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Wiederaufbau und Neugestaltung

„Wir sind wieder da und tun was wir können!“

Nach dem Krieg krempelten die Kölner die Ärmel hoch und ordneten die traurigen Überreste ihrer Stadt. Doch obwohl sie hierbei ungeahnte Kräfte mobilisierten, entluden sich ihre Energien nicht immer nur auf konstruktive Weise. Manch hässliche „Narbe“ wurde Köln geschlagen. Unterdessen taten die gütigen Oberhirten das Ihre, um die kölschen Schäfchen im Trockenen zu halten.

Rund um den Dom, der wie durch ein Wunder relativ unversehrt geblieben war, waren praktisch alle Häuser zerstört. Die Straßen waren verschüttet und teilweise unpassierbar, alle Rheinbrücken waren eingestürzt. Die städtische Infrastruktur, von der Straßenbahn über das Telefon- und Stromnetz bis hin zur Kanalisation, war unbenutzbar geworden. Unmittelbar nach Kriegsende begann in Köln der Wiederaufbau, der in heute kaum fassbarem Tempo beeindruckende Erfolge erzielte. Der erste Rosenmontagszug der Nachkriegszeit (1949) stand unter dem Motto: „Mer sin widder do un dunn wat mer künne!“

Der große Plan
Am 1. August 1947 wurde der Wiederaufbauplan der Öffentlichkeit vorgelegt. Für diese Phase hatte sich die Stadt im Wesentlichen drei Ziele gesteckt: Erstens sollten die alten Strukturen wieder aufgenommen und durch einige Verkehrserweiterungsmaßnahmen ergänzt werden. Zweitens sollte, wo dies möglich und sinnvoll war, die historische Bausubstanz gerettet bzw. rekonstruiert werden. Und zu guter Letzt sollte die Stadt auf lange Sicht „autogerecht“ angelegt werden.

Stadtbaumeister Rudolf Schwarz hatte die Idee, rund um die Kirchen erneut Wohnviertel hochzuziehen, so dass die Gotteshäuser als Kerne kleiner Stadtteile mit eigenem Charakter erhalten blieben. Noch heute wirkt sich dieser Plan positiv aus: Im Vergleich mit anderen großen deutschen Städten gibt es in Köln besonders viele zentrumsnahe Wohnungen. Im Übrigen wurden die historischen Gebäude der Altstadt möglichst originalgetreu rekonstruiert. Der Kranz der zwölf großen romanischen Kirchen wurde vier Jahrzehnte lang restauriert und der Abschluss der Arbeiten 1985 mit dem „Jahr der romanischen Kirchen“ festlich begangen. An anderer Stelle wurde alte Bausubstanz erhalten und erfolgreich in neue Entwürfe integriert, so z.B. geschehen im Fall der Kölner Festhalle Gürzenich. Die in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Kirche St. Alban wurde übrigens als Ruine belassen und dient nun als Gedenkstätte: In dem ehemaligen Kirchenschiff steht eine Nachbildung der „Trauernden Eltern“ von Käthe Kollwitz.

Der „autogerechte“ Zuschnitt der Stadt, der seit Mitte der 50er- bis in die frühen 70er-Jahre vorangetrieben wurde, hatte eher negative Folgen. Mit erschreckender Rigorosität wurden große Schneisen durch die Stadt geschlagen, darunter die berüchtigte Nord-Süd-Fahrt. Enge Gassen wurden aufgerissen, ganze Stadtviertel zerteilt und einige große Plätze, wie etwa der Barbarossaplatz, zu gigantischen Kreuzungen umfunktioniert. Doch selbst die planerische Kaltblütigkeit konnte die täglichen Staus im Berufsverkehr nicht verhindern.

Erst ab Anfang der 80er-Jahre versuchte man, der ungefälligen Optik entgegenzuwirken. Dabei entstand zwar auch so manche architektonische „Gurke“, doch die Lebensqualität in der Stadt hat sich seitdem insgesamt deutlich verbessert. Dank des Gestaltungsbeirates und zahlreicher örtlicher Initiativen haben sich viele Viertel zu kleinen Schmuckstücken ganz unterschiedlicher Art entwickelt. Auch für Teile der Nord-Süd-Fahrt und der Ost-West-Schneise wurden architektonische Umgestaltungswettbewerbe ausgelobt und Entwürfe umgesetzt.

Kölner Netze und Kölner Stangen
Im September 1951 wurde die Mülheimer Brücke eingeweiht, im November 1966 folgte dann als achte Kölner Rheinbrücke die Zoobrücke. Der öffentliche Nahverkehr mit Bussen und Straßenbahnen wurde 1968 um eine Dimension erweitert: Die Stadt begann mit dem Bau der U-Bahn. Die Messen, die verkehrsgünstige Lage und die lange kaufmännische Tradition machten Köln auch im Nachkriegsdeutschland wieder zu einem Handelszentrum von internationalem Rang. Die Domstadt errang mit der Zeit eine starke Stellung in ganz unterschiedlichen Bereichen: im Banken- und Versicherungswesen, im Güterverkehr per Schiff, Bahn oder Flugzeug, in der Medienindustrie, der chemischen Industrie, im Automobilbau und im Hotelgewerbe.

US-Präsident J.F. Kennedy (im Wagen mit Bundeskanzler Konrad Adenauer) besucht im Jahr 1963 Köln

1981 wurde der 252 Meter hohe Fernmeldeturm „Colonius“ eingeweiht, der elf Jahre lang eine besondere Attraktion zu bieten hatte: Ein Drehrestaurant, das seinen Gästen einen unvergleichlichen Panoramablick bot. Dort konnte man auch den Augenschmaus mit den Gaumenfreuden eines ganz besonderen Gerstensaftes verbinden, der in der Domstadt einfach dazugehört. Nach 80-jähriger Braugeschichte unterzeichneten die 24 Kölsch-Brauereien im Jahr 1986 die Kölsch-Konvention, in der festgelegt wurde, was sich Kölsch nennen und wer Kölsch brauen darf. Nicht nur Touristen schätzten damals schon das kühle, in der Kölner Stange servierte Blonde, auch durstige Einheimische gab es genug: Im Dezember 1959 hatte die Stadt wieder die Einwohnerzahl der Vorkriegszeit erreicht, und durch die Eingemeindungen der kommunalen Gebietsreform war Köln 1975 zur Millionenstadt geworden.

Tolerante und weniger tolerante Kirchenmänner
In der Nachkriegszeit leitete der bisher populärste Oberhirte das Kölner Erzbistum: Josef Kardinal Frings verstand die Nöte und die Sprache des einfachen Volkes und hatte von 1942 bis 1969 das Amt des Erzbischofs inne. Legendär ist seine Silvesterpredigt im harten Winter 1946, die wegen der Kriegsschäden am Dom in der Riehler Pfarrkirche gehalten wurde. Dort erlaubte er ausdrücklich den Diebstahl lebenswichtiger Güter, wenn damit der Bestohlene nicht selbst in eine Notlage gebracht würde. Der Erzbischof wörtlich: „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten nicht erlangen kann.“ Wobei die Pflicht des Einzelnen, später dafür Schadenersatz zu leisten, die Frings ebenfalls anführte, in der Legende meist unerwähnt bleibt. Seine Zuhörerschaft ergriff dankbar den gereichten Strohhalm und „fringste“ fortan allerorten Zuckerrüben, Weißkohl, Kartoffeln und Briketts – Letztere vor allem aus dem Niehler Hafen, wo die Züge aus dem Braunkohlerevier standen.

Sein Nachfolger, Joseph Kardinal Höffner, war von 1969 bis kurz vor seinem Tod 1987 Erzbischof der Stadt. 2003 verlieh der Staat Israel Joseph Höffner und dessen Schwester Helene den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ – die höchste Auszeichnung, die an Nicht-Juden vergeben wird. Der Titel geht einher mit der Verewigung ihrer Namen auf einer besonderen Mauer der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Diese Ehrung würdigte, dass die Geschwister während des Zweiten Weltkriegs verfolgten Juden Zuflucht gewährt hatten.

Nach Höffners Tod kam es zu einem zwei Jahre andauernden Machtkampf um dessen Nachfolge. Papst Johannes Paul II. wollte seinen langjährigen, kirchenpolitisch extrem konservativen Schützling Joachim Meisner in Köln eingesetzt sehen, das Domkapitel lehnte ihn jedoch ab. Nach einigen Turbulenzen wurde Meisner schließlich doch ernannt. Seine Amtseinführung im Februar 1989 begleiteten Aufsehen erregende Demonstrationen: In der „Kölner Erklärung“ machten über 160 Theologieprofessoren ihrem Unmut über den autoritären Führungsstil des Papstes Luft.

Doch nur kurze Zeit später drängten Ereignisse viel größerer Tragweite die Wahl des neuen Erzbischofs in den Hintergrund: Das deutsche Wintermärchen 1989/90 mit dem Mauerfall und der Wende wurde auch in Köln zum Thema Nr. 1. Nun war die Stadt als Medienstandort in erster Linie im Rahmen der Berichterstattung zu den neuen Entwicklungen gefordert.

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