Köln-Magazin

Stadtgarten

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Der Stadtgarten

Grüne Oase im Kölner Westen

Der Stadtgarten in der Innenstadt ist die älteste Parkanlage Kölns. Angelegt im frühen 19. Jahrhundert, diente er den Kölnern seither als erholsamer Rückzugsort im Grünen. Auch heute noch sind Park und das gleichnamige Restaurant mit Konzertsaal und Biergarten ein beliebter Treffpunkt in der Domstadt.

Die Anfänge des Kölner Stadtgartens

Der Kölner Stadtgarten ist ein von Menschenhand geschaffener Landschaftspark im Stadtbezirk der Innenstadt: Angelegt wurde er bereits 1827 und ist damit nicht nur der erste neuzeitliche Park Kölns, sondern auch knapp 80 Jahre älter als die nördliche Neustadt, die ihn heute umschließt. Deren Planung begann nämlich erst im Zuge der vierten Stadterweiterung Kölns, die 1881 mit dem Abriss der mittelalterlichen Stadtmauer ihren Anfang nahm und 1905 vollendet worden ist1.

Angelegt wurde der Stadtgarten damals, um den hinter dieser Befestigung lebenden Städtern ein nahegelegenes Erholungsgebiet zu erschließen: Hier sollten sich die Kölner bei Spaziergängen durch den Mix aus heimischen und exotischen Pflanzenarten entspannen und das hektische Leben in der wachsenden Großstadt für eine kurze Zeit hinter sich lassen können.

Außerdem wollte man sich nicht von den Nachbarstädten vorführen lassen, die – anders als Köln – bereits über prächtige Schmuck- und Parkanlagen verfügten. So hatte es zumindest der damalige Kölner Oberbürgermeister Johann Adolph Steinberger gesehen, der bei einer Ratssitzung erklärte, dass Köln dringend einen Park benötige, „da wohl nicht leicht eine andere Stadt, mit der unseren in gleicher Linie stehend, an Spaziergängen und öffentlichen Anlagen in ihrer nächsten Umgebung so arm ist, wie Köln“2.

Erholungsgebiet und Prestigeprojekt

Die Wahl des Standorts für eine solche öffentliche Anlage fiel auf das Gebiet des heutigen Stadtgartens, das für eine lange Zeit lediglich als Lagerstätte für Ziegel gedient hatte, die man für den Festungsbau verwendete. So entstand hier ein Erholungsgebiet (und ein Prestigeobjekt) mit einer großzügigen Fläche von 11 Hektar, die im Laufe der Zeit jedoch immer weiter verkleinert wurde: Durch den Bau des angrenzenden Westbahnhofs im Jahre 18913 büßte der Stadtgarten eine Fläche von fünf Hektar ein. Neben dem Bahnhofsgebäude selbst war auch die Verlegung der Bahntrassen, mit denen eine Verbindungslinie von Köln nach Bonn geschaffen wurde, Grund für das rapide Schrumpfen der Grünfläche.

Nach dem Bau des Westbahnhofs wurde der Stadtgarten dann schließlich neu angelegt. Federführend bei dieser Umgestaltung war der Gartenarchitekt Adolf Kowallek, der auch den Bau des heute unter Denkmalschutz stehenden Gärtnerhauses auf der Spichernstraße in Auftrag gab. Der Spielplatz im Stadtgarten geht dabei ebenso auf die Entwürfe Kowalleks zurück. Er war es, der den ersten Spielplatz an der nordwestlichen Seite des Stadtgartens, in direkter Nachbarschaft zu den Bahntrassen, errichten ließ – wo er sich noch heute befindet.

Beliebter Treff für Kölner aller Altersklassen

Seit seiner Anlegung und der späteren Umgestaltung hat sich der Stadtgarten natürlich stark verändert. Seinen eigentlich Zweck, den Kölnern als Ort der Entspannung zu dienen, aber hat er sich erhalten. So ist der Stadtgarten auch heute noch ein beliebter Treff für Kölner aller Altersklassen, wozu sicherlich auch das gleichnamige Restaurant vor Ort beigetragen hat. Bereits in den 1950er Jahren existierte in der Parkanlage ein Ausflugslokal, das die Kölner nach ihren Spaziergängen durch die Grünfläche bewirtete und in dessen Kellerclub, dem „Schmuckkästchen“, Jazz-Konzerte stattfanden.

Mit der Zeit ist das musikalische und gastronomische Angebot des Stadtgartens dann stetig gewachsen: Heute umfasst das Café-Restaurant einen Konzertsaal, den Liveclub JAKI und einen Biergarten, der es als einer der schönsten seiner Art bereits mehrfach in die Kölner Lokalpresse geschafft hat –  ebenso wie der angesagte und gut besuchte Weihnachtsmarkt, in den sich der Biergarten in den kalten Dezemberwochen verwandelt. 

Bücherwürfel: erste Kölner Minibib im Stadtgarten

Bis ins Jahr 2019 war der Stadtgarten zudem der Standort der ersten Kölner Minibib, einer lediglich 35 Quadratmeter großen Bücherei, in der man sich anonym und kostenlos mit ausleihbarem Lesestoff versorgen konnte. Zehn Jahre lang war der ‚Bücherwürfel‘ mit seinem Angebot von über 1000 Titeln im Stadtgarten beheimatet und für viele Neustädter fester Bestandteil des Veedels.

Als das Wanderprojekt der Stadt Köln dann aber nach Chorweiler umzog, wo die Minibib nun inmitten der Hochhaussiedlung ansässig ist, war es an der Zeit, von der kleinen Bücherei Abschied zu nehmen: „Mit Wehmut entlassen wir nun [...] dieses, uns über die Jahre ans Herz gewachsene Kleinod”, schrieb etwa der Verein „Pro Stadtgarten e.V.” in einem Statement zum Umzug der Minibib: „[Sie] hat unsere Kinder und Enkel sehr beglückt und wir sind stolz darauf, dass [sie] uns zuerst besucht hat. Nun aber soll [sie] neue Quartiere bespielen und dort [ihre] entzückende Wirkung entfalten“4.

Der „Pro Stadtgarten e.V.” besteht aus Anwohnern, Geschäftsleuten und Gastronomen aus dem Stadtgarten-Quartier, die sich seit dem Jahr 2000 für die Pflege der ältesten Kölner Gartenanlage einsetzen. So geht etwa auch das Eingangstor zum Stadtgarten, das sich an der Ecke Venloer Straße/Spichernstraße befindet, auf das Engagement des Vereins zurück: In die Innenseite des Betonbogens sind Schrifttafeln eingelassen, die die Besucher über die Geschichte der Parklandschaft informieren. So gibt es im Stadtgarten auch ohne Minibib Interessantes zu lesen.

Text/Fotos: Florian Eßer

Über den Autor

Florian Eßer ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach einem Studium der Germanistik arbeitet er nun als freier Journalist und Autor in seiner Heimatstadt. Besonders schätzt er die Vielfältigkeit Kölns, die über Karneval und lecker Kölsch hinausgeht – wenn man genauer hinsieht.

Quellen und Anmerkungen

(1) „Stadtteil Köln-Neustadt-Nord”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. (Abgerufen: 4. Oktober 2020)
(2) Das Zitat Steinbergers stammt aus der Diplomarbeit der Dipl.-Gartenbau-Ingenieurin Heike Müller, in der sich Müller mit der Entwicklung des Kölner Stadtgartens beschäftigt.
Müller selbst hat das Zitat einem Buch des Autoren Heinz Wiegand entnommen, das heute leider nur noch schwer erhältlich ist:
Wiegand, Heinz: Entwicklung des Stadtgru?ns in Deutschland zwischen 1890 und 1925 am Beispiel der Arbeiten Fritz Enckes. Band II der Reihe: Geschichte des Stadtgru?ns, Hrsg. Dieter Hennebo, Berlin, Hannover 1977.
(3) „Bahnhof Köln-West”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. (Abgerufen: 4. Oktober 2020)
(4) „Projekt ‘Minibib’” auf der Website des Vereins „Pro Stadtgarten e.V.”

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