Köln-Magazin

Agnesviertel

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Das Agnesviertel: Überraschende Vielfalt mitten in Köln

Das am Rhein gelegene Agnesviertel in der nördlichen Innenstadt punktet mit guter Nachbarschaft, Gemütlichkeit, Lebendigkeit und zahlreichen Grünflächen.

Das Lebensgefühl des Agnesviertels entfaltet sich vor allem im Sommer: Wenn die Außengastronomie entlang der Neusser Straße öffnet und sich die Menschen zum gemeinsamen Umtrunk zu Füßen der Agneskirche treffen, vermittelt das lebendige Veedel eine Urlaubsstimmung, die den nächsten Pauschalflug überflüssig erscheinen lässt.

Die Agneskirche ist der zentrale Ankerpunkt des Viertels, von dem ein aktives Gemeindeleben ausgeht. Als zweitgrößtes Gotteshaus der Stadt – übertrumpft nur noch vom Kölner Dom selbst –  wurde die Kirche zu Beginn des 20. Jahrhunderts  in der Sichtschneise der Neusser Straße erbaut. Schon von Weitem sieht man den abgeflachten Turm von St. Agnes, der in seiner architektonischen Form in Köln einmalig ist.

Das soziale Leben im Agnesviertel konzentriert sich aber nicht nur auf die Umgebung der Neusser Straße und St. Agnes: Das Veedel steckt voller spannender Überraschungen, die es nicht nur zu einer begehrten Wohngegend machen, sondern auch Kölner aus anderen Stadtteilen zu Entdeckungstouren durch die Nordstadt ermuntert.

Rosenbeete und Skulpturen: Grünanlagen im Agnesviertel

An der südlichen Grenze des Agnesviertels schließt der Theodor-Heuss-Park an den Ebertplatz an. Durch seinen kleinen Weiher und den recht dichten Baumbestand, der im Sommer erholsamen Schatten spendet und den Park trotz seiner Lage inmitten des Stadtbildes vom umgebenden Trubel abschirmt, eignet er sich wunderbar als Ort des Rückzugs aus dem urbanen Leben.

Der Theodor-Heuss-Park erstreckt sich bis zum Rheinufer: Hier wartet die Bastei Köln auf Besucher, ein ehemaliges Restaurant dessen Ausblick über den Rhein und die rechte Stadthälfte auch Lyriker Joachim Ringelnatz zu seinem Gedicht „Köln von der Bastei aus gesehen“ inspirierte. Heute wird die Bastei als Veranstaltungsort genutzt.

Im nördlichsten Winkel des Veedels liegt der Lentpark, eine Eis- und Schwimmhalle. Sie verfügt über ein Hallenbad, einen Außenbereich inklusive Wasserrutsche sowie eine Saunalandschaft. Außerdem gibt es Hallen, die für die Austragung von Eissportarten wie Eishockey und Eiskunstlauf genutzt werden. Hier können aber nicht nur Profi-Sportler die Kufen schwingen, auch andere Besucher können ein paar Runden auf den Schlittschuhen drehen.

Wer lieber auf Rollen als auf Kufen unterwegs ist, kann sein Talent als Skateboarder auf dem benachbarten Skateplatz unter Beweis stellen, der mit kleineren Rampen und anderen Hindernissen zum Tricksen und Üben einlädt. Wer sich bereits etwas gekonnter auf den Rollbrettern bewegt, dem sei jedoch der Skateplatz im Lohsepark des benachbarten Stadtteils Nippes empfohlen – hier finden sich größere Halfpipes für die wagemutigen Skater.

Ebenfalls in direkter Nachbarschaft zum Lentpark liegt das Fort X, eine Befestigungsanlage aus der Zeit der preußischen Herrschaft über Köln. Anders als die meisten Forts blieb dieser Teil des Kölner Festungsrings erhalten, da man eine Sprengung nach dem Ersten Weltkrieg verhindern konnte. Statt gemäß des Versailler Vertrags geschliffen zu werden, wurde das Fort von Gartenbaudirektor Fritz Encke in eine Parkanlage integriert, die das Fort noch heute umschließt. Der schmuckvolle Rosengarten wird von der Stadt Köln heute als Ausflugsziel gepriesen, dessen „Fläche von gut 98 Hektar“ zu Spaziergängen durch „ein einzigartiges Blütenmeer“ einlädt: „2.000 Rosen aus 40 verschiedenen Sorten“ (1) dekorieren die Parkanlage und sorgen für eine romantische Atmosphäre, die den Rosengarten nicht nur am Valentinstag zu einem beliebten Ausflugsort für Pärchen macht.

Einen Besuch wert ist auch der Skulpturenpark gegenüber des Kölner Zoos an der Inneren Kanalstraße. Seit seiner Gründung durch das Kunstsammler-Ehepaar Michael und Eleonore Stoffel in den 90er-Jahren finden in dem Park regelmäßig Ausstellungen internationaler Bildhauer wie Louise Bourgeois und Paul Suter statt.

Auf dem gesamten Gebiet der Parkanlagen, die laut Kurator Thomas D. Trummer „zugleich ruhige Enklave und urbane Peripherie, gepflegter Park und Niemandsland“ ist, lassen sich die Skulpturen der Kunstschaffenden bestaunen. Bei organsierten Führungen durch das Areal erfahren interessierte Besucher mehr zu den Künstlern und ihren ausgestellten Arbeiten(2).

Die Alte Feuerwache: Kunst und Kultur im Bürgerzentrum

Das Bürgerzentrum des Agnesviertels befindet sich in den Räumlichkeiten der Alten Feuerwache Kölns, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Melchiorstraße errichtet und bis in die 70er-Jahre von der städtischen Feuerwehr genutzt wurde.

Nach deren Auszug plante die Stadt Köln zunächst, das historische Gebäude abzureißen und auf dem Grundstück ein Schwimmbad zu bauen. Eine zu diesem Zweck gegründete Initiative, der „Bürgerzentrum Alte Feuerwache e.V.“, konnte den Abriss jedoch verhindern und die Stadt dazu bewegen, in den Räumen ein Bürgerzentrum zu eröffnen.

Mit den Jahren konnte sich die Alte Feuerwache trotz finanzieller Existenzängste – und nicht zuletzt durch das Engagement der Bürger selbst – zu einer festen Institution im Agnesviertel entwickeln, die durch ihr abwechslungsreiches Programmangebot zur Vielseitigkeit des Veedels beiträgt. Neben Flohmärkten und Fußballturnieren organisiert das selbstverwaltete Bürgerzentrum in eigener Regie Lesungen, Theater- und Tanzaufführungen. Außerdem bietet es Betreuung und Unterstützung für Familien, Kinder und Jugendliche an.

Im zum Bürgerzentrum gehörenden Kunst- und Kulturlokal Alte Feuerwache kann man nicht nur gut essen oder sich in gemütlicher Atmosphäre bei einem Glas Wein entspannen – es gibt auch etwas für die Augen: Der Inhaber des Lokals, Mehmet Arat, stellt zusammen mit „Kunst Köln“ jeden Monat Ausstellungen auf die Beine, im Rahmen derer Kölner Künstlerinnen und Künstler ihre Werke im Lokal präsentieren können.

Neobarocker Prachtbau – das Oberlandesgericht

Im Agnesviertel befinden sich gleich mehrere staatliche Institutionen. Am Riehler Platz liegt der Sitz der Oberfinanzdirektion des Landes Nordrhein-Westfalen, auf der Inneren Kanalstraße, die die Grenze zum Stadtteil Nippes markiert, das Finanzamt Köln-Nord.

Besonders eindrucksvoll ist das „Justizgebäude am Reichenspergerplatz“, welches das Oberlandesgericht (OLG) beheimatet. Der neobarocke Prachtbau wurde 1911 eröffnet und umfasst einen gesamten Häuserblock. Über dem imposanten, mit Säulen versehenen Haupteingang prangt ein Relief der Justitia, der römischen Göttin der Gerechtigkeit. Mit Schwert und Gesetzbuch in den Händen thront sie über dem Hauptportal des Gebäudes, in dem auf fünf Stockwerken Gerichtsprozesse stattfinden, von denen es einige in die Chroniken der Stadt Köln geschafft haben.

1980 etwa bestätigte das Oberlandesgericht ein Urteil des Landgerichts aus den 60er-Jahren, bei dem es um keine geringere Frage ging, was kölsches Bier ist und welche Brauer ihr Bier unter dem Etikett Kölsch vermarkten dürfen. So stelle der Name „Kölsch“ nicht nur die Beschreibung einer Biersorte dar, sondern bezeichne auch einen geografischen Bezug des Biers. Ein Bier darf nur dann Kölsch genannt werden, wenn es auf Kölner Stadtgebiet gebraut wird. Aus dem Urteil ging die geschichtsträchtige Kölsch-Konvention hervor, die neben der Namensgebung auch den Wettbewerb zwischen den einzelnen Brauereien regelt.

Unter der Rasenfläche vor dem denkmalgeschützten Justizgebäude liegt ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg verborgen, der nach dem Krieg als Aktenlager des Oberlandesgerichts genutzt wurde. Danach geriet er zunächst in Vergessenheit, bevor man ihn vor einigen Jahren wiederentdeckte. Heute steht der Bunker an jedem ersten Sonntag im Monat für Besucher offen, die den gut versteckten Schutzraum besichtigen wollen.

Rückseitig zum OLG, in der Blumenthalstraße, liegt das Arbeitsgericht Köln, an dem Prozesse zwischen Arbeitnehmern und -gebern ausgetragen werden.

Der Ebertplatz – Schönheitsfehler des Veedels

Der Ebertplatz an der südlichen Grenze des Agnesviertels wirft einen dunklen Schatten auf das Veedel. Immer wieder ist der Platz als Brennpunkt einer florierenden Drogenkriminalität Inhalt von Negativschlagzeilen in der regionalen Presse. 2017 kam ein junger Mann im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Drogenhändlern ums Leben. Schon damals versuchte die Stadt, der Kriminalität durch eine Umgestaltung des Platzes den Nährboden zu nehmen, wie etwa der Westdeutsche Rundfunk berichtete: „Nach dem Tod des 22-Jährigen hatten die Stadt und private Initiativen versucht, den Platz mit Kunst, Musikveranstaltungen, einem Café und Freizeitangeboten für Kinder umzugestalten. So sollten Drogenhandel und Gewalt auf dem Platz gestoppt werden“ (3).

Obwohl die Stadt viele ihrer Ziele durchsetzte, konnte sie den Drogenhandel und die damit einhergehende Gewalt nicht gänzlich aus dem Viertel verbannen. Erst 2019 rückte der Ebertplatz wieder in den Mittelpunkt der Diskussion, als abermals ein Mittzwanzigjähriger bei einem Streit erstochen wurde.

Dass der Ebertplatz zum Sinnbild der Kölner Kriminalität geworden ist, ist schade, da sich viele Menschen darum bemühen, dem Platz Qualität und Mehrwert wiederzugeben – was die Stadt lange hatte schleifen lassen. Die Initiatoren des Projekts „Unser Ebertplatz“ etwa versuchen, ihn „wieder in einen beliebten und vielfältig genutzten öffentlichen Platz zu verwandeln“, wofür sie „kulturelle Angebote, gestalterische Aufwertungen und Begrünung sowie Gastronomie“ vor Ort stärken wollen (4).

Auf der unteren Ebene des Platzes finden sich zudem zwei Off-Space-Galerien, in denen Künstlerinnen und Künstler verschiedener Kunstgattungen ihre Werke präsentieren und so zum kulturellen Leben am Platz und im Veedel beitragen.

Text/Fotos: Florian Eßer

Über den Autor

Florian Eßer ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach einem Studium der Germanistik arbeitet er nun als freier Journalist und Autor in seiner Heimatstadt. Besonders schätzt er die Vielfältigkeit Kölns, die über Karneval und lecker Kölsch hinausgeht – wenn man genauer hinsieht.

Quellen und Anmerkungen:

(1) „Fort X mit Rosengarten“ (Stand 20.04.2020)

(2) Skulpturenpark Köln (Stand 20.04.2020)
Zurzeit ist der Skulpturenpark wegen des Corona-Virus‘ geschlossen.

(3)  WDR: „Mann stirbt am Kölner Ebertplatz – Mordkommission ermittelt“ (Stand 17.04.2020)

(4) Offizielle Webpräsenz „Unser Ebertplatz“ (Stand 17.04.2020)

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