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Ubische Siedler und römische Herrscher in Köln

Die Kölner verdanken Caesar die Lage, Agrippina die Rechtsform und Konstantin die Kirchen ihrer Heimatstadt

Heute sind die Kölner ja allgemein für ihre offene und herzliche Art bekannt. Doch das rasche Bündnis ihrer germanischen Vorfahren mit den Römern war eher ein genialer Schachzug, der ihnen das Überleben sicherte, als übertriebene Gastfreundlichkeit der Ubier gegenüber Eindringlingen.

Während des Gallischen Krieges, als die Ubier noch auf der rechten Rheinseite lebten, hatte Julius Caesar linksrheinisch die Eburonen vernichtet. Später überquerte er mit seinen Truppen zweimal den Fluss: Beim ersten Mal, um weiteren feindlichen Germanenstämmen eine Lektion zu erteilen, beim zweiten Mal, um die verbündeten Ubier gegen ihre Nachbarn zu verteidigen. Allein für diese Militäraktionen wurden 55 und 53 v. Chr. die ersten beiden festen (Holz-)Brücken über den Rhein gebaut. Auf Caesars Rat hin siedelten die Ubier auf die linke Rheinseite über. Die Brücken wurden wieder abgerissen und die Flussgrenze bildete eine ideale Basis für die ambitionierten Eroberungszüge der Römer.

39 v. Chr. erreichte Kaiser Augustus die Nachricht, dass der Nachbarstamm der Sugambrer die Ubier linksrheinisch überfallen hatte. Wutentbrannt sandte der Römer seinen Schwiegersohn Marcus Agrippa mit drei Legionen gen Norden. Die Sugambrer, die eine friedliche Lösung ablehnten, wurden zwar nach harten Kämpfen besiegt. Um jedoch weiteren Überfällen vorzubeugen, befahl Agrippa den Ubiern, die Gründung einer ummauerten Siedlung auf einem Hügel am Rheinufer: das „Oppidum Ubiorum“.

Colonia: Die römische Stadt am Rhein
In den letzten Jahrzehnten vor der Zeitenwende wurde die Kombination aus befestigter Ubiersiedlung und römischem Militärlager wirtschaftlich und politisch-religiös ausgebaut. Das Heiligtum „Ara Ubiorum“ (Altar der Ubier) sollte der geistige Mittelpunkt der geplanten Provinz Germanien werden. Die auf spektakuläre Weise verlorene Schlacht des Varus im Teutoburger Wald 9 n. Chr. versetzte den römischen Expansionsbestrebungen allerdings einen schweren Schlag. Weiter östlich gelegene Militärlager wurden aufgegeben, und das Oppidum Ubiorum avancierte zur bedeutenden Grenzfestung.

Germanicus, Enkel des Augustus, heiratete Marcus Agrippas Tochter, Agrippina die Ältere. 15/16 n. Chr. wurde ihnen am Rhein eine Tochter geboren: Agrippina die Jüngere. Sie sorgte 50 n. Chr. dafür, dass ihr Geburtsort zur „Colonia“, also zur Stadt nach römischem Recht, erhoben wurde. Damit begann die politische, wirtschaftliche und kulturelle Blüte der früheren Ubiersiedlung als „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ (C.C.A.A.; der Zusatz „Claudia“ verweist hier auf den zur Gründungszeit regierenden Kaiser Claudius).

Die Bewohner der Stadt bezeichneten sich lange Zeit als Agrippinenser, zu Ehren ihrer Gründerin. Erst im 9. Jahrhundert sollte sich dann der Name „Colonia“ etablieren, der bereits ab dem 5. Jahrhundert vereinzelt verwendet und später zu „Köln“ abgewandelt wurde. Er verweist mit Stolz darauf, dass es sich bei dem Ort um die älteste Gemeinde auf deutschem Boden handelt, die römisches Stadtrecht vorweisen kann.

Mit der Ernennung zur Stadt kam der erste große Aufschwung: Die Stadtmauern schützten das Gemeinwesen, und drei Jahrhunderte lang blühte das geistige und wirtschaftliche Leben. Die Stadt wurde zu einem wichtigen Rheinhafen, Verkehrsknotenpunkt und zur bedeutendsten Basis für den Handel mit den Stämmen der anderen Rheinseite. Keramik und vor allem Glas galten als Kölner Spezialitäten. Aus der Metropole Rom bezog man Luxusgegenstände, Parfums und Öle ebenso wie prächtige Sarkophage. Namhafte Künstler und Architekten schufen großartige Fußbodenmosaiken und das beeindruckende Aquädukt, welches über eine Länge von ca. 95 Kilometer frisches Eifelwasser an den Rhein brachte. Als Stadt nach römischem Vorbild wurde das frühe Köln mit Thermen und Theatern, großen Foren und repräsentativen Tempeln, gepflasterten, schachbrettartig angelegten Straßen und einem gut ausgebauten Kanalnetz ausgestattet. Neun Stadttore gewährten Besuchern Einlass.

Zum Ende des 2. Jahrhunderts siedelte sich in der C.C.A.A. dann eine religiöse Sekte an, die zunächst unter all den anderen hier ausgeübten Kulten keine Beachtung fand: die ersten Christen, Pioniere des „heiligen Köln“.

Von der Hauptstadt der Gegenkaiser zur christlichen Festung
Mitte des 3. Jahrhunderts, zur Zeit der sich ständig gewaltsam ablösenden „Soldatenkaiser“ in Rom, plünderten Germanen erneut das linksrheinische Land. Kaiser Gallienus entsandte Truppen an die bedrohte Grenze. Ihr Anführer Postumus unterstand zunächst dem Befehl des Kaisersohnes Saloninus, überwarf sich jedoch mit ihm und tötete ihn. In der C.C.A.A. ließ er sich zum Gegenkaiser ausrufen: Damit wurde Köln zur Hauptstadt eines Sonderreiches, das Teile Niedergermaniens, Galliens, Spaniens und Britanniens umfasste. 269 n. Chr. wurde Postumus dann von seinen Soldaten ermordet. Und zwei Jahre später unterwarf sich Tetricus, der letzte von mehreren Nachfolgern, dem römischen Kaiser Aurelian, der ihn dafür reich belohnte.

Erst Ende des 3. Jahrhunderts gelang es Diokletian und seinen Mitkaisern, die Ruhe im Westen und Osten des Römischen Reiches wieder herzustellen. Doch Konstantin, einer der vier Herrscher, die sich die Nachfolge des zurückgetretenen Diokletian teilen sollten, eröffnete den Krieg gegen seine Mitregenten. Er war einer der brutalsten Herrscher des Altertums und trotzdem war ihm nach Augustus die zweitlängste Regierungszeit aller römischen Imperatoren beschieden. Konstantin krempelte das Reich um und kämpfte später unter dem Zeichen Christi. Er erhob das Christentum von einer bisher nur geduldeten zur zentral geförderten Religion. Der Kölner Bischof Maternus, der zum Beraterkreis des Kaisers gehörte, avancierte zu einem der führenden Kirchenmänner seiner Zeit.

Konstantin dem Großen ist auch die „schäl Sick“ zu verdanken, denn er ließ am gegenüberliegenden Rheinufer das Kastell Deutz (Castrum Divitia)errichten. 310 n. Chr. wurde die Stadt über die erste bleibende Brücke mit der Festung verbunden, deren 900 Soldaten die Rheingrenze vor weiteren Überfällen der Germanen schützen sollten. Handel und Gewerbe blühten noch einmal auf, doch die Ruhe währte nicht lange.

Die Franken kommen – die Römer gehen
Als der Franke Silvanus, damals römischer Oberbefehlshaber der Rheintruppen, in eine Hofintrige geriet und ermordet wurde, schlug der germanische Stamm zu. Die Franken überquerten 355 n. Chr. den Rhein, plünderten das Umland und eroberten Köln. Teile der berühmten Bauwerke der Stadt wurden zerstört. Ein Jahr später konnte Caesar Julian die Franken zwar wieder über den Rhein zurückdrängen, siedelte aber auch Kooperationswillige im Linksrheinischen an. Unter römischer Aufsicht verbuchten die Franken auf diese Art größere Gebietsgewinne als durch ihre Kriegszüge – und der Westen des Reiches wurde zunehmend germanisiert.

Mächtige Stammesfürsten standen hier in römischen „Diensten“; Persönlichkeiten, die die römischen Kaiser zu beherrschen wussten. Ende des 4. Jahrhunderts zog Stilicho alle Truppen vom Rhein ab, um sie den Goten unter Alarich entgegenzustellen. Diesen Kampf konnte Rom 403 n. Chr. noch gewinnen. Doch die Sicherheit des westlichen Teils des Reiches hing jetzt allein davon ab, ob die Germanen ihr Wort halten und den Namen Roms weiterhin achten würden.

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