Westfriedhof Köln

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Der Kölner Westfriedhof

Westfriedhof
Venloer Straße 1132
50829 Köln

Öffnungszeiten:
Sommer: 7–20 Uhr
Winter: 8–17 Uhr
Allerheiligen / Allerseelen: 8–19 Uhr
Heiligabend / Silvester: 9–16 Uhr
Weihnachten / Neujahr: 10–17 Uhr

Der Kölner Westfriedhof liegt an der Venloer Straße im Stadtteil Vogelsang und ist seit mehr als hundert Jahren eine der wichtigsten Begräbnisstätten der Stadt. 1917 eingeweiht, weist der denkmalgeschützte Friedhof heute das einzige öffentliche Krematorium, mehrere Denkmäler sowie Grabstätten verschiedener Kulturen und Religionen auf.

Vor dem 1. April 1888 lebten in der Stadt Köln nur etwas über 160.000 Menschen. Kurz vor seinem Tod aber tätigte der damalige Kaiser Wilhelm I. eine seiner letzten Amtshandlungen, die für Köln von historischer Bedeutung sein sollte: Der erste deutsche Kaiser gab seine Zustimmung, dass die Köln umgebenden Städte und Gemeinden in die Stadt eingegliedert werden sollten. Unter anderem gehörten fortan auch Sülz, Ehrenfeld, Nippes und Deutz zur Stadt Köln, deren Einwohnerzahl sich in den kommenden Jahren verdoppeln sollte.

Während sich Köln so zur Metropole nationalen Stellenwerts mauserte, brachte die Vergrößerung des Stadtgebiets auch logistische Herausforderungen mit sich – denn wo viele Menschen leben, sterben schließlich auch viele Menschen. Und die wollen begraben werden – aber wo? Es ist kein Zufall, dass die meisten der heute 62 städtischen und konfessionellen Friedhöfe der Stadt nach der Eingliederung der einzelnen Gemeinden entstanden, reichten die damals existierenden doch angesichts der wachsenden Bevölkerung nicht mehr aus.

Der Westfriedhof als neuer Zentralfriedhof Kölns

So entstand auch der Westfriedhof an der Venloer Straße in Vogelsang im Zuge dieser Überlastung. Er ist der dritte der insgesamt vier „Entlastungsfriedhöfe”, die zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und 1945 auf dem Kölner Stadtgebiet entstanden: 1896 wurde zunächst der Nordfriedhof in Weidenpesch eröffnet, bevor 1901 der Südfriedhof in Zollstock folgte. Während der Ostfriedhof in Dellbrück erst 1945 in Betrieb genommen wurde, weihte der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer den Westfriedhof am 1. Oktober 1917 ein. Gleich am selben Tag erfolgte die erste Beisetzung.

Da der Westfriedhof Melaten als Kölner Zentralfriedhof ablösen sollte, wurde letzterer nach der Eröffnung der Vogelsanger Ruhestätte geschlossen, sodass auf ihm keine Neubelegungen erfolgen konnten. Die weitere Nutzung des Melaten-Friedhofs sollte erst sechs Jahre später wieder fortgesetzt werden.

Der Westfriedhof ist die drittgrößte Begräbnisstätte Kölns

Der Westfriedhof hat eine Gesamtfläche von 523.000 Quadratmetern und ist damit der drittgrößte Friedhof der Stadt. Nur der Süd- und der Nordfriedhof sind gemessen an den Quadratmetern größer, während Melaten nach wie vor die meisten Grabstätten aufweist.

Die breiten Alleen sowie die großzügige Bepflanzung und Bewaldung verleihen dem im Jugendstil gehaltenen Westfriedhof ein parkähnliches Ambiente, das dank seiner floralen Vielfalt auch eine Heimat für unterschiedliche Tiere und Insekten darstellt. Auf dem Westfriedhof nisten so über 30 verschiedene Vogelarten, für welche die Stadt Köln in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund NABU 120 Nisthilfen auf dem Areal der Ruhestätte errichtete. Ebenso zählen Fledermäuse und Wildbienen zu den Bewohnern des Westfriedhofs.

Die Anlage des Friedhofs beruht auf den Entwürfen des Architekten Karl Wach, mit dem Bau wurde im Jahre 1914 begonnen. Durch den Beginn des Ersten Weltkriegs im selben Jahr gingen die Arbeiten jedoch nur langsam voran, auch wurden nur Teile des Ursprungsentwurfs realisiert. Die Trauerhalle und der Verbindungsgang kamen erst drei Jahre nach dem Weltkrieg, 1921, zur Vollendung.

Das einzige öffentliche Krematorium Kölns

Dennoch ist der Westfriedhof in seiner heutigen Form ein beeindruckendes Beispiel der Friedhofskunst und -gestaltung: Der Haupteingang liegt an der Venloer Straße und besteht aus einem großen Eingangsbereich mit drei Portalen, von denen links und rechts jeweils ein kleinerer Verbindungsweg abgeht. Der auffällig breite Hauptgang führt zur Trauerhalle und dem Krematorium des Friedhofs, das dem Areal in den 30er-Jahren hinzugefügt wurde.

Das Krematorium befindet sich inzwischen in privater Hand und ist noch heute die einzige öffentliche Einäscherungshalle der Stadt. Trotz ihrer Errichtung zwischen 1935 und -37 und der ersten Einäscherung im Jahr der Fertigstellung blieb die Feuerbestattung den gläubigen Katholiken lange untersagt. Schließlich erachtete der Klerus diese Form der Beisetzung als heidnisches, zuweilen barbarisches Ritual, dessen Anwendung noch 1917 im katholischen Kirchenrecht unter Strafe gestellt wurde: „Einem Gläubigen, der die Verbrennung seines Leichnams anordnet, wird das kirchliche Begräbnis zur Strafe entzogen” 1, hieß es dort. Erst im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1962 wurde die Feuerbestattung auch für Katholiken vom Sündenfall zur legitimen Alternative der klassischen Sargbestattung erklärt.

Grabstätten unterschiedlicher Religionen und Kulturen

„Aequat omnis cinis”, schrieben schon einst die Römer, „die Asche macht uns gleich.” Gleichwohl passend zum Krematorium des Westfriedhofs, ist die in der Redewendung genannte Asche als Sinnbild für den Tod zu sehen – und das im Angesicht dessen kein Unterschied zwischen den Menschen herrscht, wird auf keinem Kölner Friedhof so deutlich, wie auf dem Westfriedhof. Dieser beherbergt zahlreiche Grabstätten unterschiedlicher Kultur- und Glaubenskreise, deren Zugehörige auf ihm alle ihre letzte Ruhestätte gefunden haben: Gleich im Eingangsbereich fallen etwa die Grabstätten verstorbener Sinti und Roma ins Auge, die von großflächigen Fassungen aus Granit und Marmor geprägt sind und von Fotos sowie bunten Grabverzierungen geschmückt sind. Da die Särge verstorbener Sinti und Roma traditionell nicht den Boden berühren dürfen, ist das Gros dieser Gräber mit speziellen Einfassungen aus Holz umschalt, die von der Friedhofsverwaltung eigens zu diesem Zweck gezimmert werden.

Seit dem Jahr 1965 werden auch Menschen muslimischen Glaubens auf dem Westfriedhof bestattet, deren Gräberfeld ebenfalls kulturelle Besonderheiten aufweist. Dafür hat sich die Stadt Köln „mit den für Religionsfragen maßgeblichen islamischen Einrichtungen über die religiösen Notwendigkeiten abgestimmt, die dabei beachtet werden müssen” 2. So sind die Gräber der Kölner Muslime in Richtung Mekka ausgerichtet, die heiligste Stadt des Islams im Westen Saudi-Arabiens. Außerdem wurde eine Einrichtung für die rituellen Waschungen geschaffen.

Gleichzeitig finden sich auf dem Westfriedhof auch Gräber aus der Zeit seiner Eröffnung, die gemäß der damaligen Reformkunst eher zurückhaltend in den Grünbereich der Anlage eingelassen sind. Neben neoklassizistischen Gestaltungsmerkmalen finden sich auf dem Friedhof in Vogelsang auch Gräber aus den 20er-Jahren, die durch die für die Entstehungszeit charakteristische Formensprache erkennbar sind.

Im Westen grenzt die Begräbnisstätte zudem an den Jüdischen Friedhof Bocklemünd, der seit 1918 zur Beerdigung jüdischer Kölnerinnen und Kölner genutzt wird.

Erinnerungskultur und Denkmäler auf dem Westfriedhof

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs legte die Friedhofsverwaltung am westlichen Rand der Anlage Erinnerungsstätten für die Opfer des Krieges und des Nationalsozialismus an. Insgesamt finden sich auf dem Westfriedhof somit fünf Grabfelder, die gleichzeitig als Denk- und Mahnmäler fungieren. Unter anderem sind hier Menschen beerdigt, die bei Bombenangriffen und in Folge der nationalsozialistischen Justizwillkür starben oder von der Gestapo und im Rahmen von Euthanasie-Programmen getötet wurden. Je eines der fünf Grabfelder ist für deutsche Kriegsopfer, deutsche und ausländische Opfer des Nationalsozialismus, ausländische Kriegsgefangene, im Gefängnis Klingelpütz Hingerichtete und „Displaced Persons” bestimmt. Als solche wurden von den Alliierten Menschen bezeichnet, die im Zuge von Deportierung, Kriegsgefangenschaft und Flucht aus ihrer Heimat entwurzelt wurden.

Zusätzlich zu den Grabfeldern finden sich auf dem Westfriedhof ein Gedenkraum für die Opfer der Gewaltherrschaft und mehrere Gedenksteine. Vor den Reihen der Kriegsgräber wurde 1958 ein Abguss der Skulptur „Die Gefangenen” des Malers und Bildhauers Ossip Zadkine errichtet, mit welcher der weißrussische Franzose an das „Leid der franzo?sischen Bevo?lkerung unter deutscher Besatzung erinnern” 3 wollte. Weiterhin findet sich auf dem Areal die Bronzeplastik „Die Jünglinge im Feuerofen” des Kölner Künstlers Heribert Calleen. Diese erzählt die biblische Überlieferung junger Männer, die dem Flammentod auf Grund ihrer Gebete entgingen und „verdeutlicht die Gefängnissituation und die Schrecken des Kriegs von 1939 bis 1945.”

Text und Fotos: Florian Eßer

Quellen und Anmerkungen:
(1) Katholisch eingeäschert: Vor 50 Jahren erlaubte die katholische Kirche Feuerbestattung auf katholisch.de (Stand 15.02.2022)

(2) Der Westfriedhof auf der Webseite der Stadt Köln (Stand 15.02.2022)

(3) Der Westfriedhof - Begräbnisstätte mit hundertjähriger Geschichte, Flyer der Stadt Köln (Stand 15.02.2022):

Allgemein: Der Kölner Westfriedhof im Informationssystem KuLaDig der LVR (Stand 15.02.2022)

Über den Autor

Florian Eßer ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach einem Studium der Germanistik arbeitet er nun als freier Journalist und Autor in seiner Heimatstadt. Besonders schätzt er die Vielfältigkeit Kölns, die über Karneval und lecker Kölsch hinausgeht – wenn man genauer hinsieht.

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