohner anderer Regionen. „Networking“ heißt das auf Neudeutsch. Nichts Schlimmes. So was gibt es jetzt auch im Internet weltweit. Die Amerikaner veranstalten Visitenkarten-Parties, um sich kennen zu lernen. So was braucht man in Köln nicht. Man klüngelt halt. Hilfst Du mir, helfe ich Dir. Irgendwie sympathisch, aber nicht kriminell. Aufs Klüngeln ist man stolz in Köln. Und bekennt sich auch öffentlich dazu. So weit so gut.

Klüngeln falsch verstehen

Es gibt noch eine andere Seite. Man kennt sich, aber man ist gierig. Dazu meist noch arrogant, selbstherrlich und elitär. Man hilft sich. Bei öffentlichen Projekten. Als Beamter, Angestellter im öffentlichen Dienst, als Unternehmer oder Unternehmen und am allerschlimmsten als Mandatträger mit einem öffentlichen Amt. Plötzlich geht es um Geld, um viel Geld. Und allen Beteiligten geht es verdammt gut. Und da hat schon lange der Spaß des Klüngelns aufgehört. Hier geht es um Bereicherung einiger weniger zu Lasten Dritter. Der Dritte ist meist der Bürger der Stadt Köln. Also die Allgemeinheit. Sie und ich. Wir beide und alle anderen zahlen, weil sich einige wenige „Wichtig-Wichtig-Menschen“ eigene Spielregeln ausgedacht haben. Oder Klüngeln falsch verstehen. Klüngeln sagen, weil das ja schick ist. Aber Korruption meinen. Oder Bestechung. Oder ungerechtfertigte Bereicherung. Oder Verschwendung von öffentlichem Eigentum. Das liest sich einfach. Ein Fall für den Staatsanwalt! Aber so einfach ist das nicht. Hier ist Klüngeln nicht mehr öffentlich. Geschickt wird verdeckt gearbeitet. Nachweise sind schwer zu führen.

Gelegentlich ist das Boulevard-Blatt „Bild Köln“ ein kleines bisschen mutig und stellt kritische Fragen. Oder der WDR. So gab es den WDR-Beitrag „Milliarden-Monopoly“ mit schweren Vorwürfen gegen den Rat der Stadt Köln, der Stadtsparkasse, dem Oppenheim-Esch-Font (Oppenheim Bank, Unternehmer Josef Esch), Ex-Oberstadtdirektor Lothar Ruschmeier (SPD). Andere Kölner Medien halten sich lieber zurück. Ab und zu schrieb die Süddeutsche Zeitung (!) über den Kölner CDU-Strippenzieher Rolf Bietmann wenig Erfreuliches. In der alternativen Kölner Stunksitzung gab es im Jahre 2006 einen Sketch, der eine Parallele des Kölner Filzes zu Mafiastrukturen zog. Bundesweit bekannt wurde allerdings der Kölner Müllskandal. Hier ging es um Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe, was dann doch mal die Gerichte beschäftigt hat. Insider aus der Kölner Politik-Szene meinen aber, dass die bekannten Fälle nur die Spitze des Eisberges seien. Lassen wir dies mal so stehen.

Fakt bleibt, dass  es in gewissen Kreisen opportun zu sein scheint, den Adenauer Satz „Man kennt sich, man hilft sich“ in beschämender Weise misszuverstehen. Und so Köln und seiner Reputation empfindlich schaden. Schade für die ehrlichen Kölner, schade für Köln.

Ertay Hayit

Klüngel-Tipp für Anfänger

Positives Klüngeln ist in Köln ganz einfach. Pflegen Sie Ihren Freundes- und Bekanntenkreis. Seien Sie offen, neue Leute kennen zu lernen. Helfen dort mit, wo man Sie braucht. Im Rahmen Ihrer Möglichkeiten, aber ohne „wenn und aber“. Empfehlen Sie Ihre Freunde und Bekannten weiter, wenn diese gebraucht werden und diese helfen können. Sie werden nach einiger Zeit feststellen: Sie haben sich ein Netzwerk aufgebaut und man wird Ihnen helfen, wenn Sie Unterstützung benötigen.

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