lit.Cologne 2009

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Bild: lit.Cologne GmbH

Köln im Zeichen der Literatur

Die lit.Cologne gilt längst als eine feste Größe im Kölner Literaturbetrieb. Bereits zum neunten Mal sorgt sie beim lesefreudigen Publikum für volle Terminkalender. Mehrere Themenabende und eine große Gala bilden Höhepunkte unter den zahlreichen Veranstaltungen. Künstler aus aller Welt zeigen, wie lebendig das geschriebene Wort sein kann.

Bücher sind auch im Zeitalter der elektronischen Medien ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen Lebens. Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings, dass sie interessant gestaltet und präsentiert werden. Als Vorbild kann dabei die lit.Cologne dienen. Das Kölner Literaturfestival findet 2009 zum neunten Mal in Folge statt und beweist, dass ein Buch mehr ist als ein paar gebundene Blätter Papier.

Vielfalt an ungewöhnlichen Orten
Hat das Bild das letzte Wort? Sitzt selbst im Glück der Knacks? Und steckt tatsächlich in jedem tüchtigen Menschen ein Poet? Antworten auf diese und viele weitere die Literaturwelt bewegende Fragen verspricht die lit.Cologne 2009. Wer das diesjährige Programmheft durchblättert, erkennt schnell die Vielfalt, die den Besuchern geboten wird.

Insgesamt stehen vom 12. bis 21. März 158 Veranstaltungen zur Auswahl. Das internationale Literaturfestival sorgt so anderthalb Wochen lang für volle Terminkalender bei Literaturfreunden: Mit einer Vielzahl von Autorenlesungen, Podiumsdiskussionen und Bühneninszenierungen rund um das gegenwärtige Literaturgeschehen wird der Pfad der Liebe in den Zeiten der Aufklärung ebenso nachgezeichnet wie der Weg vom Tellerwäscher zum Pulitzerpreisträger.

Schon der Eröffnungsabend klingt vielversprechend: Daniel Kehlmann stellt den Gästen der lit.Cologne sein neues Buch „Ruhm“ vor. In neun Episoden, die sich nach und nach zu einem geschlossenen Gesamtbild ordnen, entfaltet Kehlmann ein raffiniertes Spiel mit Realität und Fiktion: ein Spiegelkabinett. Ein Buch über Ruhm und Verschwinden, Wahrheit und Täuschungen – voll unvorhersehbarer Wendungen. Kehlmanns letzter Roman „Die Vermessung der Welt“, wurde in 40 Sprachen übersetzt und gilt als einer der größten Erfolge der deutschen Nachkriegsliteratur.

Erneut gibt es Veranstaltungen, die sowohl im Erwachsenen- als auch im Kinderprogramm laufen: so z.B. Güner Yasemin Balci „Arabboy“, Amelie Fried „Schuhhaus Pallas“ und Klaus Werner-Lobo & Frank Plasberg „Uns gehört die Welt“.

Dass Literatur nicht immer in Buchhandlungen oder in der Bibliothek präsentiert werden muss zeigt die teilweise recht ungewöhnliche Ortswahl der Veranstaltungen. Ausgerechnet im Polizeipräsidium Köln-Kalk liest am 16. März Autor Frank Goosen aus Charlie Hustons „Killing Game“: Der Krimi handelt von Mord und Drogen. Weil es in Tobias Bungters Kinder-Krimi um das entführte Elefantenmädchen Marlar geht, findet die Lesung dazu im Elefantenhaus des Kölner Zoos statt.

Die ehemalige TV-Literaturkritikerin Elke Heidenreich und Anne Michaels beschäftigen sich mit einer großen Liebesgeschichte von außergewöhnlicher poetischer Kraft: Wintergewölbe. Der neue Roman der Autorin von „Fluchtstücke“, dem Debüt-Roman, der Anne Michaels über Nacht zum internationalen literarischen Superstar machte. Ungewöhnlich ist der Ort, an dem diese Lesung stattfindet. Während die Gäste sich der Literatur widmen, fahren sie mit einem Schiff über den Rhein.

Auf der MS RheinEnergie finden im Rahmen der lit.Cologne zahlreiche Veranstaltungen statt
Geschäftsführung lit.COLOGNE GmbH:

Der Reiz des Ungewöhnlichen
Doch gerade das Ungewöhnliche bildet den besonderen Reiz des „Woodstocks der Literatur“, das zehntausende Besucher ebenso anlockt wie Künstler aus aller Welt. Seit der Premiere im Jahr 2001 sind die Kölner Festtage der Literatur im Terminkalender aller Leseratten fest verankert. Schon nach dem ersten Mal äußerte der Krimi-Autor Jakob Arjouni die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen und in den nächsten Jahren wünschten sich immer mehr Gäste, das Erlebnis regelmäßig wiederholen zu können. Geschäftsführer Rainer Osnowski und seine Helfer sorgten dafür, dass kein Jahr mehr ohne die beliebten literarischen Aufführungen verging, die die Stadt Mitte März „literarisieren“, wie der Stammgast Roger Willemsen es ausdrückte. 2006, im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft, erstreckte sich das Literaturfestival mit mehr als 200 Teilnehmern erstmals über neun Tage. Bastian Sick lockte 15.000 Zuschauer zur „größten Deutschstunde der Welt“ in die Kölnarena, in der sonst nur Sportler und Musiker auftreten. Damit bewies der Kolumnist von Spiegel online, dass selbst die Sprachwissenschaft äußerst unterhaltsam sein kann, wenn man ihr einen passenden Rahmen verleiht.

Das Gerüst des „kreativen Konzepts fern der reinen Autorenlesung“ (Bildreport) bilden jedes Jahr die Themenabende, die alle Aspekte des Lebens behandeln können. 2007 gab Cordula Stratmann eine Einführung in die „Hypochondrie für Anfänger“. Dieter Hildebrand und Roger Willemsen durchstreiften die „Weltgeschichte der Lüge“, während sich Bastian Pastewka dem Objekt seiner Parodie, Edgar Wallace, widmete und drei andere Schauspieler an den Kabarettisten Karl Valentin erinnerten.

Die Literaturschaffenden blicken also über die Grenzen ihres eigenen Mediums hinaus. Für eine moderne Form der Literatur gibt es im Rahmen der lit.Cologne sogar eine eigene Auszeichnung: Seit 2003 wird jedes Jahr der deutsche Hörbuchpreis vergeben. So wie auch schon im Vorjahr, moderieren auch 2009 die im Internet bekannt gewordene Moderatorin Katrin Bauerfeind und der vom Radio ins Fernsehen gekommene Jörg Thadeusz die Preisverleihung. Der Deutsche Hörbuchpreis wird zum 7. Mal verliehen. Er zeichnet die besten und innovativsten Hörbücher eines Erscheinungsjahres aus und ist mit insgesamt 23.331 Euro Preisgeld dotiert.

 

Foto:© Alice Schauhoff

Internationale Stars und Nachwuchsförderung
Wenn das geschriebene Wort in Köln zum Erlebnis wird, versammeln sich Künstler aus allen Genres rund um den Dom. Internationale Stars wie der Amerikaner T.C.Boyle oder der Brite Simon Beckett sind beim größten Literaturfest Europas ebenso willkommen wie die deutsche Prominenz. Die ausländischen Gäste freuen sich nicht nur über die künstlerischen Darbietungen. Sie lieben auch das Ambiente und die Spezialitäten des Rheinlands. Tony Parsons genoss 2007 „eine Nacht der Liebe, des Lachens und des lokalen Biers (a night of love, laughter and local beer)“. Darüber hinaus bietet die lit.Cologne weniger bekannten Schriftstellern die Chance, ein größeres Publikum für sich zu gewinnen. Geschäftsführer Osnowski berichtet von Besuchern, bei denen sich die Begegnungen mit den Neulingen „als wahre Entdeckungen erwiesen haben“. So präsentierte 2008 beispielsweise die extravagante VIVA-Moderatorin Charlotte Roche ihren Roman gemeinsam mit Theater-Regisseur Claus Peymann.

Der Nachwuchs ist auch als Gast wesentlicher Bestandteil des Kölner Literaturfestivals. Für Kinder und Jugendliche gibt es bei der lit.kid.Cologne 2009 mehr als sechzig eigene Veranstaltungen. Zu den Höhepunkten gehört beispielsweise die Veranstaltung „Nachrichten, die Geschichte machen“ mit Claus Kleber oder auch die Lesung mit Marietta Slomka, deren Buch „Kanzler lieben Gummistiefel“ Fragen aus dem politischen Alltag behandelt. Mit „Prinzessin Knöpfchen“ von Sybille Hein & Falk Effenberger präsentiert die lit.kid.Cologne ein Abenteuer-Musical mit Liedern zum Mitsingen. Cordula Stratmann liest aus E.B. Whites „Wilbur & Charlotte“, einem hinreißenden Klassiker der amerikanischen Kinderliteratur. Bei der Auswahl der Texte berücksichtigen die Organisatoren die Erkenntnisse der Hirnforschung, wonach Kinder schon früh mit Fremdsprachen umgehen können. Deshalb gibt es 2009 eine französisch-deutsche Lesung (Beate Dölling & Didier Laget, „Küsse kennen keine Grenzen“), eine englisch-deutsche Lesung (Holly-Jane Rahlens, „Mein kleines großes Leben“) und zum ersten Mal eine türkisch-deutsche Lesung (Yücel Feyzioglu, „Hexe Lilli“).

Die Bühnen der lit.Cologne bieten auch neuen Talenten eine Plattform.

Ein Fest für alle Sinne in der Literatur-Stadt
Doch egal, ob alt oder jung: Die Ohren sind mindestens genauso wichtig wie die Augen. Die erfahrene Schauspielerin Senta Berger verkündete 2003 die wichtigste Regel: „Lesen will gelernt sein – aber zuhören auch!“ Dem kölschen Selbstverständnis entsprechend ist es für die Einheimischen kein Problem, das Leben mit allen Sinnen zu genießen und zu feiern. Köln als Veranstaltungsort ist wahrscheinlich einer der wesentlichen Faktoren für den Erfolg. Die Stadt hat zwar keinen Goethe oder Schiller hervorgebracht, aber die Literatur ist auch außerhalb der lit.Cologne präsent. Der Nobelpreisträger Heinrich Böll wurde ebenso in Köln geboren wie der aktuelle Bestseller-Autor Frank Schätzing. Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff und der russische Schriftsteller Lew Kopelew verbrachten einen Teil ihres Lebens am Rhein. Neben den städtischen und Hochschul-Bibliotheken gibt es hier eigene Büchersammlungen von Kirche, Juden oder Wirtschaft. Von den für die Vermarktung der Literatur zuständigen Verlagen haben viele ihren Sitz in Köln. Zu den bekannten Namen zählen Bachem, Bastei Lübbe, DuMont, Emons sowie Kiepenheuer & Witsch. Letzterer arbeitet besonders eng mit dem internationalen Festival zusammen. Außerdem sorgt das Literaturhaus Köln seit 1996 dafür, dass alles, was sich zwischen zwei Buchdeckeln befindet, in der Stadt besonders gewürdigt wird. Vor diesem Hintergrund kann sich die lit.Cologne auch in den nächsten Jahren problemlos gegen die Buchmessen in Frankfurt oder Leipzig behaupten. Den Mehrwert der erlebten Literatur erfasste der Kabarettist Jess Jochimsen 2004 in einem Vergleich: „Lesen und Schreiben ist billiger Sex, Vorlesen und Zuhören aber ist Liebe.“
 
Das diesjährige Programm der lit.Cologne stellt international renommierte Autoren vor, lädt zu großen Themenabenden ein, präsentiert besondere Begegnungen von Autoren mit Journalisten, Schauspielern, Film- und Theaterschaffenden, Politikern, Philosophen, Musikern, Komikern, Kabarettisten und Gourmets.

Aufgrund des Unglücks auf der Severinstraße (koeln-magazin.info berichtete) mussten einige Veranstaltungen auf andere Räumlichkeiten ausweichen. Aktuelle Neuigkeiten erfahren Interessierte auf der Homepage des Festivals: http://litcolony.de/festival/news

 Markus Schnitzler / Judy Muhawi