Köln-Magazin

Wir sind Köln, Freundschaften, oberflächlich oder ernsthaft

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Oberflächlich oder ernsthaft? Freundschaften und die Kölner

Freundschaften und Bekanntschaften seien in Köln schnell geschlossen, sagt man. Und genauso schnell wieder verloren. Als oberflächlich werden die Kölner oft bezeichnet. „Kommunikativ und offen sind sie“, sagen die Köln-Fans über die Kölner.

Man kann in Köln genauso einsam sein wie in Bayern oder in Westfalen. Oder man hat einen großen Freundeskreis. Das alles hat nichts mit Köln zu tun. Sondern mit jedem Menschen selbst. Und seinem Verhalten. Aber in Köln ist es einfacher als anderswo,mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Gleich ob in Kneipen, auf der Straße oder auf öffentlichen oder privaten Festen: Überall trifft man auf Menschen, die gerne und bereitwillig ein Schwätzchen halten. Hat man dann gemeinsam einige Kölsch getrunken, klopft man sich auf die Schulter, freut sich und fühlt sich wie alte Freunde. Schließlich versteht man sich ja.

Am nächsten Tag ist alles vorbei. Man sieht sich nie wieder. Oder vielleicht doch irgendwann einmal. Wie auch immer: Es war ein schöner Abend. Bei nächster Gelegenheit trifft man wieder auf freundliche und nette Mit-Kölner. Und kommt ins Gespräch. Manchmal kann daraus auch eine Freundschaft entstehen. Muss aber nicht. Das hängt von den Menschen ab, die da zusammentreffen. Und das hat wiederum nichts mit Köln zu tun. Oder vielleicht doch. Dann aber nur, weil beide von ganzem Herzen gerne in Köln leben.

Zwischenmenschliche Kommunikation läuft in Köln nicht anders ab als in jeder anderen Stadt Deutschlands. Vielleicht etwas leichter und unkomplizierter, was den Kennenlern-Prozess betrifft. Das aufeinander Zugehen hat leicht mediterrane Züge. So wie man es aus dem Urlaub in Spanien, Italien oder der Türkei kennt.

Man hat in Köln einfach weniger Angst vor einem kurzen Dialog oder auch vor einem längeren Gespräch. Das wird von Bewohnern anderer Regionen Deutschlands oftmals anders gedeutet als es in Köln gemeint ist. In Köln bedeutet es nichts, wenn man jemanden anspricht. Das verstehen Kölner noch lange nicht als Angebot zur Freundschaft. Man redet nur gerne, ist neugierig und freut sich fast immer über eine Witzelei.

Auch wenn er oft gerne vor einem geistigen Auge gezeichnet wird: Es gibt keinen typischen Kölner. Die Bewohner dieser Millionenmetropole kommen aus fast allen Teilen Deutschlands und aus vielen Gegenden dieser Welt. Köln ist ein riesiger Schmelztiegel. Und genauso unterschiedlich wie die Herkunft dieser Menschen sind auch ihre Verhaltensweisen.

Es gibt in Köln Türken, die schon in der dritten Generation hier leben. Oder Westfalen, Ostpreußen, Ruhrgebietler. Oder Italiener, Spanier, Franzosen, Niederländer. Oder Kenianer, Japaner, Nordamerikaner. Man kann sie gar nicht alle aufzählen.

Natürlich gibt es noch die vornehmen Kölner Familien oder die einfachen Leute, deren Vorfahren immer schon in Köln gelebt haben. Aber die alleine sind nicht Köln. So sind in Köln Freundschaften oder Bekanntschaften genauso oberflächlich oder tiefgründig wie anderswo. Mit einem kleinen, aber entscheidenden Unterschied: Nur hier gibt es das original kölsche Lebensgefühl.

Ertay Hayit

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