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„Europäische Landwirte haben mehr Wertschätzung verdient.“ Mobiles Gewächshaus lädt in Köln zum Dialog ein

Im direkten Dialog Wissenslücken schließen, Vorurteile abbauen: Europaweite Aktion lädt auch in Köln zum Dialog über die Entstehung unseres reichhaltigen Obst- und Gemüseangebots ein.

Dialog im mobilen Gewächshaus am Rheinufer in Köln

Im mobilen Gewächshaus diskutieren Experten mit Kölner Bürgern über moderne Anbaumethoden für Obst und Gemüse (Foto: Thomas Reinert)

Über die Anbaumethoden von Obst und Gemüse aus europäischen Ländern informiert eine Roadshow, die vom 7. bis 9. Oktober in Köln vor dem Schokoladenmuseum Station macht. In einem zehn Meter langen mobilen Gewächshaus erklären Experten den Besuchern, wie Tomaten oder Paprika, Melonen oder Erdbeeren auch in gemäßigten Klimazonen das ganze Jahr über gesund und nachhaltig angebaut werden. Initiator des Projekts ist der europäische Dachverband der Obst- und Gemüseproduzenten FruitVegetablesEurope (EUCOFEL) mit Sitz in Brüssel.

Ziel der Aktion ist es, das Bewusstsein insbesondere junger Menschen für die Entstehung des reichhaltigen Obst- und Gemüseangebots im Supermarkt zu fördern. Im direkten Dialog sollen Wissenslücken geschlossen und Vorurteile abgebaut werden.

„Wenn es um unsere Nahrung geht, klafft zwischen Bauchgefühl und Realität oft eine Lücke“, erläutert Alba Ridao-Bouloumié, Generalsekretärin von EUCOFEL. „Wir wollen helfen, diese Lücke zu überbrücken. Und damit zu mehr Wertschätzung für die Menschen beitragen, die uns rund ums Jahr mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen.“ Nach Stationen in Belgien und Deutschland zieht die Roadshow weiter über Frankreich nach Spanien.

Schwerpunktthema: Anbau im Gewächshaus

Unter dem Motto „CuTE – Cultivating the taste of Europe“ widmet sich die Aktion bewusst einem kontroversen Thema: dem Anbau in Gewächshäusern, wie er in Spanien oder den Niederlanden weiter verbreitet ist als in Deutschland. Diese Produktionsweise biete nicht nur für die Landwirte, sondern auch für Verbraucher und insbesondere die Umwelt klare Vorteile, erklärt Jan van der Blom, Insektenforscher im Dienst des spanischen Agrarverbandes Coexphal.

Jan van den Blom erläutert moderne Anbaumethoden im mobilen Gewächshaus in Köln

Jan van der Blom erläutert moderne Anbaumethoden im mobilen Gewächshaus in Köln (Foto: Thomas Reinert)

Tomaten, Paprika oder Zitrusfrüchte sind für uns selbstverständlicher Bestandteil des Angebots auf dem Markt oder im Laden. „Aber ursprünglich sind das Tropenpflanzen, und sie brauchen viel Licht und Wärme“, gibt van der Blom zu bedenken. Moderne Gewächshäuser seien ein gutes Beispiel für praktizierte Nachhaltigkeit. Sie schaffen optimale Bedingungen mit einem minimalen Einsatz an Energie und Wasser. So erfordere zum Beispiel der Tomatenanbau in spanischen Gewächshäusern nur ein Zwanzigstel des Energieeinsatzes, der in nordeuropäischen Ländern erforderlich wäre. Transportkosten eingerechnet.

Der Anbau im Gewächshaus schone zudem den Boden – die Pflanzen wachsen nach dem Prinzip der Hydrokultur in einem Kokosfasersubstrat auf. Wassermengen und Nährstoffe sind genau auf die Bedürfnisse der Pflanzen abgestimmt.

Das beste Rezept gegen Mäuse ist eine Katze

Noch wichtiger: Schädlinge und Krankheitserreger werden heute überwiegend mit biologischen Methoden unter Kontrolle gehalten. Van der Blom: „Das beste Rezept gegen die Maus im Haus ist eine Katze. Das war früher so, und daran wird sich auch nichts ändern.“ Im Gewächshaus sind es ganz bestimmte Insekten, die gezielt angesiedelt werden, um zum Beispiel Blattläuse in Schach zu halten. Für die Bestäubung sind auch unter Folie oder Glas Bienen und insbesondere Hummeln zuständig, für die eigens Blumen angepflanzt werden – weil die Blüten von Tomate und Co. keinen Honig produzieren.

Blick in ein Gewächshaus mit Erdbeeren

Erdbeerpflanzen in Reih' und Glied: Blick in ein Gewächshaus (Foto: hpgruesen / pixabay)

Zugegeben: Der Anblick großflächiger Gewächshausareale sei von außen nicht unbedingt hübsch. Aber das sei ein Produktionsbetrieb für Autos oder Medikamente auch nicht. Und hinter der Größe stecke hier in der Regel nicht ein anonymer Konzern, sondern eine Vielzahl kleiner Betriebe, in Genossenschaften zusammengeschlossen.

Geschmack ist in erster Linie eine Frage der Sorte

Was möchte das Aktionsteam konkret bei den Besuchern bewirken? „Achten Sie darauf, woher das Obst oder Gemüse stammt, das Sie im Supermarkt kaufen?“, fragt Alba Ridao-Bouloumié zurück. Den Trend, regionalen Produkten den Vorzug zu geben, findet sie genau richtig.

Immer mehr Landwirte bieten zudem die Möglichkeit, sich vor Ort über den Weg unserer Nahrung vom Feld bis zum Supermarkt zu informieren. Dabei würde auch deutlich werden, dass der Geschmack von Tomate oder Gurke nicht so sehr eine Frage von Gewächshaus oder Freiland, von bio oder konventionell ist, fügt Jan van der Blom hinzu. „In erster Linie ist das eine Frage der Sorte“, betont er. Und die Supermärkte hätten inzwischen verstanden, dass es dem Verbraucher nicht nur um schönes Aussehen und lange Haltbarkeit, sondern ganz entscheidend um den Geschmack geht.

Von den bisherigen Begegnungen und Gesprächen in Brüssel und Köln ist das Team sehr angetan. Neben der Roadshow bietet die auf drei Jahre angelegte Aktion verstärkt Informationen und Dialogmöglichkeiten über Online-Kanäle an. Weil das etwas ist, was der einzelne Landwirt nur bedingt leisten kann, sagt Verbandschefin Alba Ridao-Bouloumié. Und weil die europäischen Landwirte, die hinter unserem reichhaltigen und qualitativ hochwertigen Angebot stehen, Wertschätzung verdient haben. 

Text und Fotos: Thomas Reinert

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