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Von Außenseitern, Lebenskünstlern und Rebellen in Köln

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Buchbesprechung über „Kölns kleine Leute“

Frei nach Bertolt Brecht sieht man nur Menschen, die im Lichte stehen. Menschen im Dunkeln sieht man nicht. Das dachte sich auch der Kölner Historiker und Theologe Klaus Schmidt. Und beschloss als Autor ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen und Menschen zu beschreiben, die nicht zu den Mächtigen und Reichen gehören.

„Kölns kleine Leute“ ist der Titel seines Buches über Menschen, die nicht etwa kleinwüchsig sind, sondern aus einfachen Verhältnissen stammen. Die nicht Mandats-, Würden- oder Entscheidungsträger waren oder sind und somit in die Geschichtsbücher eingegangen sind. Kölns kleine Leute ist ein Geschichten- und Porträtbuch. Es ist auch ein Geschichtsbuch. Denn Schmidt reiht nicht Anekdoten aneinander, sondern beschreibt Persönlichkeiten, gleich ob sie Gutes oder Verwerfliches tun, im Zusammenhang ihrer Zeit in der sie lebten.

Der Autor erzählt von Alltag, Arbeit und geselligem Leben der kleinen, der „normalen“, der einfachen Kölnerinnen und Kölner. Er beschreibt ihre Freuden und Leiden, ihre Widerstandskraft und Lebenslust, ihren Mut und oft unverwüstlichen Humor.

Zeitlich beginnt das Buch im Mittelalter. Dort geht es um Dirnen und Kupplerinnen. Oder um einen armen Schuster oder eine tapfere Hebamme. So führt Schmidt durch die Etappen der Geschichte in Köln und hilft anhand von Geschichten einfacher Leute die Zeit zu verstehen, in der sie lebten.

Bemerkenswert ist das Kapitel „Verbrechen und Widerstand – Schicksale im „Dritten Reich“. Willkür und Menschenverachtung fand unter der Herrschaft der Nationalsozialisten in Köln genauso wie überall im Machtbereich der Nazis statt. Köln und viele Kölner waren nicht besser als andere. Selbst im Karneval. Der nicht angepasste Karnevalist Karl Küpper beispielsweise erhielt „lebenslängliches Redeverbot“. Selbst in der Nachkriegszeit, im Jahre 1952, war er in Kölner nationalkonservativen Karnevalskreisen ein Dorn im Auge, als er sich in einer Büttenrede kritisch über die Nazi-Zeit äußerte.

Das Buch endet mit einer Reflexion, ob „kleine Leute“ in Köln anders sind als anderswo. Das Nachwort verfasste der bekannte Links-Publizist Martin Stankowski mit sehr lesenswerten dialektischen Gedanken zu den Menschen in Köln.

Fazit der Redaktion von koeln-magazin.info

Ein lesenswertes und ein gut lesbares Buch. Sauber recherchiert mit umfangreichen Fußnoten und einer ausführlichen Bibliographie. Es ist kein wissenschaftliches Buch, sondern ein „Versteh-Buch“. Ein Buch, um Menschen und ihre Zeit zu verstehen. Dabei ist die Realität manchmal spannender und oft auch grausamer als es sich so mancher Roman-Autor ausdenken kann.

Was nicht so gefällt:

Es ist eher eine grundsätzliche Frage. Mich stört persönlich die Einteilung in „kleine“ oder „große“ Leute. In arm oder reich. In oben oder unten. Das ist mir zu viel Schublade und zu wenig Individualität. Dies sind jahrhundertelang materialistisch geprägte Sichtweisen unseres Kulturkreises. Nicht alle Spanier sind stolz und alle Italiener essen Spaghetti. Das wissen wir mittlerweile. Schubladen-Denken ist mega-out.

Oben und unten definiert sich zumindest soziologisch immer noch nach Macht, Einfluss, Geld und Bildung. Aber eigentlich sollte doch der Mensch im Mittelpunkt stehen. Gleich ob groß oder klein, arm oder reich. Denn Soziopathen, Verbrecher sind ebenso wie gute Menschen überall. So betrachte ich persönlich „große Leute“ als Menschen, die in ihrem Umfeld Gutes tun. Egal wo sie herkommen und was sie sind.

Trotzdem freue ich mich, dass Autor und Verlag den Mut und den Intellekt hatten, dieses Buch zu publizieren. Denn dieses Buch ist unbestritten ein weiterer  unentbehrlicher Mosaikstein, wenn man Köln und seine Einwohner verstehen möchte.

Was sehr gut gefällt:

Der Autor Klaus Schmidt schreibt nicht nur sehr lebendig und gut lesbar. Was er schreibt, ist auch sehr reflektiert. Keineswegs heroisiert oder mystifiziert er seine „kleinen Leute“. So ist sein Buch nicht nur eine akribische historische, sondern auch differenzierte intellektuelle Leistung.

Schon Bertolt Brecht fragte zu Beginn des 20. Jahrhunderts wo in der Geschichtsschreibung eigentlich die Menschen erwähnt werden, die Steine für die großen Bauwerke schleppten. Immer nur würden die großen Baumeister beschrieben. An Klaus Schmidt hätte er seine Freude gehabt. Denn Schmidt ist es mit seinem Buch gelungen, dass man Köln und Kölner aus einer neuen, anderen Sichtweise kennenlernen kann. Respekt vor dieser Leistung.

Ertay Hayit

Klaus Schmidt
Kölns kleine Leute
Geschichten und Porträts
Mit einem Nachwort von Martin Stankowski
Greven Verlag Köln
304 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-7743-0469-7
EUR 19,90

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Der Autor Klaus Schmidt ist Theologe und Historiker

Über den Autor

Klaus Schmidt, geb. 1935, ist Theologe und Historiker.

Bekannt wurde er auch durch Sachbücher und historische Biographien wie „Franz Raveaux“, „Andreas Gottschalk“ und „Glaube, Macht und Freiheitskämpfe. 500 Jahre Protestanten im Rheinland“ (alle im Greven Verlag Köln).

2005 erhielt er den „Rheinlandtaler“ des Landschaftsverbandes Rheinland.

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