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Altbauten: Schmuckstücke mit kleinen Tücken

Wer in einer Kölner Altbauwohnung wohnt, kommt schnell ins Schwärmen. Doch der Alltag im Schmuckstück hat auch seine Tücken.

Altbau an der Venloer Straße in Köln Ehrenfeld

Altbauten wie hier in Köln-Ehrenfeld sind Glanzpunkte des Stadtbilds und bei Mietern heiß begehrt (Foto: Koeln-Magazin.info)

Wer in Köln eine Wohnung sucht, hat es nicht leicht. Denn wie in den meisten deutschen Großstädten ist Wohnraum in der Domstadt knapp. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wurde der Bedarf von knapp 7.000 Neubauwohnungen im Zeitraum 2016 bis 2018 nicht einmal zur Hälfte gedeckt. Entsprechend hoch sind die Mieten. Dabei belegt Köln im Vergleich deutscher Großstädte laut einer aktuellen Studie mit durchschnittlich 8,44 € Kaltmiete pro Quadratmeter nach Stuttgart, München, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt einen moderaten sechsten Platz.

Ähnlich sieht die Situation für Liebhaber von Altbauwohnungen aus. Auch wenn Köln im Krieg stark zerstört wurde, machen Altbauten aus dem Zeitraum 1919 bis 1978 immerhin die Hälfte des städtischen Wohnraums aus. Der Markt ist zwar umkämpft, aber die Kaufpreise liegen auch hier deutlich unter den Spitzenwerten anderer Großstädte, darunter neben den oben genannten auch Heidelberg und Freiburg.

In den Kölner „Veedeln“ lebt sich’s gut

Besitzer und Mieter von Kölner Altbauwohnungen kommen schnell ins Schwärmen, wenn sie über ihr Zuhause reden. Da ist zunächst einmal die Lage. Ob Agnesviertel oder Lindenthal, Nippes, Südstadt oder auch Deutz und Mülheim auf der rechten Rheinseite: in Köln hat jedes „Veedel“ seinen besonderen Reiz.

In den quirligen Geschäftsstraßen haben neben Spielhallen und Handyläden auch vielfach kleine, schöne Geschäfte überlebt. Dass es in der Domstadt keinen Mangel an Kneipen oder Restaurants gibt, ist bekannt. In den ruhigen Seitenstraßen lässt sich also sehr gut wohnen und leben, zumal wo alte Bäume sichtbar Schatten spenden und sich hinter mancher Fassade lauschige Hinterhöfe verbergen.

Verzierte Altbaugiebel an der Breitestraße in Köln
Nicht nur fürs Auge schön: Erker und Gauben eines Altbaus an der Kölner Ehrenstraße (Foto: Koeln-Magazin.info)

Dann die Wohnung selbst. Hohe Decken, große Fenster, kleine Erker, schöne Ornamente. Selbst knarzendes Parkett hat seinen ganz eigenen Charme. Da nimmt man gerne einen sportlich anspruchsvollen Aufstieg in Kauf, einen so pittoresken wie engen Hausflur oder einen recht sparsam bemessenen Balkon nach hinten raus. Verzeihlich auch, dass man den Kellerräumen am ehesten die Patina der Jahrzehnte ansieht.

Nostalgischer Charme erfordert pfleglichen Umgang  

Doch das Wohnen in einem Altbau hat auch seine ernstzunehmenden Tücken. Barrierefrei? Wohl kaum. Energetisch hochwertig gebaut? Nach heutigen Gesichtspunkten wohl auch nicht. Aber unterschiedliche Förderprogramme unterstützen hier spürbar die Nachbesserung, sei es beim Dach, bei den Fenstern oder der Heizung.

Etwas kritischer wird es dann bei der Elektroinstallation, wo unter manchem Putz noch historische Kabel liegen, die nicht unbedingt auf die heutigen Belastungen ausgelegt sind. Wie gut, dass der Internetzugang heute kabellos funktioniert.

Und dann ist da das unsichtbare Netz der Wasserzu- und -ableitungen. Wer hier Hand anlegt – um zum Beispiel eine neue Armatur anzuschließen – sollte Erfahrung mitbringen. Denn nostalgischer Charme erfordert pfleglichen Umgang. So kann die beherzte Belastung eines Gewindes, das Bewegung nicht mehr gewohnt ist, zu sehr unliebsamen Überraschungen führen. Zumal wenn sich der zuständige Absperrhahn aus Altersgründen nicht mehr völlig schließen lässt. Das Schreckgespenst „Wasserrohrbruch“ ist für Altbaubesitzer und -mieter ein sehr reelles Risiko.

Wenn nichts mehr abläuft

Die meisten Bewohner eines architektonischen Altertümchens kennen das: das Wasser fließt nicht mehr ab. Das ist ärgerlich, aber vergleichsweise harmlos. Irgendwann steht man beim Duschen knöcheltief im Wasser. Waschbecken oder Badewanne brauchen unendlich lange, um leerzulaufen. Natürlich kann das auch die Toilette betreffen.

Zu akuter Panik – Stichwort Wasserrohrbruch – besteht hier kein Anlass. Aber auch eine Rohrverstopfung kommt, Murphy’s Gesetz folgend, in der Regel zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Gut, wenn man dann den Kontakt zum Fachmann in der Nähe griffbereit hat. Denn was für den Laien in eine ziemliche Sauerei ausarten kann, ist für den Profi eine Routineangelegenheit, die ohne möglicherweise teuren Kollateralschaden schnell erledigt wird.

Wer trotzdem zunächst selbst zu Werke gehen möchte, kann auf unterschiedliche Hilfsmittel zurückgreifen. In jedem Supermarkt sind Produkte zu finden, die versprechen, einen verstopften Abfluss wieder frei zu machen. Zu bedenken ist jedoch, dass Chemikalien sowohl den Rohren als auch der Umwelt und Gesundheit schaden können. Deshalb sollten diese Mittel mit Vorsicht und nur genau nach Gebrauchsanweisung verwendet werden.

Hausmittel helfen

Eine bewährte Alternative, wenn das Wasser schließlich abgelaufen ist, ist eine Mischung aus Backpulver und Essig. In den Abfluss werden zuerst vier Päckchen Backpulver geleert, um dann mit einer Tasse Essig nachzuspülen. Wenn es dann rauscht und brodelt, folgen rund drei Liter kochendes Wasser. Mit etwas Glück löst sich damit der Pfropfen und das Wasser kann wieder abfließen.

Völlig chemiefrei lässt sich die Verstopfung in einem Abflussrohr auch mit rein mechanischen Mitteln lösen. Der gute alte Pümpel rüttelt die Verstopfung auf sanfte Weise frei. Dazu wird die Saugglocke des Pümpels mittig auf den Abfluss gesetzt, so dass sie ihn dicht verschließt. Der Stab wird erst langsam, dann kräftiger auf und ab bewegt, um die Verstopfung zu lösen.

Wenn das nicht zum gewünschten Ergebnis führt – womöglich weil die Verstopfung zu weit vom Abfluss entfernt ist –, kann eine Drahtspirale helfen, wie sie in jedem Baumarkt erhältlich ist. Sie kann sich bis zu zehn Meter durch ein Rohr schlängeln und findet ihren Weg auch um Biegungen. Ob Pümpel oder Spirale: Ein Eimer und ein paar alte Tücher helfen, die Verschmutzung von Küche oder Bad in Grenzen zu halten.

Vorbeugung ist die beste Medizin

Insbesondere in Altbauten sollte man immer damit rechnen, dass sich in alten Rohren Schmutz ansammelt, bis er den Abfluss verstopft. Meist kündigt sich das Problem an: Wenn das Wasser immer langsamer abfließt, ist das ein Hinweis, dass sich ein Fachmann der Sache annehmen sollte. Vorbeugend wirken Siebe, die wenig kosten und im Bad Haare und Seifenreste auffangen. In der Küche haben Essensreste nichts im Abfluss zu suchen, genauso wenig wie Öl und Fett. Sie können eine beginnende Verstopfung sehr schnell beschleunigen und zum akuten Problem werden lassen.

Wer Schmutz abfängt, Abflüsse gelegentlich gut durchspült und frühzeitig auf eine sich ankündigende Verstopfung reagiert, beugt Problemen mit seinen Abflüssen wirksam vor. Und kann das Leben in einem schönen Altbau umso mehr genießen.

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