Willy Millowitsch

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Willy Millowitsch: Ich bin ene Kölsche Jung (1909-1999)

"Gelernt habe ich im Grunde nichts, nicht einmal einen Beruf. Aber ich war von Anfang an dabei." W.M.

Nachdenklich sitzt er auf einer Bank vor dem Hänneschen-Theater am Eisenmarkt. Hier im Kiez der Kölner Altstadt grübelt er vor sich hin wie einst Kommissar Klefisch, den er noch als über 80-jähriger fürs WDR-Fernsehen spielte. Er trägt Schlips, Schnurrbart, die unverwechselbare Frisur und sitzt da schon eine ganze Weile: seit 1992. Und er ist aus Bronze. Der, der ihn verkörpert, hat ihn selbst noch gesehen: Willy Millowitsch ist dieses Denkmal schon zu Lebzeiten gewidmet worden! So etwas gibt es in der Domstadt nicht alle Tage. So etwas wie Millowitsch aber auch nicht.

Geboren wurde er am 8. Januar 1909 in Köln und war damit von Anbeginn ein Kölscher Jung. Kaum aus den Windeln, schauspielerte er schon vor Publikum, brachte seine Lehrer zur Verzweifelung, langweilte sich in so ziemlich jedem Schulfach und schaffte keinen Abschluss. Wat willste maache? Auf die Bühne gehen. Darauf stand er als 14-Jähriger endgültig. Aus dem Kölner Jungen wurde ein Volksschauspieer, aus dem Volksschauspieler ein Urgestein und aus dem Urgestein schließlich das kölscheste aller kölschen Originale.

Willy Millowitsch hatte seine ersten Erfolge auf der väterlichen Bühne des Theaters "Colosseum" in der Schildergasse. Später zog das Millowitsch-Theater in die Aachener Straße, wo es heute von Willys Sohn Peter geleitet wird.

Im Krieg war Millowitsch noch zur Truppenunterhaltung auf Fronttournee gegangen, danach machte er in Köln Karriere. Das Theater war im Krieg kaum zerstört worden, und der damalige Bürgermeister Adenauer ließ 1945 den Spielbetrieb wieder aufnehmen ( "die Leute müssen wieder was zu lachen haben").

Als im Oktober 1953 erstmals in der Geschichte des Fernsehens eine Live-Übertragung aus einem deutschen Theater in die Wohnzimmer kam, da spielte Millowitsch mit. Er hatte eine der Hauptrollen im Millitärschwank "Der Etappenhase" inne. Die Übertragung war nicht umstritten, vor allem der Direktor des Nordwestdeutschen Rundfunks kritisierte: " Das Fernsehen ist eine kulturelle Institution. Der Millowitsch hat da nichts zu suchen!" Die Zuschauer sahen das allerdings ganz anders. Das Kölner Theater war von nun an in aller Munde und hatte bei den folgenden Ausstrahlungen schon mal Einschaltquoten bis zu 88 Prozent.

DIE ZEIT schrieb später, diese TV-Sendungen hätten "den Patriarchen zum Star gemacht, der sogar von Bravo-Lesern zum beliebtesten Fernsehdarsteller gekürt wurde."

Auf der Bühne zu Hause

Die Kölner Bühne war sein Zuhause, aber Millowitsch spielte in den 1960er Jahren gerne auch im Film mit, ob in Kurt Meisels Gaunerkomödie "Drei Mann auf einem Pferd", in der Liebeskomödie "Scampalo" mit Romy Scheider, in Rudolf Schüttlers "Willy, der Privatdetektiv" oder in "Herrliche Zeiten im Spessart" mit Liselotte Pulver und Hannelore Elsner. Andere Filme hießen "Paradies der flotten Sünder", und "Heubodengeflüster in Oberbayern". Diese Leidenschaft behielt er später bei und trat immer wieder in Komödien und Heimatfilmen auf, darunter in "Unsere Tante ist das Letzte" mit Roy Black. Insgesamt war er an über 60 TV-und Kinoproduktionen beteiligt.

Die TV-Übertragungen seiner Volksstücke hatten die Bühne wieder attraktiv gemacht, und so hatte nicht nur das Millowitsch-Theater ein volles Haus, sondern auch das bayerische "Komödienstadl" und das plattdeutsche Ohnsorg-Theater.

Rheinischer Frohsinn und kölsche Lebensart

Millowitsch stammte aus einer Schauspielerfamilie. Sein Vater, ein gebürtiger Düsseldorfer, hatte den Weg für seine Karriere geebnet. Zwar hatte Willy Millowitsch nie eine Schauspielschule besucht, aber ein Quereinsteiger war er auch nicht. Er war einfach mit der Welt der Kölner Volksbühne groß geworden und wurde dann ganz selbstverständlich ihr Star. Er symbolisierte rheinischen Frohsinn und kölsche Lebensart, was ihm, so seine Kritiker, durchaus zu Kopf stieg. Sein Theaterpublikum jedenfalls tobte, wenn er antrat zu seinen großen Klassikern wie "Fussig Julche", "Schneider Wibbel" oder "Tante Jutta aus Kalkutta".

Auch gesungen hat er, obwohl er freimütig bekundete, "dabei kann ich janit richtig singen". Auf Großveranstaltungen und Karnevalsbühnen trat er auf und brachte Ohrwürmer wie "Wir sind alle kleine Sünderlein", "Schnaps das war sein letztes Wort" und, besonders häufig, "Ich bin ene Kölsche Jung".

Millowitsch wurde Ehrenbürger von Köln und erhielt das Bundesverdienstkreuz. Am 8. Januar 1999 bekam er zum 90. Geburtstag eine gigantische TV-Gala. Als er noch im selben Jahr starb, wurde die Totenmesse im Kölner Dom gelesen. Den Trauerzug vorbei an seinem Theater in der Aachener Straße übertrug der WDR live, und Tausende kamen zu seiner Beerdigung auf dem Melaten-Friedhof. Erst posthum erschienen noch Lieder von ihm, denn er hat bis zu seinem Ende gearbeitet. Eins davon hieß "Wenn d'r Herrjott nit will".

Tobias Büscher

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