Köln-Magazin

Bauspielplatz Friedenspark

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Der Bauspielplatz im Friedenspark

Bauspielplatz Friedenspark
Hans-Abraham-Ochs-Weg 1
50678 Köln

Telefon: 0221 374742
E-Mail: info@baui.jugz.de
Internet: https://baui.jugz.de/info

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag, 12 bis 18 Uhr
Offener Kinder- und Jugendbereich

Dienstag und Mittwoch, bis 20 Uhr
Für Jugendliche ab 12 Jahren

In den Schulferien gelten abweichende Öffnungszeiten.

Der Bauspielplatz Friedenspark: Königreich der Kinder

Holzhütten, Graffiti, ein kleines Segelboot: Der „Baui“ im südstädtischen Friedenspark ist ein Paradies für kreative Kinder und Jugendliche, die einen Spielplatz nicht nur nutzen, sondern auch mitgestalten wollen. Ein Schild, das über dem Eingang hängt, macht schnell deutlich, um wessen Hoheitsgebiet es sich hier handelt. Dicke, rote Lettern verkünden: „Elternfreie Zone“. Nur Kinder und Teenager dürfen das Gelände betreten – und natürlich die Mitarbeiter des Jugendzentrums. Einer von ihnen ist David Becker. Er erklärt das Konzept des Bauspielplatzes und warum Eltern hier keinen Zutritt haben: „Die Kinder sollen eigenständig auf Entdeckungstour gehen, miteinander spielen, Hütten bauen und durch soziales Lernen eine eigene Identität finden und festigen, ohne dass ihre Eltern sie dabei reglementieren“, so Becker.

Es gehe darum, dass die Kinder über sich hinauswachsen, ihre Grenzen abstecken und selbstbewusst an die Dinge herangehen: Gärtnern, handwerkern und Wandgemälde sprühen – auf dem Gelände des Bauspielplatzes ist das alles möglich. Und genügend Platz für all die spannenden Aktivitäten gibt es auch: Mit insgesamt 4.100 Quadratmetern Nutzfläche ist der Bauspielplatz im Friedenspark einer der größten Abenteuerspielplätze im Kölner Stadtgebiet. Die Kinder- und Jugendeinrichtung hat ihren Sitz in den Räumlichkeiten des ehemaligen Fort I, das von einer großflächigen Grünanlage umgeben wird: Auf 3.500 Quadratmetern Außenbereich samt Basketballplatz können die Kinder hier spielen, toben und ihre handwerklichen Talente entdecken.

Möglich gemacht wird das pädagogische Angebot durch den „Förderverein Baui e.V.“, der sich seit mehreren Jahrzehnten für den Erhalt des Abenteuerspielplatzes einsetzt. Das war nicht immer eine leichte Aufgabe: Mehrfach stand der Baui aufgrund von Budgetkürzungen und unglücklichen Umständen bereits vor der Schließung.

Der Baui: Von den Anfängen bis heute

Lange Zeit hatte sich die Bürgerinitiative südliche Altstadt, kurz BISA, für eine öffentliche und soziale Nutzung des ehemaligen Fort I eingesetzt. In den späten 70er Jahren war es dann endlich so weit und die Bemühungen der Bürgerschaft sollten Früchte tragen: Auf dem Gelände der Festungsanlage wurde ein Kinder- und Jugendzentrum eingerichtet, dessen Herzstück schon damals der bis heute existente Bauspielplatz war, den die Kölnerinnen und Kölner liebevoll Baui nennen.

Als der Baui noch in den Kinderschuhen steckte, beschränkten sich die Räumlichkeiten des pädagogischen Projektes auf einen einzelnen Bungalow, der im Innenhof des Forts errichtet worden war. 1987 wurde dieser Bungalow bei einem Brand nahezu komplett zerstört – eine Tragödie, die jedoch bald ein glückliches Ende nehmen sollte: Von diesem Zeitpunkt an konnte der Bauspielplatz die Räume des Forts nutzen und musste sich nicht mehr auf einen Bungalow beschränken.

Damit war der Überlebenskampf des Bauspielplatzes aber noch lange nicht vorbei. Das Jahr 1993 laut der Website des Bauis „ein schwarzes Jahr für Kinder und Jugendliche in Köln“(1). Viele Jugendeinrichtungen wurden geschlossen. Der Grund dafür waren Kürzungen der finanziellen Unterstützung durch die Stadt – auch der Baui war in seiner Existenz bedroht.

Da er sich jedoch mit den Jahren zu einem festen Bestandteil der Südstadt entwickelt hatte, war der Rückhalt in der Bevölkerung groß: „Durch den massiven Protest von Eltern und Kindern“, so heißt es auf der Website weiter, konnte der Baui den Kürzungen zum Glück entgehen und sich bis heute erhalten.

Der nächste Rückschlag ereilte den Baui dann im Jahre 2018. Wieder gab es auf dem Gelände der Einrichtung ein Feuer, das ein Grillhaus zerstörte, das von den Kindern und den Betreuern erbaut worden war. Das Perfide dabei: Das Feuer wurde vorsätzlich gelegt, die Täter waren nachts über den Zaun des Bauspielplatzes geklettert. Wie der Kölner Wochenspiegel berichtete, seien neben der Brandstiftung auch tragende Balken von Brücken zertreten worden(2).

Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte sich der Baui über die Jahre hinweg behaupten und kann mittlerweile auf ein breitgefächertes Angebot stolz sein, das für jeden frei und offen zur Verfügung steht. Neben Werkzeugen für das handwerkliche Spielen auf dem Bauspielplatz können auch Sportgeräte wie Inlineskates und Skateboards ausgeliehen werden.

Für weniger Sport-affine Menschen liegen Brettspiele und Bücher bereit, mit denen es man sich an regnerischen Tagen im alten Fort I gemütlich machen kann.

Ein besonderes Highlight des Projektes ist das Jugendcafé Schickeria: Neben Getränken und leckeren Sandwiches gibt es für die jungen Leute hier die Möglichkeit, zusammen zu musizieren, zu kickern oder eine Partie Billard zu spielen.

Auch wenn sich der Bauspielplatz selbst vermehrt an Kinder richtet, spielen die Jugendlichen für die pädagogische Einrichtung überhaupt eine entscheidende Rolle: Viele der Mitarbeiter kennen den Baui selbst schon von Kindesbeinen an und betreuen heute den Nachwuchs bei den Freizeitaktivitäten.

Darüber hinaus lassen sich die Räume der Jugendeinrichtung für private Veranstaltungen mieten. Ob Geburtstagsparty, Hochzeitsfeier oder das eigene Konzert – der große Gewölbesaal des ehemaligen Forts bietet Platz für 199 Personen und eignet sich so als Location für verschiedenste Events.

Wie es früher war – die Geschichte des Fort I

Der Friedenspark liegt am Agrippinaufer der Kölner Südstadt, gegenüber den rechtsrheinischen Pollerwiesen. Anders als der Name „Friedenspark“ vermuten ließe, ist die Entstehung der Grünfläche stark mit der militärischen Historie der Stadt Köln verbunden.

Auf dem Gebiet des heutigen Parks errichtete man 1830 das Fort I, das als Teil des Kölner Festungsrings der bewaffneten Verteidigung der Stadt dienen sollte. Da die Waffentechnologie im Vorfeld des Ersten Weltkriegs immer fortschrittlicher wurde, entschloss man sich bereits 1911 dazu, das Fort als Befestigungsanlage aufzugeben. Man erachtete die veraltete Anlage schlichtweg als nicht mehr zeitgemäß und ahnte, dass sie einem Angriff mit modernen Geschützen nicht würde standhalten können. So plante man stattdessen, das Fort in eine Grünanlage zu integrieren, mit deren Planung man 1914 dann den Landschaftsarchitekten Fritz Encke betraute.

Encke, der unter anderem auch bei der Planung des Vorgebirgsparks und des städtischen Rosengartens federführend war, entwickelte ein Baukonzept, in dem das Fort selbst als wichtiger Bestandteil des geplanten Parks fungieren sollte.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste das Fort – obwohl schon zu diesem Zeitpunkt nicht mehr militärisch genutzt – gemäß des Versailler Vertrags geschliffen werden. Später beauftragte man den Bildhauer Georg Grasegger mit dem Bau eines Monumentes, um den auf den Schlachtfeldern Europas gefallenen Soldaten zu gedenken: Aus eingeschmolzenen Kanonen fertigte Grasegger eine Adler-Plastik an, die den lateinischen Titel „Numero oppressis mente invictis“ trägt(3).

Die nach der Schleifung noch verbliebenen Gebäude des Forts wurden fortan von der Kölner Universität als Mensa genutzt, in den 70er Jahren richtete dann das Finanzamt eine Außenstelle in den Räumlichkeiten der ehemaligen Festung ein.

Die bis dato „Hindenburgpark“ genannte Grünfläche wurde erst in den 80er Jahren in „Friedenspark“ umgetauft.

Text/Fotos: Florian Eßer

Quellen und Anmerkungen

(1) Über den Bauspielplatz

(2) Kölner Wochenspiegel: Feuer am Bauspielplatz - Mitarbeiter des "Baui" fordern mehr soziale Verantwortung (Stand 13.06.2020)

(3) Übersetzt bedeutet der Name in etwa: „Der Vielzahl unterlegen, doch im Geiste unbesiegt.“

Über den Autor

Florian Eßer ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach einem Studium der Germanistik arbeitet er nun als freier Journalist und Autor in seiner Heimatstadt. Besonders schätzt er die Vielfältigkeit Kölns, die über Karneval und lecker Kölsch hinausgeht – wenn man genauer hinsieht.

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