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17.05.17

Eine Begegnung mit Unsuk Chin bei Acht Brücken – Musik für Köln

Konzertbesprechung: Überraschende Klänge, die erstmal nicht ins Ohr gehen, und eine koreanische Komponistin, die das Publikum der Kölner Philharmonie gefeiert hat.

Mit ihrem feinen Lächeln im Philharmonie-Foyer - Die koreanische Starkomponistin Unsuk Chin begeisterte zum Acht-Brücken-Thema Ton.Satz.Laut. (Foto: Ariane Günther)

Elektroakkustische Musik hält jung. Eine These und Feststellung zugleich. Studiert man die Großaufnahme der Porträtkomponistin Unsuk Chin im diesjährigen Acht-Brücken-Programmheft, blickt einem ihr mädchenhaft wirkendes Gesicht entgegen.

Die vergangenen Jahre der 1961 geborenen Klangvirtuosin scheinen sich in alterslosem Antlitz zu manifestieren. Eine sinnliche Traumfantasie mag hinter ihrer faltenfreien Stirn verborgen sein. Auch bei Nahbetrachtung während der Einführung zu ihrem Konzerttermin in diesem Monat zog dieses sphärische Profil in den Bann.

Südostasien besuchte Kölner Philharmonie – könnte das Klangereignis lapidar betitelt werden. Besonders wenn der sprachliche Ausdruck gefragt ist, um die intelligenten Kompositionen von Unsuk Chin zu verbalisieren, machen Wortkonstruktionen von sich reden. Ihr Soundkosmos kann als ein Kraftort gehört und gefühlt werden. Die Schwingungen der Töne modellieren Poetisches, Pastelliges oder Patchwork zu einem verdichteten Tableaux. Immer steht die erweiterte Klangerfahrung im Fokus, die pointiert wird oder im breiten Duktus in sich zerfällt.

Ihre vier Werke „Allegro ma non troppo“, „Doppelkonzert“, „Gougalon“ und „cosmigimmicks“ wurden vom „Ensemble intercontemporain“ unter Leitung von Bruno Mantovani nicht nur aufgeführt, sondern perfekt in Szene gesetzt. Eine Art Highend Performance mit Akrobatik von Ton-Adoptionen und Klanghandwerk, der das Gehirn vielleicht nicht ad hoc Bravour zollte. Vielmehr perforierte die kompositorische Ästhetik von Unsuk Chin die Geschmacksnerven, sortierte aus und stellte neue Verbindungen her. Neuronale Verneblungen wirkten im Nachhinein wie ein Tattoo.

Der Effekt kann etwa mit sehr gutem, sehr edlem Wein mit besonderem Abgang und bleibendem Eindruck verglichen werden. Es mag ein Abenteuer oder herausfordernd sein, derartigen surrealen Klangwelten zu begegnen. Dabei winkte für denjenigen, der etwas weiter ging und sich dort umhörte, als Belohnung ein wichtiges Konzerterlebnis, das juvenil machte. Jungsein im Sinne von offen und neugierig ist eine gesellschaftliche Aufgabe, um für Zustände beweglich zu bleiben. Um Fragen zu stellen. Die Kunstform von Unsuk Chin bietet dazu ein unverzichtbares Instrument.

Ariane Günther

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