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„Willkommen, Bienvenue, Welcome…“

Politische Revue – Kabarett – Varieté in Köln 1928-1938

Sich abends zu amüsieren war in Köln am Ende der Weimarer Republik nicht schwer: Es gab ein internationales Varieté im „Kaiserhof“, eine der führenden Unterhaltungsstät-ten ihrer Zeit. Wer es volkstümlicher liebte, sah sich die Heimatrevuen im „Groß Köln“ an. Intellektuelles wurde im politisch-literarischen Kabarett „Kolibri“ geboten und für den Arbeiter gab es die „Blauen Blusen“, bei denen kommunistische Propaganda im Vordergrund stand.

Die Ausstellung „Willkommen, Bienvenue, Welcome…“ wirft seit dem 31. Januar bis zum 31. August 2008 einen Blick auf die Bandbreite von politischer bis unpolitischer Unterhaltung in den letzten Jahren der Republik. Sie zeigt, wie sich die Unterhaltungsszene nach 1933 verändert hat. Politisch engagierte Künstlertruppen, die vor einem NS-Regime gewarnt hatten, lösten sich auf, einzelne Bühnenkünstler wurden verhaftet, andere emigrierten oder zogen sich ganz von der Bühne zurück. Die unpolitische Unterhaltung im Varieté und den Heimatrevuen dagegen blieb scheinbar unverändert. Kaum merklich wurden hier politisch oder rassisch nicht genehme Künstler ausgegrenzt. Ganz offen verlangten die neuen Machthaber dagegen eine „Arisierung“ der Bühnenkunst. Kritische oder satirische Äußerungen im Kabarett und den Conférencen des Varieté waren längst verboten. Im schönen Schein und Glanz der Bühne wurde die unpolitische Unterhaltung politisiert.

Die Ausstellung erinnert unter anderem an das Arbeitertheater der „Blauen Blusen“ aus Köln. Die Truppe bestand aus Laiendarstellern, die sich der kommunistischen Idee ver-schrieben hatten und mit einfachsten Mitteln politisches Theater auf die Bühne brachten. Ihre Kunst wurde bereits in den letzten Jahren der Weimarer Republik immer wieder mit Auftrittsverboten belegt.

Das Kabarett »Kolibri«, das mit seinem witzigen und mutigen kleinen Ensemble von Wortkünstlern, Tänzern und Musikern auf seine Weise für Demokratie und Freiheit kämpfte, schloss Ende Februar 1933. Spätere Kölner Kabaretts hatten, wie im gesamten NS-Staat, zwar literarisch ein ansprechendes Niveau wie „Die Arche“, waren aber poli-tisch derart harmlos, dass sie ihre Zugkraft verloren.

Das Varietégeschehen in Köln konzentrierte sich weitestgehend auf den internationalen „Kaiserhof“, den Volkstümlichen „Burghof“ und das Revuetheater „Groß-Köln“, alle drei betrieben von Hans Herbert und Ludwig Blatzheim mit ihren weitreichenden Verbindun-gen in die Künstlerszene. Im „Kaiserhof“ gastierten internationale und nationale Künstler, hier gab es – so die Eigenwerbung – ständig sensationelle Höchstleitungen zu sehen. Die Karnevals- und Herbstrevuen im „Groß-Köln“ zählten zu den wichtigsten saisonalen Ereignissen der Stadt, die Größen des rheinischen Humors standen dort nicht nur im Karneval auf der Bühne.

In der Ausstellung können die Besucher acht Lebensbilder von Kölner Künstlerinnen und Künstlern kennen lernen, die damals in Köln lebten. Es gibt beispielsweise ein Portrait des kommunistischen Malers Peter Josef Paffenholz von den „Blauen Blusen“. Aus dem Kabarett „Kolibri“ wird an das Ehepaar Lotte und Ernest Berk erinnert, das nach seiner Emigration nach Großbritannien internationale Karriere machte: Lotte Berk in den 1960er Jahren als „Fitness-Ikone“, Ernest Berk gehörte bereits in den 1950er Jahren zu den Wegbereitern der elektronischen Musik. Fred Endrikat, der einzige Nicht-Kölner un-ter den acht Künstlern, war zu seiner Zeit einer der bekanntesten und beliebtesten Ka-barettisten. Aus dem Varietébereich wird der Kölner Hans Herbert Blatzheim porträtiert, er führte von Anfang der 1930er bis Mitte der 1960er Jahre einen der größten Unterhal-tungskonzerne Deutschlands.

Den Abschluss bildet eine Tonstation, an der Musik, Chansons, Gedichte und Texte aus der Zeit zu hören sind.

Ausstellungsort:

NS-Dokumentationszentrum
Appellhofplatz 23-25
Köln-Innenstadt

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