Rund um Köln

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Zwischen Staubwolken und Profisport

Der WDR berichtet jeds Jahr live zu "Rund um Köln" in Radio und Fernsehen. Bild: WDR/dpa/Gero Breloer

Das Radrennen „Rund um Köln“ wurde 2008 hundert Jahre alt

Jedes Jahr am Ostermontag blicken die Freunde des Radsports auf die Domstadt. Die Sprinter und Bergkönige streiten in der Umgebung von Köln um den Sieg. Dabei treten auch ambitionierte Amateure in die Pedale.Auf das Wahrzeichen der rheinischen Metropole müssen die Fahrer und Zuschauer bei der 93. Auflage des traditionellen Radrennens verzichten. Wirtschaftliche Zwänge haben zu einer deutlichen Änderung der Strecke geführt. Die Athleten starten dieses Jahr im Oberbergischen Land und überqueren nach 205 Kilometern die Ziellinie am Rheinauhafen in Köln. Der Klassiker verliert jedoch auch ohne das Ziel am Kölner Dom nichts von seiner Faszination.

Große Namen auf zwei Rädern

Ein Blick auf das Starterfeld der vergangenen Jahre zeigt, wie beliebt das zweitälteste noch aktive Eintagesrennen bei den Profis ist. Der Sprinter Erik Zabel gewann von 1996 bis 2001 sechsmal in Folge das Grüne Trikot bei der Tour de France, wurde als Sportler des Jahres ausgezeichnet und avancierte mit zahlreichen weiteren Siegen zum derzeit erfolgreichsten deutschen Radfahrer. Er schaffte es außerdem, sich 1996 und 2004 in die Siegerliste von „Rund um Köln“ einzutragen. Auch ein kurzzeitiger Weggefährte von Zabel beim Team Milram, Alessandro Petacchi, reihte sich schon in die Starterliste der Kölner Rundfahrt ein. Der Italiener ist im Radsport eine feste Größe, da er schon diverse Etappen bei den drei größten Rundfahrten Europas einfahren konnte und damit auch einige Rekorde zu verbuchen hat. Aber gerade die deutschen Radrennfahrer werden alles versuchen, einen Sieg beim traditionsreichen „Rund um Köln“ feiern zu können. Der Berliner Jens Voigt vom CSC-Team zum Beispiel hofft, als Ausreißer gewinnen zu können. Ein Lokalmatador, Gerald Ciolek, der aus Pulheim stammt und im Kölner Raum ein großes Ansehen genießt, versuchte schon mehrfach, hier einen Sieg herauszufahren. Der Bonner David Kopp, der Sieger des Jahres 2005, stammt ebenfalls aus dem Rheinland.

Ein Rennen für Jedermann

Die Veranstaltung ist jedoch kein exklusiver Club für hochbezahlte Profis. Parallel zum Wettkampf der Stars findet ein Rennen für Amateure statt. Die „Rund um Köln Challenge“ führt die Fahrer wahlweise über sechzig oder hundert Kilometer. Sie ist außerdem das erste von neun Rennen der Serie „German Cycling Tour“. Der Herausforderung in Köln stellen sich mehr als 3500 Teilnehmer. Darunter sind jedes Jahr auch einige Ex-Profis, die sich noch einmal mit den Amateuren messen wollen und mit Sicherheit zu mehr Ansehen der Veranstaltung beitragen. Für weniger ambitionierte Hobbyradler sollte es zusätzlich eine 21 Kilometer lange Strecke geben, aber die Organisatoren mussten diesen Programmpunkt streichen. Kinder zwischen acht und 14 Jahren können sich stattdessen beim „Fette-Reifen-Rennen“ und diversen Schülerwettbewerben austoben.

Eisennägel verhelfen einem Kölner zum Sieg

Die Großeltern der meisten Jugendlichen lebten noch gar nicht, als Köln zum ersten Mal Austragungsort eines großen Radrennens war. Am 13. September 1908 fand die Premiere statt. Ferdinand Schneider setzte seinen umstrittenen Plan gegen alle Widerstände durch. Mit seinen Kollegen vom Verein Cölner Straßenfahrer (VCS) organisierte er „Rund um Köln“. Die Arbeit, bei der er vom RC Staubwolke 06, dem RTC Adler und den Ehrenfelder Strassenfahrern unterstützt wurde, lohnte sich nicht nur finanziell. Obwohl viele Gemeinden die nötige Durchfahrterlaubnis verweigerten, ergab sich ein attraktiver Kurs, der unter anderem nach Jülich, Bergheim und Zülpich führte. Die Strecke war mit 204 Kilometern nur tausend Meter kürzer als beim hundertjährigen Jubiläum. Trotzdem war die Fahrt für die etwa achtzig Teilnehmer wesentlich anstrengender als heute. Der Sieger benötigte acht Stunden und acht Minuten. Obwohl er damit nur eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h erreichte, überquerte Fritz Tacke die Ziellinie am Zülpicher Wall 32 Minuten früher als der Zweitplatzierte.  Der Fahrer aus dem Staubwolke-Verein blieb nämlich von einer bösartigen Sabotage verschont. Für viele Konkurrenten platzte der Traum vom Sieg im wahrsten Sinne des Wortes schon kurz nach dem Start in Worringen. Einige Kriminelle, die sich nicht für den Sport begeistern konnten, hatten Nägel auf die Straße gestreut.

Internationale Begeisterung und viele Heimsiege

Nach dem ersten Weltkrieg stieg die Begeisterung für „Rund um Köln“ bei Athleten und Zuschauern weiter an. In den zwanziger Jahren kamen die besten Fahrer aus ganz Europa ins Rheinland und es gab die ersten ausländischen Sieger. Für den größten Jubel in dieser Zeit sorgten jedoch die Brüder Fritz und Hermann Fischer. Die beiden Fahrer, die wie der Premieren-Sieger dem RC Staubwolke angehörten, schafften 1923 einen Doppelerfolg bei den Profis und Amateuren. In den nächsten Jahren gelang es vielen weiteren Kölnern, als Erster ins Ziel zu kommen. Der neue Organisator Heinrich Stevens warb währenddessen bei Politikern und anderen Prominenten um Unterstützung, damit das mittlerweile etablierte Rennen finanziell abgesichert war. So konnte auch der Zweite Weltkrieg die Fans des Radsports nicht stoppen. Nur 1944 und 1945 waren Absagen zu verzeichnen. Nach dem Krieg setzten sich die Athleten sofort wieder auf ihre Drahtesel. Die Dominanz der einheimischen Fahrer blieb bis Ende der achtziger Jahre bestehen. Horst Oldenburg gewann das Jubiläum 1964 und zehn Jahre später stand mit Dietrich Thurau einer der bekanntesten deutschen Profis ganz oben auf dem Podest. Nachdem 1990 die weitgehende Beschränkung auf Amateure wieder aufgehoben worden war, kamen viele Sieger aus den benachbarten Benelux-Staaten. Das größte Aufsehen im 21. Jahrhundert erregte 2003 der ehemalige Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich, der in Köln sein Comeback startete und im gleichen Jahr den zweiten Platz bei der Frankreich-Rundfahrt belegte. Die von den Bergen der Tour bekannte Auszeichnung „Hors Catégorie“ (HC) trägt seit 2007 auch „Rund um Köln“. Es gibt zwar im Rheinland kein Hochgebirge, aber höchste Anforderungen hat der Radrennklassiker schon immer gestellt.

 

Markus Schnitzler & Christian Fuß

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