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27.09.17

Kölner Galeria Kaufhof vor dem nächsten Verkauf?

Kontrovers diskutiert: Eine mögliche Übernahme von Kaufhof durch einen Investor.

Kaufhof Köln an der Schildergasse (Foto: Koeln-Magazin.info)

Steht die Kölner Galeria-Kaufhof vor dem Verkauf? Überall wo man fragt, wird zwar heftig dementiert und Auskünfte werden verweigert, doch die wohlinformierten Spatzen pfeifen es von den Dächern. Die Signa Holding des österreichischen Milliardärs René Benko, dem schon Karstadt gehört, möchte auch den Kaufhof übernehmen.

Schon 1891 eröffnete der Stralsunder Kaufmann Leonhard Tietz eine Filliale seines gleichnamigen Warenhauses in der Hohe Straße in Köln, 1897 verlegte er dann seinen Firmensitz von Elberfeld in die Domstadt. Die Nationalsozialisten zwangen Alfred Leonhard Tietz im Jahre 1933, die Warenhauskette weit unter Wert an ein Bankenkonsortium zu verkaufen, das dann umbenannt wurde in die Westdeutsche Kaufhof AG.

Warenhäuser im Online-Zeitalter unter Druck
In Zeiten von Amazon, Zalando und weiterer großer Online-Anbieter steht die Frage nach der Zukunft des Warenhauses zumindest in Deutschland auf dem Prüfstein. Ins Gespräch gebracht hatte die Fusion der beiden deutschen Kaufhauskonzerne der österreichische Milliardär René Benko, dem mit seiner Signa Holding schon der deutsche Warenhauskonzern Karstadt gehört.

Zweimal vergeblich geboten
Schon zweimal, nämlich 2011 und 2015, hatte Signa für Kaufhof geboten. Beim ersten Mal hatte der Mutterkonzern Metro den Verkauf abgesagt, auch beim zweiten Mal war Signa unterlegen. Nach der Bekanntgabe schlechter Kaufhofzahlen wird es in der deutschen Handelsbranche als offenes Geheimnis gehandelt, dass sich die Signa Holding nach wie vor für den Kaufhof interessiere. Medien- und Insiderberichten zufolge soll die Signa Holding inzwischen schon eine renommierte Investmentbank beauftragt haben.
Mehr dazu: Wirtschaftswoche online

Aufsteiger und schillernde Finanziers
Wer René Benko kennt, dürfte darüber nicht sehr erstaunt sein. Beharrlich bahnt sich der österreichische Multimilliardär seinen Weg. Dabei sind die Strukturen des Benko-Imperiums nicht immer klar ersichtlich. „Selbst Finanzexperten, die versuchen, nähere Einblicke in die verschachtelten Strukturen des Firmenimperiums rund um die Signa zu bekommen, beißen sich die Zähne aus. Die Komplexität nährt Spekulationen, dass innerhalb der Gruppe Immobilien zu fragwürdigen Zwecken hin- und hergeschoben würden, wie etwa die deutsche Wirtschaftswoche berichtete“, schreibt der Wiener Standard über das Benko Imperium.

Schmiergeldzahlungen
Zudem stand der 40-Jährige auch schon im Fadenkreuz der Justiz. Am 2. November 2012 wurde Benko in Österreich wegen „versuchter verbotener Intervention“, man könnte das auch als „Schmiergeldzahlungen" übersetzen, zu einer „bedingten Haftstrafe" von einem Jahr verurteilt. Die zuständige Richterin erkannte es als erwiesen an, dass Benkos Steuerberater im Auftrag von Benko den früheren kroatischen Premierminister Ivo Sanader 150.000 Euro dafür geboten hätte, ein gegen Benko in Italien anhängiges Verfahren zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Das Urteil wurde später höchstrichterlich bestätigt und ist rechtskräftig.

Daraufhin zog sich Benko aus dem operativen Geschäft zurück und wechselte als Vorsitzender in den Signa-Beirat. Auch wenn der damals 36-Jährige immer wieder betonte, dies habe rein strategische Gründe.

Immobilie wichtiger als das Einzelhandels-Geschäft
Kritiker führen stets ins Feld, dass Benko nicht am Handelsgeschäft interessiert sei, zumal das klassische Warenhausgeschäft weiter an Attraktivität verloren habe. Die Angebote führender Online-Handelshäuser setzen den Warenhäusern zu und auch Benkos Signa Holding, die zwar für Ende des Monats sogar einen Gewinn für Karstadt verspricht, ist von diesem Problem betroffen.

Kritiker sehen das Geschäft der Signa, bei dem Benko als strategischer Kopf nach wie vor die Fäden zieht, sowieso als rein Immobilien bezogen an. Die Signa erwerbe Grundstücke und Immobilien in bester Lage und arbeite darauf hin, die Mieten erhöhen zu können. Außerdem sei man dort immer daran interessiert, Immobilien gewinnbringender zu nutzen, so Kritiker. Deshalb arbeite die Signa darauf hin, die Flächen zu verkleinern und gewinnbringender zu vermieten. 

Noch ist jedoch in Sachen Kaufhof nichts entschieden, zumal sich alle Seiten über mögliche Verhandlungen ausschweigen. Ob Benko ein wirklich guter Partner ist? Es sind jede Menge Gerüchte und Spekulationen über diese Frage im Umlauf. Es geht um viel Geld – da werden die Bandagen schon mal abgelegt.

Text: Frank Tetzel

(Foto: Koeln-Magazin.info)

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