Der Blücherpark – Kölns barocker Garten

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Der Blücherpark – Kölns barocker Garten

Blücherpark

Parkgürtel
50739 Köln

Der Blücherpark im Stadtteil Bilderstöckchen ist ein herausragendes Beispiel für die Gartenkunst des 20. Jahrhunderts. Seit ihrer Fertigstellung im Jahr 1913 erfreut sich die Grünanlage großer Beliebtheit, ein Biergarten samt Bootsverleih lockt ebenso in den Kölner Norden wie der malerische Blumengarten. Dass man in der Großstadt Köln lebt, kann man bei einem Besuch im Blücherpark schnell vergessen – obwohl er direkt an die Autobahn A 57 grenzt.

Blücherpark

Wie viele andere Parkanlagen in Köln auch, geht der Blücherpark auf den Gartenarchitekten und -baudirektor Fritz Encke zurück. Encke entwarf unter anderem die Pläne für den Beethovenpark in Sülz sowie den Klettenbergpark und verfolgte mit seinen Arbeiten – früher als die meisten seiner Kollegen – das Konzept des „sozialen Grüns”. Die Anlagen sollten gerade in der Großstadt als Ort der Naherholung und der temporären Stadtflucht dienen. Sie sollten, so sagte es Encke selbst, alle Anforderungen erfüllen, die „man an den Volkspark einer Großstadt wohl stellen muss“ 1.

Der Name des Blücherparks, der in seiner Anfangszeit noch Herkulespark genannt wurde, geht auf den preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher zurück. Dieser sicherte sich vor allem durch die Schlacht bei Waterloo einen Eintrag in den Geschichtsbüchern, in deren Verlauf er zusammen mit seinen alliierten Verbündeten einen Sieg gegen den französischen Kaiser Napoleon Bonaparte erringen konnte. Im Zuge der Niederlage dankte Bonaparte ab, was nur vier Tage nach der Schlacht, am 22. Juni 1815, zum Ende der französischen Kaiserzeit führte.

Entstehung des Blücherparks

Der Blücherpark entstand hundert Jahre nach Napoleons Abgang und wurde im Zeitraum von 1911 bis 1913 geschaffen. Damals stellte er den ersten städtischen Park für die Stadtteile Ehrenfeld und Nippes dar. Weil beide Bezirke noch von Leicht- und Schwerindustrie geprägte Arbeiterviertel waren, war der Bedarf an einer nahegelegenen Ausflugsmöglichkeit in der Natur für die hier lebenden Menschen umso dringlicher.

Durch seine geometrische und symmetrische Anordnung erinnert der Blücherpark an barocke Lustgärten, was durch den zentral gelegenen Weiher samt Fontänen und den pittoresken Blumengarten noch einmal verstärkt wird. Der Blücherpark umfasst ein etwa 700 Meter langes und 200 Meter breites Rechteck und wurde ursprünglich auf ein schlossartiges ‘Volkshaus’ ausgerichtet, das die heutige Freifläche im Südosten der Anlage zieren sollte. Dieses von Fritz Encke erdachte Volkshaus wurde jedoch nicht realisiert.

Orte zum Verweilen und Erholen

Der Weiher des Blücherparks wird zu beiden Seiten hin von Lindenalleen gesäumt, die ihrerseits von den dichten, bewaldeten Ausläufern der Grünanlage umrahmt werden. Abseits der Hauptgänge finden sich zahlreiche, zum Teil überdachte Sitz- und Erholungsmöglichkeiten, die dank des Baumbestandes abgeschiedene Verweil- und Rückzugsmöglichkeiten jenseits des restlichen Parkgeschehens bilden. Die Lindenalleen laufen auf zwei kleinere Treppen zu, die jeweils von zwei steinernen Skulpturen liegender Löwen flankiert werden. Diese tragen ebenso zum feudalen Charakter des Blücherparks bei wie die schmuckhaften Balustraden am nördlichen Ufer des Weihers.

Sport- und Freizeitmöglichkeiten

Neben Orten zum Entspannen bietet der Blücherpark jedoch auch viele Möglichkeiten zur sportlichen und freizeitlichen Betätigung. Im Westen grenzt er so etwa an ein Fußballfeld, neben dem sich ein gut ausgestatteter Kinderspielplatz mit ausladenden Klettergerüsten befindet. Weiterhin finden sich auf dem Areal des Parks zahlreiche Tischtennis- und Schachplatten, die ‘Hauptattraktion’ der Anlage aber ist der etwa 1,7 Hektar große Weiher. Dieser kann vom Frühling bis zum Herbst mit Tretbooten befahren werden, im Sommer wird er von vielen Kölnern – trotz eines offiziellen Schwimmverbots – auch zur Erfrischung genutzt. Ebenso verboten ist das Betreten der gefrorenen Fläche im Winter; bei einer Wassertiefe von etwa 2,5 Metern ist das schließlich nicht ganz ungefährlich.

Der Bootsverleih wird vom örtlichen Biergarten geregelt, dessen direkte Wassernähe zu einem kühlen Getränk in der Sommersonne einlädt. Zudem lockt der Biergarten, die „Kahnstation im Blücherpark”, mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm, das von Karnevalsfeiern an der frischen Luft bis hin zu Open-Air-Konzerten und Tanzveranstaltungen reicht. Neben alkoholhaltigen und -freien Getränken stehen dabei auch frische Kuchen und üppigere Mahlzeiten auf der Speisekarte. Für den kleinen Hunger etwa gibt es Bockwurst, für den größeren unter anderem Quiche und einen arabischen Vorspeisenteller.

Denkmalschutz und Instandhaltung des Parks

Die Parkanlage steht wegen seines Zeugnisses der Gartenkunst seit 1980 unter Denkmalschutz und zählt laut Stadt Köln „mit ihren Wiesen, Ruhegärten und zwei Kinderspielplätzen zu den schönsten in der Stadt.” Damit dies so bleibt, hegt und pflegt die Verwaltung ihren feudalen Stadtgarten gewissenhaft. 2018 ließ die Stadt so etwa den Weiher des Parks aufwendig sanieren. Im Laufe der Zeit hatte das Becken Schäden davongetragen, weshalb der Weiher jedes Jahr etwa 30.000 Kubikmeter an Wasser einbüßte. Auch die allgemeine Qualität des Gewässers geriet in Mitleidenschaft, weshalb die Stadtentwässerungsbetriebe die denkmalgeschützte Anlage abrissen und neu bauten.

Die im Weiher lebenden Tiere mussten auf Grund der Sanierungsarbeiten eingefangen und zunächst umgesiedelt werden – kein leichtes Unterfangen. Immerhin bevölkern den Weiher des Blücherparks eine ganze Reihe verschiedener Lebewesen: Neben Enten, Schwänen und Fischen kann man so auch die ein oder andere Schildkröte im Wasser entdecken2.

Nippes oder Ehrenfeld?

Der Blücherpark, da sind sich viele Kölner einig, ist eine der schönsten Grünanlagen der Stadt. Unsicherheit besteht aber häufig darin, welcher Stadtteil den zwischen Ehrenfeld und Nippes gelegenen Park sein Eigen nennen darf. Offiziell jedoch gehört der Blücherpark zum Stadtteil Bilderstöckchen, der wiederum zum Stadtbezirk Nippes zählt. Welchem Veedel in Köln der Blücherpark angehört, ist aber eigentlich auch nicht so wichtig. Die Hauptsache ist, dass er allen Kölnerinnen und Kölnern eine Möglichkeit zur Erholung im Grünen bietet. Und das tut der Blücherpark zweifelsohne, auch wenn die Autobahn A57 direkt daran vorbeiführt. Als Fritz Encke den Park entwarf, gab es diese schließlich noch nicht.

Mensch, was muss es damals ruhig gewesen sein im Blücherpark!

Text und Fotos: Florian Eßer

Quellen und Anmerkungen:

(1) Encke, Fritz: Die öffentlichen Grünanlagen der Stadt Köln. S. 28–31, Köln 1926.
(2) Kölner Stadt-Anzeiger: Blücherpark in Köln Weiher-Rettung könnte fünf Millionen Euro kosten (Stand 3. März 2022)
Blücherpark in Bilderstöckchen, in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital (Stand 3. März 2022)
Blücherpark auf stadt-koeln.de (Stand 3. März 2022
Biergarten im Blücherpark (Stand 3. März 2022)

Über den Autor

Florian Eßer ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach einem Studium der Germanistik arbeitet er nun als freier Journalist und Autor in seiner Heimatstadt. Besonders schätzt er die Vielfältigkeit Kölns, die über Karneval und lecker Kölsch hinausgeht – wenn man genauer hinsieht.

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