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Köln zur Zeit des Nationalsozialismus

Zerreißprobe für die Domstadt

Die dunkelste Periode der deutschen Geschichte ging auch an Köln nicht spurlos vorüber. Stumme Mitläufer, Nutznießer und aufgebrachte Gegner des Nationalsozialismus setzten sich auf ihre Art mit dem politischen Wandel auseinander. Am Ende blieb von der prächtigen, lebendigen Stadt nicht viel mehr als eine menschenleere Trümmerwüste.

Nach der Machtergreifung im Januar 1933 kam es am 5. März zur Reichstagswahl, die die Nazis durch Propaganda, massiven Druck und die Verhaftung zahlreicher Politiker klar für sich entscheiden wollten. Doch trotz der Einflussnahme lag die NSDAP in Köln mit 33,1 Prozent der Stimmen deutlich unter dem Reichsdurchschnitt von 43,9 Prozent. Die Partei nahm dies zum Vorwand, die Domstadt umgehend „gleichzuschalten“. Politiker wurden aus ihren Ämtern gedrängt und die bis dahin hoch angesehene „Kölnische Zeitung“ zum Propagandainstrument umfunktioniert.

Nicht nur Oberbürgermeister Konrad Adenauer, der direkt nach der Machtergreifung aus seinem Amt entfernt wurde, lehnte das Gedankengut der Nationalsozialisten entschieden ab. Auch viele andere mutige Kölner leisteten entschlossen Widerstand, ob als Einzelpersonen oder in Gruppen organisiert. Köln als Ganzes reihte sich in dieser schweren Zeit allerdings recht nahtlos in das nationale Machtgefüge ein. Hermann Göring erhielt bereits 1934 die Ehrenbürgerschaft der Stadt, später dann Hitler, Goebbels und andere führende Nazi-Persönlichkeiten. Sie alle wurden in Köln mit Begeisterung empfangen. Viele Kölner Vereine und Clubs folgten dem Beispiel der Obrigkeit und schlossen Juden als Mitglieder aus, noch bevor dies zur Pflicht wurde. Die Verdrängung der Juden und die Enteignung jüdischer Unternehmer setzte schon bald nach der Machtübernahme ein, und sowohl die Stadt als auch viele Bürger nutzten die politische Strömung, um sich zu bereichern. Als im Herbst 1934 über die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers abgestimmt wurde, die Hitlers Machtposition enorm stärken sollte, waren 78,7 Prozent der Kölner dafür.

Die öffentlichen Hetzreden, die Schmähung der Juden in den Karnevalszügen und die Bücherverbrennung im Mai 1933 nahm die Bevölkerung ebenso zur Kenntnis wie die Folter und die Hinrichtungen im Hauptquartier der Gestapo in der Altstadt ab Dezember 1935. Die rege Nutzung des Galgens im Klingelpütz blieb ebenso wenig verborgen wie die Kristallnacht im November 1938, die Plünderung jüdischer Wohnungen und die Beschlagnahmung von Häusern und Grundstücken. Zwangsarbeit, die Verschleppung von Bürgern und ihre Internierung auf dem Messegelände in Deutz sowie ihre Deportation in Vernichtungslager wurden hingenommen – aber nicht von allen. Immer mehr Bürger lehnten sich auf gegen das menschenverachtende Geschehen in ihrer Stadt.

Übergriffe auf die jüdische Gemeinde
1933 lebten in Köln ca. 20.000 Juden. Kaum 50 von ihnen gelang es, bis zum Kriegsende versteckt in ihrer Heimatstadt zu überleben.

Im Dezember 1935 zog die Gestapo ins EL-DE-Haus am Appellhofplatz, in dessen Kellerräumen Hunderte von Menschen in den nächsten Jahren den Tod finden sollten. Im Frühling 1936 marschierten die Truppen der Wehrmacht in Köln ein und wurden in den Straßen von vielen Menschen begeistert empfangen. Knapp zwei Jahre später, im Oktober 1938, wurden in Deutschland bereits 17.000 Juden polnischer Abstammung, auch jene mit deutscher Staatsbürgerschaft, nach Polen abgeschoben. Als daraufhin der deutsche Botschafter Ernst vom Rath von einem Juden in Paris erschossen wurde, nutzte man dies als Vorwand für das Judenpogrom vom 9. auf den 10. November: In der „Kristallnacht“ wurden überall in Köln jüdische Geschäfte zerstört und die sechs Synagogen niedergebrannt oder verwüstet. 500 Juden wurden nach Dachau verschleppt, andere in ihren Wohnungen überfallen und misshandelt. Am 12. November 1938 wurde die vollständige Enteignung der Juden beschlossen.

Seit dem 1. Januar 1939 gab es in Köln keine jüdischen Geschäfte mehr, und die verbliebenen Juden mussten Zwangsarbeiten verrichten. Am 16. Mai 1940 wurden auch Sinti und Roma festgenommen und in das große Sammellager auf dem Deutzer Messegelände gebracht. Bis Oktober wurden 1500 Menschen von dort aus auf dem Schienenweg nach Polen transportiert. Im September 1941 begann dann für alle Juden die Kennzeichnungspflicht. Die erste Kölner Judendeportation nach Polen wurde am 21. Oktober durchgeführt. Zwei Tage später wurde Juden die Ausreise aus Deutschland verboten. Damit war nur noch eine geheime Flucht möglich. Am 20. Januar 1942 wurde in Berlin die Endlösung der Judenfrage beschlossen – dies betraf in Köln „nur“ noch 6200 Menschen. Ab Februar begannen die systematischen Deportationen, und bis zum 4. November waren fast alle jüdischen Bürger Kölns ermordet, deportiert oder geflohen. Ende 1943 war Köln „judenfrei“. Seit Anfang 1944 wurde auch gegen Halbjuden vorgegangen, und im Oktober verließ der letzte Deportationszug die Stadt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren mindestens 735 Häuser und Grundstücke beschlagnahmt und verkauft worden, wovon nicht zuletzt auch die Stadt profitierte.

Die Edelweißpiraten – Widerstand in Köln
In Köln, wie in anderen Städten des Reiches, bildete sich von Anfang an Widerstand gegen diese Entwicklung – zunächst im kleineren Rahmen, doch später auch organisierter, bewaffneter Art. Gruppen von Jugendlichen, die zunächst eher unpolitische Motive hatten, entzogen sich der Hitlerjugend und begannen, sich gegen die totalitäre Gleichschaltung aufzulehnen. Dies führte zur Gründung der „Edelweißpiraten“, die sich im gesamten Reich, schwerpunktmäßig aber im Rhein-Ruhr-Gebiet formierten. Mitglieder wurden überwiegend Jugendliche von 14 bis 17 Jahren aus der Arbeiterschicht. Ihr Erkennungszeichen war ein Edelweiß oder eine edelweißfarbene Stecknadel am Jackenkragen.

Bald gingen viele der Edelweißpiraten von der bloßen Ablehnung des Nationalsozialismus und der Verweigerung des Hitlerjugend-Programms zum aktiven Antifaschismus über. Die Gruppen der verschiedenen Kölner Stadtviertel besuchten Gruppen in anderen Städten und planten bei gemeinsamen Ausflügen politische Aktionen, Angriffe und Flugblätter. Die lockere Art der Organisation machte es der Gestapo schwer, die Widerständler aufzuspüren: Eine Kölner Gruppe schlug beispielsweise in Düsseldorf zu – eine Schar unbekannter Gesichter für die örtliche Gestapo oder HJ. Man schätzt, dass die Edelweißpiraten im gesamten Reich mehrere tausend Mitglieder zählten.

1943 spitzte sich die Lage zu. Edelweißpiraten aus dem Kölner Arbeiterstadtteil Ehrenfeld gründeten die so genannte „Ehrenfelder Gruppe“. Zu ihr gehörten außer den Teenagern auch ältere überzeugte Antifaschisten, entflohene KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter, Russen, Juden und Deserteure, die die Jugendlichen versteckt hatten. Um sie mit Lebensmitteln zu versorgen, verübten die Piraten Diebstähle, später besorgten sie auch Waffen auf dem Schwarzmarkt für den Partisanenkampf.

Die bunt gemischte Truppe, die auf 130 Mitglieder geschätzt wurde, verübte immer wieder Anschläge auf leitende Funktionäre der HJ, SA, SS und NSDAP. Im Oktober 1944 versuchte man reichsweit, die Edelweißpiraten durch den Erlass von „Richtlinien zur Bekämpfung jugendlicher Cliquen“ in den Griff zu bekommen, die sie auf eine Stufe mit Staatsfeinden und Hochverrätern stellte. Bestraft wurden die unangepassten Jugendlichen mit Fürsorgeerziehung, Gefängnis, Jugend-KZ oder dem Tod. Am 10. November 1944 wurden 13 Edelweißpiraten der Ehrenfelder Gruppe nach Folter und ohne Gerichtsverfahren in Köln-Ehrenfeld gehängt, die drei Jüngsten waren erst 16 und 17 Jahre alt.

Im Dezember 1944 verwickelten die Widerständler die Polizei und die Gestapo am Großen Griechenmarkt in ein zwölfstündiges Gefecht. Die Obrigkeit schlug brutal zurück, was das Dokumentationszentrum im Kölner EL-DE-Haus, dem ehemaligen Gestapo-Hauptquartier, eindringlich belegt. Der Plan der Edelweißpiraten, die Flucht der verantwortlichen Parteigenossen und Gestapo-Beamten zu verhindern und sie den Amerikanern zu übergeben, ließ sich nicht verwirklichen.

In Schutt und Asche
Vom 1. März 1941 bis 2. März 1945 griffen Fluggeschwader kontinuierlich die Stadt an. In der Nacht zum 31. Mai 1942 kam es hier zum ersten „1000-Bomber-Angriff“ der Briten, der die Innenstadt in ein Ruinengelände verwandelte. Im Juni 1943 waren bereits 230.000 Kölner obdachlos. Vor dem Krieg hatte Köln 770.000 Einwohner, nach dem Krieg waren es gerade einmal 40.000. Rund 20.000 Menschen waren bei den Luftangriffen umgekommen, die anderen wegen der Zerstörungen oder aus Angst vor den Angriffen geflohen. Während des Krieges warfen 10.000 Flugzeuge mehr als 1,5 Millionen Bomben auf Köln, und bis heute gehören Bombenfunde und -entschärfungen bei Bauarbeiten zum Alltag der Stadt. Als die amerikanischen Truppen am 6. März den Dom erreichten, war Köln nur noch ein Trümmerfeld: 90 Prozent der Innenstadt lagen in Schutt und Asche, rund 70 Prozent des Wohnraums in ganz Köln waren zerstört oder beschädigt. Die britische „Daily Mail“ notierte damals: „Ein Überlebender in Köln“ – gemeint war der Dom.

 

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