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Fachhochschule für öffentliche Verwaltung: duale Ausbildung für den Beamten-Nachwuchs

Die FH für Kölner Nachwuchs-Beamte (Foto: Koeln-Magazin.info)
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung

Durch dreijähriges Studium mit festem Anwärtergehalt in den Polizei- oder Verwaltungsdienst

Die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung (FHoeV) ist eine interne Einrichtung des Innenministeriums NRW, die Beamte und Beamtinnen für den gehobenen öffentlichen Dienst ausbildet.


1976 gegründet hat die FHoeV des Landes Nordrhein-Westfalen seit dieser Zeit mehr als 54.000 Beamte ausgebildet. Sie ist dezentral strukturiert und kann ihre zukünftigen Fachkräfte somit ortsnah ausbilden. Während die Hochschulleitung und die Zentralverwaltung ihren Sitz in Gelsenkirchen haben, verteilen sich die derzeit rund 4.500 Studierenden zusätzlich auf sechs weitere Standorte: Duisburg, Münster, Bielefeld, Hagen, Dortmund und natürlich Köln.

Wege zum Beamtentum
Die Fachhochschule ist in fünf Fachbereiche gegliedert. Der Polizeivollzugsdienst (PVD) bildet Kommissaranwärter/innen für das Land NRW aus. Neben der Verwaltungs-Betriebswirtschaftslehre gibt es noch weitere Studiengänge im Bereich des Verwaltungsdienstes. Der kommunale Verwaltungsdienst (KvD) bildet seine zukünftigen Inspektoren schwerpunktmäßig im Bereich der Rechtswissenschaften aus. Absolventen des staatlichen Verwaltungsdienstes (SVD) werden nach ihrem Studium bei Bezirksregierungen und anderen staatlichen Mittelbehörden sowie Ministerien tätig sein. Beim Studiengang des sozialen Verwaltungsdienstes wird der Nachwuchs für die Deutsche Rentenversicherung im Rheinland und in Westfalen geschult. In Köln ist allerdings kein Studium im sozialen Verwaltungsdienst möglich.

Das ehemalige Dreikönigsgymnasium beherbergt heute rund 1.200 Studierende <br> Foto: Koeln-Magazin.info

Standort Köln: Die Nummer 1 in NRW
Seit der Gründung der FhoeV befand sich die Kölner Abteilung fast elf Jahre lang im ehemaligen Weidener Rathaus. Da dessen räumliche Kapazitäten schon bald nicht mehr ausreichten, ist die Fachhochschule seit dem Jahr 1987 im ehemaligen Dreikönigsgymnasium im Thürmchenswall ansässig. Heute ist die FhoeV Köln mit rund 1.200 Studenten der größte Standort in Nordrhein-Westfalen. Der Beamten-Nachwuchs wird von ca. 50 hauptamtlich Lehrenden sowie mehr als 150 Lehrbeauftragten unterrichtet und von 15 Verwaltungsangehörigen betreut.

 

Der Abteilungsleiter der FhoeV Köln, Hubert Erkes (l.), beim Gespräch mit Anne Priller (r.) von Koeln-Magazin.info

Durch Berufspraxis und Fachtheorie zum festen Arbeitsplatz
Am jeweiligen 1. September des Jahres beginnt die dreijährige duale Ausbildung, die abwechselnd und zu etwa gleichen Teilen aus fachtheoretischen wie auch berufspraktischen Phasen besteht. Beide dauern ungefähr 18 Monate. Je nach Wahl des Studiengangs setzen sich die fachtheoretischen Teile zu 60 Prozent aus der Rechtswissenschaft, zu 30 Prozent aus der Wirtschaftswissenschaft und zu 10 Prozent aus der Sozialwissenschaft zusammen.

Beim neuen Studiengang „Diplom-Verwaltungsbetriebswirt“ hingegen liegt der Schwerpunkt mit ca. 60 Prozent eher im Bereich der Betriebswirtschaften. Der restliche Lehrplan setzt sich aus ca. 30 Prozent Jura und ca. 10 Prozent Sozialwissenschaften zusammen. In der Domstadt werden für dieses Studium nur zwischen 40 und 50 Studierende pro Jahr zugelassen.

Kein typisches Uni-Studium
Der größte Teil des Studiums findet im Kursverbund von ca. 25 Personen statt. Dies erfordert natürlich eine aktive Teilnahme sowie Anwesenheitspflicht bei den Präsenzveranstaltungen. Die FhoeV hat sich außerdem zum Ziel gesetzt, ausgefallene Seminare nach Möglichkeit nachzuholen.

Die kleinen Kurse ermöglichen interaktiven Unterricht zwischen Dozenten und Studenten <br> Foto: Koeln-Magazin.info

Obwohl das Studium einen sehr schulischen Charakter hat, gibt es doch deutliche Unterschiede zum normalen Schulunterricht. Zusätzlich zu den Seminaren stehen ein zehnwöchiges Projektstudium sowie das Training sozialer Kompetenzen auf dem Lehrplan. Die fachwissenschaftlichen Seminare werden außerdem von Professoren und nicht von Lehrern vermittelt. Neben den vorgeschriebenen Lehrveranstaltungen soll der Beamten-Nachwuchs rund 41 Wochenstunden studieren.

Vom Diplom über den Bachelor bis zum Master
Während das Studium bisher mit dem akademischen Grad des Diplom-Verwaltungswirts (FH) abgeschlossen wurde, sollen die Bachelor-Studiengänge nun sukzessiv eingeführt werden. In Köln ist der Studiengang „Polizeivollzugsdienst“ zum Wintersemester 2008/2009 umgestellt worden. Der Staatsverwaltungs-Bachelor wird derzeit vorbereitet und soll voraussichtlich zum Wintersemester 2009/10 angeboten werden. Wann und zu welchen Bedingungen der kommunale Bachelor eingeführt wird, ist momentan noch offen.

Hubert Erkes, Abteilungsleiter der FhoeV-Köln

„Mit der Einführung des Bachelors und der Modularisierung mussten wir das ganze Studium anders aufbauen.  Der gesamte Studienverlauf musste umgestellt werden.  Es gibt keine Lehrfächer im klassischen Sinne mehr, sondern der Fachbezug wird in den Modulen in anderer Weise sichergestellt. Mit den Modulinhalten richten  wir  uns nach dem Anforderungsprofil der Fachpraxis und gestalten so die  fachtheoretische  Ausbildung.“

Ein Master-Abschluss ist an der Kölner Fachhochschule nicht möglich. Trotzdem können sich die Nachwuchs-Beamten auch nach dem Bachelor noch weiterbilden. In Kooperation mit externen Hochschulen hat die FhoeV speziell für ihre Absolventen drei Masterstudiengänge konzipiert. In Dortmund wird der berufsbegleitende Verbundstudiengang „Betriebswirtschaft für New Public Management“ mit dem Abschluss „Master of Business Administration“ angeboten. Absolventen des Polizeivollzugsdienst-Bachelors können an der Polizeihochschule in Münster ihren Master-Abschluss erwerben.

Gebührenfreies Studium
Da die Fachhochschule eine Einrichtung des Innenministeriums ist, besitzt sie nur ein eingeschränktes Selbstverwaltungsrecht. Dies bedeutet auch, dass die Studenten keine Studiengebühren zahlen müssen. Außerdem beziehen sie während des gesamten Studiums ein festes Anwärtergehalt. Und sie müssen keine freiwilligen Praktika leisten, wie es bei den meisten anderen Hochschulen der Fall ist.

Pflege der internationalen Beziehungen
Zwar führt die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung keine Kooperationen mit Partneruniversitäten im Ausland durch, trotzdem sollen auch hier internationale Beziehungen mit Polizei- und Verwaltungseinrichtungen gepflegt werden. Das im Jahr 2001 gegründete „Büro für Europa und Internationales“ ist eine Kontaktstelle für Studenten, die ihre Fremdsprachkenntnisse durch Sprachkurse verbessern wollen. Sie hilft auch bei der Planung und Vorbereitung von Auslandspraktika.

Bei der Planung von Auslandspraktika stehen die Studierenden nicht alleine da <br> Foto: Koeln-Magazin.info

Ortsnah bewerben
Neben der deutschen Staatsangehörigkeit ist die allgemeine Hoch- oder Fachhochschulreife bzw. eine gleichwertige Qualifikation Grundvoraussetzung für das Studium an der FhoeV. Aber auch mit der Erfüllung dieser Bedingungen ist kein Studienplatz garantiert. Die Studierendenzahlen sind immer an den Beamten-Bedarf in den Gemeinden gekoppelt. Interessierte für den Polizei- und Verwaltungsdienst müssen sich also direkt bei den Einstellungsbehörden bewerben, bevor sie zum Studium zugelassen werden können. Die genaue Zuteilung zu den Hochschulstandorten hängt dann vom Einzugsbereich der jeweiligen Einstellungsbehörden ab. Und auch dort müssen sie beweisen, dem Anforderungsprofil des Berufs gerecht zu sein, bevor sie den begehrten Studienplatz ergattern.

Verwaltungsdienst: schriftlich und mündlich überzeugen
Oftmals besteht die Bewerbung zunächst aus einem Anschreiben, einem Passbild, einem Lebenslauf und Kopien der letzten drei Zeugnisse. In vielen Ämtern dürfen die zukünftigen Beamten auch nicht älter als 26 Jahre sein. Die weiteren Bewerbungskriterien im Verwaltungsdienst hängen immer von den örtlichen Einstellungsbehörden ab. Wer sich beispielsweise bei der Stadt Köln bewirbt, wird nach dem Eingang der Unterlagen einen Vorab-Test online durchführen müssen. Erst nach Bestehen dieses Tests lädt die Stadt zum schriftlichen Teil ein. Dieser Zwischenschritt ist bei anderen Dienststellen eher unüblich. Nach dem schriftlichen Test folgt oftmals noch ein Vorstellungsgespräch. Wenn dieses auch erfolgreich absolviert wurde, muss nur noch die gesundheitliche Eignung vom Amtsarzt bestätigt werden.

Auf geht’s zur Polizei: Bewerbungsvoraussetzungen

Rechtskunde für angehende Polizisten <br> Foto: Koeln-Magazin.info

Ab dem 1. Oktober des jeweiligen Jahres kann man sich für den Polizei-Vollzugsdienst online bewerben. Allerdings gibt es hier eine Altersgrenze – das 32. Lebensjahr darf beim potentiellen Einstellungstag nicht überschritten werden. Zu den Bewerbungsunterlagen müssen unter anderem eine Geburtsurkunde, Zeugnisabschriften und ein tabellarischer Lebenslauf beigefügt werden. Wichtig ist außerdem ein Nachweis von sechs Jahren Englisch-Unterricht, also ungefähr dem Leistungsstand aus der 10. Klasse.

Auch die Körpergröße spielt eine wichtige Rolle. Alle weiblichen Studienbewerber müssen mindestens 1.63 Meter, die männlichen Interessenten sogar 1.68 Meter groß sein. Besonders ausschlaggebend ist für den Polizei-Dienst natürlich die körperliche Fitness: Der Body-Mass-Index (Gewicht dividiert durch Größe in Metern zum Quadrat) sollte idealerweise zwischen 20 und 25 betragen. Liegt er zwischen 18 und 20 bzw. 25 und 27.5, wird ein ärztliches Gutachten über die Polizei-Tauglichkeit entscheiden. Außerdem müssen alle potentiellen Nachwuchs-Polizisten auch das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen (mindestens Bronze) und das Deutsche Sportabzeichen nachweisen. Letzteres darf nicht älter als sechs Monate sein.

Assessment Center mit Gesundheits- und Intelligenz-Tests
Nach einer gründlichen Prüfung der formalen Voraussetzungen werden alle potentiellen Nachwuchs-Polizisten zu einem zweieinhalbtägigen Auswahlverfahren nach Münster eingeladen. Am ersten Tag beginnt das Auswahlverfahren mit einem drei- bis vierstündigen Computer-Test.  Hier werden die Intelligenz, das Gedächtnis, die Rechtschreibung sowie die sozialen Kompetenzen der Bewerber getestet. Nach einer erfolgreichen Teilnahme folgt ein weiterer PC-Test zur Feststellung der Tauglichkeit zum Führen von Polizeifahrzeugen bei Einsatzfahrten und ein Formalgespräch.

Am zweiten Tag müssen sich alle Bewerber dann einer polizeiärztlichen Untersuchung unterziehen. Ist diese positiv verlaufen, folgt zu guter Letzt ein halbtägiges Assessment Center, das aus Vorträgen, Rollenspielen und strukturierten Auswahlgesprächen besteht. Ist auch diese letzte Hürde erfolgreich bewältigt, steht einer Ausbildung zum Polizisten oder zur Polizistin nichts mehr im Weg.

In der neuen Aula werden Einführungsveranstaltungen und Projektpräsentationen abgehalten <br> Foto: Koeln-Magazin.info

Die FhoeV im Wandel
In Deutschland ist momentan der Bedarf an Polizei-Nachwuchs besonders hoch. Allein im Jahr 2008 hat das Bundesinnenministerium die Ausbildungsplätze für den Polizeivollzugsdienst von 500 auf 1.100 erhöht. Die wachsende Anzahl an Studierenden wirkt sich natürlich vor allem auf die FHoeV aus. Die Hochschule muss sich an die neuen Bedingungen anpassen. Im Jahr 2008 wurde deswegen unter anderem eine neue Raumausstattung in der Kölner Abteilung durchgesetzt. Jeder Studien-Raum besitzt nun beispielsweise einen neuen Beamer. Außerdem sind die Bibliotheks-Rechner mit einer komplett neuen Software ausgestattet worden. Auch die Aula sowie die Website sind brandneu. Trotzdem: „Die Räumlichkeiten sind am Limit“, berichtet Heinz Krapf, Verwaltungsleiter des Kölner Studienortes. Deswegen plant die FhoeV momentan einen Anbau an das Hochschulgebäude. Konkrete Entscheidungen wurden allerdings noch nicht getroffen.

Zukunftsaussichten des Beamten-Nachwuchses

Der FhoeV wird es auch in Zukunft nicht an Nachwuchs-Kräften mangeln <br> Foto: Koeln-Magazin.info

Laut Hubert Erkes, Abteilungsleiter des Kölner Standorts, wird die duale Ausbildung nicht nur für die Fachpraxis, sondern besonders für die Absolventen der FhoeV Vorteile bringen. Dank des neuen Studienverlauf-Plans besonders für die Bachelor-Studenten. „Die Zukunft kann man schwer prognostizieren“, sagt Erkes. Doch besonders für den Polizei-Vollzugsdienst sähen die Aussichten momentan sehr gut aus. Und auch beim Verwaltungsdienst gehe die FhoeV davon aus, dass sich die Behörden dort langfristig der demografischen Entwicklung angleichen werden.

„Die Übernahmesicherheit nach dem Studium liegt  im Polizeivollzugsdienst bei 100 Prozent, in der Verwaltung bei über 90 Prozent.  Mehr und mehr werden aber Einstellungen  ins Beamtenverhältnis von der Examensnote abhängig  gemacht. Aber auch die  Studierenden, die von ihrer Ausbildungsbehörde nicht ins Beamtenverhältnis übernommen werden, finden eine Einstellung  nur zu anderen Bedingungen. Eventuell erhalten sie dann einen Vertrag im Beschäftigtenverhältnis.“ (Hubert Erkes, Abteilungsleiter FhoeV Köln)

Anne Priller

Kontakt:
Zentralverwaltung:
Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen
Haidekamp 73
45886 Gelsenkirchen
Tel.: 0209-16 59  0
Fax: 0209-16 59  300
poststelle@fhoev.nrw.de
www.fhoev.nrw.de

Abteilung Köln:

Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen
Abteilung Köln
Thürmchenswall 48-54
50668 Köln
Tel.: 0221-912 652 0

Kantine der FhoeV

In der Frühstücks-Cafeteria der FhoeV ist eigentlich immer was los. Grund dafür ist vor allem das herzliche Personal. Besonders Kantinen-Oma Anni ist sowohl bei den Nachwuchs-Beamten wie auch den Dozenten allseits beliebt

...mehr zur Kantine der FhoeV

Info (Anfahrt / Anreise)

Dort ist es - und so kommt man hin

Zur besseren Orientierung gibt es auf Koeln-Magazin.info eine Wegbeschreibung zur FHoev sowie einen interaktiven Kartenausschnitt, auf dem die Hochschule eingezeichnet ist

...Kartenausschnitt Innenstadt/Fachhochschule für öffentliche Verwaltung

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