Rheinboulevard Deutz

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Rheinboulevard Deutz

Der Rheinboulevard am Deutzer Kennedy Ufer ist ein beliebter Platz für entspannte Sommertage

Der Rheinboulevard Deutz offenbart den Besuchern ein Panorama der Stadt, das die historischen Wahrzeichen mit moderner Architektur verbindet. Um einen besonderen Blick auf die Stadt zu erhalten, muss man nicht gleich die 533 Treppenstufen des Doms emporsteigen. Es reicht ein Ausflug nach Deutz. Hier auf der „schäl Sick“, zwischen Hohenzollernbrücke und Deutzer Brücke, befindet sich der Rheinboulevard Kölns.
 
Der Rheinboulevard ist eine von japanischen Schnurbäumen geschmückte Flaniermeile, die das Kennedy-Ufer entlangführt, vorbei am modernen Hyatt-Hotel, der Kirche Alt Sankt Heribert und der Abtei Deutz, einem denkmalgeschützten Nachbau eines Benediktinerklosters, das sich hier bis zum Zweiten Weltkrieg befunden hat. Davor steht das Denkmal eines Lanzenreiters des achten Kürassier-Regiments, der mit strenger Miene zur linken Rheinseite blickt.

Tolle Aussicht und reichlich Platz: Der Rheinboulevard hat viel zu bieten

Zur Deutzer Boulevardanlage gehören auch Grünflächen und eine aus hellem Sichtbeton gefertigte Freitreppe, die vor allem im Sommer viele Besucher anlockt, die hier den Feierabend mit Ausblick auf die Stadt genießen wollen. Die 500 Meter lange Ufertreppe bietet Sitzgelegenheiten für knapp 10.000 Menschen, zusätzlich verfügt sie über drei sogenannte Bastionen. Diese balkonartigen Aussichtsplattformen bieten den Besuchern die beste Übersicht.

Wenn man es sich hier mit einem kalten Getränk gemütlich gemacht hat, kann man den Blick weit über das linksrheinische Stadtgebiet schweifen lassen – ein Panorama, das das historische und das moderne Köln verbindet. Direkt gegenüber der Freitreppe ragen hinter dem wellenförmigen Dach der Kölner Philharmonie die ikonischen Doppelspitzen des Doms in die Höhe.

Beeindruckende Architektur, wohin das Auge reicht

Zwar etwas kleiner, die Skyline Kölns aber ebenso prägend: der romanische Vierungsturm von Groß Sankt Martin. Die Kirche befindet sich am ehemaligen Fischmarkt der Altstadt, die mit ihren verwinkelten Gassen und den bunten Fassaden der schmalen Fachwerkhäuser einen weiteren Blickfang bildet. Weiter im Süden erheben sich die drei Kranhäuser über den Rhein, die sich mit ihrem modernen Baustil und ihrer Glasfassade von der historischen Skyline der Stadt abheben.

Auch der Rheinboulevard verbindet Historisches mit Modernem: Während der Bauarbeiten stießen Mitarbeiter der Bodendenkmalpflege immer wieder auf archäologische Relikte, die zum Teil in die Gestaltung der Anlage integriert worden sind. Unter den Funden waren ein Grabstein aus dem 8. Jahrhundert und Mauerreste der frühmittelalterlichen Kirche Alt Sankt Urban, die sich einst am Standort des heutigen Boulevards befand. Die gut erhaltenen Fundamente des Gotteshauses wurden daraufhin in der weiteren Bauplanung der Anlage berücksichtigt und stellen heute ein Herzstück der Freitreppe dar.

Hindernisse blieben dennoch nicht aus

Obwohl der Rheinboulevard heute eine bei Kölnern und Touristen gleichermaßen beliebte Attraktion ist, entwickelte er sich zwischenzeitlich zum architektonischen Problemkind. Im Vorfeld des Baus lobte die Stadt Köln einen europaweiten Wettbewerb aus, um im Rahmen des Förderprogramms „Regionale 2010 Köln/Bonn“ des Landes NRW einen Auftrag zur Stadtgestaltung zu vergeben. Das Berliner Architekturbüro „Planorama“ konnte die Jury mit seiner Idee eines Rheinboulevards überzeugen – obwohl es sich bei dem Vorhaben um ein ehrgeiziges Projekt handelte. Vor dem Bau des Rheinboulevards war das Rheinufer in diesem Abschnitt nicht zugänglich: Eine steile Hochwassermauer führte hinab in die verwilderte Böschung des Gestades. Die alte Mauer musste also zunächst abgerissen werden, über acht Jahre lang dauerten die Planungs- und Baumaßnahmen an.

Knapp 25 Millionen Euro später war die Anlage fertiggestellt und das Desaster perfekt: 2019, rund drei Jahre nach Beendigung der Arbeiten, wies vor allem die Freitreppe eine Vielzahl an Mängeln auf. Rheinwasser drang zwischen die Betonplatten, Risse und Platzschäden gefährdeten die Stabilität des Gesteins. Der vermutete Grund für die Schäden war die tägliche Säuberung mit Hochdruckreinigern. 860.000 Euro waren jährlich für die Instandhaltung der Anlage geplant, eine Summe, die die vorausgegangenen Schätzungen weit übertraf. Allein dieser Fakt sorgte für reichlich Unmut innerhalb der Kölner Bevölkerung. Dass nun diese teure Wartung aber dafür verantwortlich sein sollte, dass der Rheinboulevard zu einer weiteren Dauerbaustelle zu verkommen drohte, war natürlich bittere Ironie.

Die Lösung zum Problem

Aber: Wo sich viele Menschen aufhalten, essen und trinken, entsteht Schmutz und Müll – eine häufige Reinigung seitens der Stadt ist ihr also auch nicht zum Vorwurf zu machen. Daher zog die Stadt die Konsequenzen aus der Verschmutzung der Freitreppe: Wasserpfeifen etwa dürfen am Rheinboulevard nicht mehr genutzt werden, da die Überbleibsel der Kohle für unschöne Flecken im Beton gesorgt hatten. Darüber hinaus ist die Freitreppe auch vom Hochwasser betroffen: Je nach Rheinpegel verschwinden ganze Sitzreihen im Fluss.

Trotz der Schwierigkeiten, mit denen der Boulevard zu kämpfen hat, entwickelte er sich zu einem Hotspot des Stadtlebens – für die rechte Rheinseite stellt er einen besonderen Gewinn dar, da er die vermeintlich „falsche“ Seite, die „schäl Sick“, besser in die Innenstadt integriert. Wer auf der Suche nach einer schönen Kulisse für sein nächstes Foto ist oder einfach Beine und Seele baumeln lassen will, der ist am Rheinboulevard jedenfalls richtig.

Text / Fotos: Florian Eßer

Über den Autor

Florian Eßer ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach einem Studium der Germanistik arbeitet er nun als freier Journalist und Autor in seiner Heimatstadt. Besonders schätzt er die Vielfältigkeit Kölns, die über Karneval und lecker Kölsch hinausgeht – wenn man genauer hinsieht.

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