Volksgarten

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Der Volksgarten in der Neustadt-Süd

Volksgarten Köln
Eifelstraße
50677 Köln

Der Volksgarten in der südlichen Kölner Neustadt zählt zu den ältesten Grünanlagen der Stadt: Umgeben von Prachtbauten der Gründer- und Jugendstilzeit lädt der Park zum Spazieren, Joggen und Entspannen ein, der örtliche Tretbootverleih und ein Biergarten runden die Freizeitangebote ab. Der Volksgarten ist dabei aber auch für jene spannend, die sich für die Geschichte der Stadt interessieren - schließlich finden sich in ihm noch heute Überreste des ehemaligen Kölner Festungsrings.

Freitag, der 14. Januar 1814: Die französischen Besatzungssoldaten, die bis dato in Köln stationiert waren, brechen ihre Zelte in der Domstadt ab und überlassen sie den Alliierten, die während der ‘Befreiungskriege’ gegen Napoleon gekämpft hatten - allen voran Russland und Preußen. Wird Köln nun zunächst als Zentralverwaltungsdepartement von den alliierten Parteien gemeinsam kontrolliert, fällt es im Zuge der Wiener Kongresse unter eine rein preußische Herrschaft. Und Preußen hat große Pläne mit der Stadt am Rhein: Nach dem Abzug der französischen Truppen lässt die neue Administrative einen Festungsring errichten, um zukünftige Feinde von Köln fernzuhalten. Zu diesem Festungsring gehört auch das nach Herzog Paul von Mecklenburg benannte Fort IV im heutigen Volksgarten.

Als dann in den 1870er-Jahren der äußere Festungsring der Stadt angelegt wird, verliert das Fort IV an militärischer Bedeutung und wird kurzer Hand umgenutzt: 1887 entsteht auf dem Gebiet des Forts der Volksgarten, die ehemalige Befestigung wird zum Teil in die neue Parkanlage integriert - als Kulisse spätromantischer Schwärmereien von verwunschenen Orten, wie sie etwa in zahlreichen Gemälden Caspar David Friedrichs zu sehen sind: Die Ruine als Symbol einer sehnsüchtigen Rückwendung in vergangene Zeiten. Retrospektiv kann der Volksgarten tatsächlich aber als Ausblick in die Zukunft der Stadt gewertet werden - mit der Umgestaltung des Areals wird der ehemalige Militärstandort nämlich (unwissentlich) zum ersten Bestandteil des Inneren Grüngürtels, in den der ehemalige Festungsring Kölns nach dem Ersten Weltkrieg umgewandelt wird.

Die Umgestaltung der ehemaligen Festungsbauten

Da das Fort IV bereits früher entmilitarisiert wurde, entgeht das Gebäude der vollumfänglichen Schleifung im Zuge des Versailler Vertrages. Aus diesem Grund sind Teile der alten Befestigungsanlage noch heute erhalten und als solche in der Grünanlage zu erkennen: So ist das Hauptgebäude des Forts mit seinem großen Tor und den zwei Rundtürmen ebenso erhalten wie Reste der Munitionslager und der Lünetten, also kleinerer, unterstützender Festungswerke. Auch Überbleibsel sichelförmiger Schutzwälle, welche das Fort und seine Besatzung vor Explosionen schützen sollten, sind in die heutige Parkanlage integriert. Während diese Wälle mit Glaskonstruktionen überbaut und so zu Gewächshäusern umfunktioniert wurden, beherbergt das ehemalige Hauptwerk des Forts seit den 80er-Jahren Künstlerateliers, im alten Munitionslager ist das Orangerie Theater untergekommen.

Während des Baus der Parkanlage wurde das damals noch zweistöckige Munitionslager in die Dienstwohnung des Gartenarchitekten Adolf Kowallek umfunktioniert, der den Volksgarten realisierte. Kowallek, nach dem eine kleine Straße unweit des Volksgartens benannt ist, zeichnete sich auch für die Umsetzung des Stadtgartens, des Römerparks und des Stadtwaldes verantwortlich. Ebenso plante er die Ausführung des Kölner Nordfriedhofs - beerdigt wurde Kowallek 1902 jedoch auf dem Südfriedhof in Zollstock.

Der Volksgarten heute

Das Orangerie Theater ist ein seit Jahren etabliertes Freies Theaterhaus in der Kölner Südstadt. Die ehemalige Dienstvilla des Garten Direktors der Stadt Köln befindet sich auf einem ursprünglich als Festungsbauwerk errichteten Areal. Nach langjähriger Nutzung als städtische Gärtnerei wurde das Theater 1990 von einem Künstler:innenkollektiv gegründet und erhält seit 2007 Förderungen von Seiten der Stadt Köln für sein innovatives Theaterkonzept.

Der Kahnweiher des Volksgartens wurde im Zuge der Parkgestaltung angelegt und wird über einen kleinen Wasserfall mit Grundwasser gespeist. Mit seiner Fläche von knapp 1,3 Hektar, bietet sich der Weiher für das Befahren mit Tretbooten an, die sich die Besucher:innen des Parks beim örtlichen Verleih mieten können. An den Verleih angeschlossen ist ein Biergarten der Hellers-Brauerei, der in der Sommersaison täglich geöffnet ist. Vom Biergarten aus hat man einen perfekten Blick über den Weiher samt seiner Fontäne, auf der Karte stehen neben hausmännischen Gerichten Bio-Biere aus der hauseigenen Brauerei.

Wer sich hingegen lieber selbst mit Speisen und Getränken versorgt, kann es sich auf der ausladenden Liegewiese des Volksgartens gemütlich machen. Diese bietet ausreichend Platz, sodass niemand dicht an dicht in der Sonne baden muss, und auch das Grillen im Park wird von der Stadt Köln geduldet. Mehr Ruhe allerdings genießt man im Rosengarten der Parkanlage, der zwischen den Mauern des ehemaligen Forts zum Entspannen einlädt. Für Kinder und Familien bietet der Volksgarten zudem einen Spielplatz, der dank seiner Größe und seiner üppigen Ausstattung so manches Abenteuer bereithält: Neben Klettergerüsten, Reifenschaukeln und anderen Spielgeräten verfügt der Platz so auch über eine Wasserpumpe, die neben einer Abkühlung auch das ausgiebige Spielen mit Matsch und das Graben von Kanälen ermöglicht - die Sonntagsklamotten sollten bei einem Besuch des Spielplatzes also besser im Kleiderschrank hängen bleiben. Ein zweiter, kleinerer Spielplatz findet sich im Rosengarten.

Wer war Wilhelm Kaesen?

Aufmerksamen Besucher:innen wird im nördlichen Teil des Volksgartens eine Büste aus Bronze auffallen, die laut der Sockelinschrift einem gewissen Wilhelm Kaesen gewidmet ist, einem „verdienten Bürger” der Stadt Köln. Wie aber hat sich Wilhelm Kaesen der Stadt verdient gemacht? Kaesen war ein Kölner Kaufmann und Mitglied des Stadtrats, durch dessen Wirken die Schaffungs des Volksgartens überhaupt erst möglich geworden ist. Nach der Entmilitarisierung des Forts IV begann der Geschäftsmann damit, nach und nach die Grundstücke des Areals aufzukaufen. Nachdem er auf diese Weise eine Fläche von etwa 15 Hektar erworben hatte, verkaufte er das Gelände zum Einkaufspreis an die Stadt Köln - mit der Bedingung, dass die Stadt das Areal dazu nutzt, um den Kölnerinnen und Kölnern einen Park zur Erholung zu bauen. Dieser, so forderte Kaesen, sollte einen „Garten für Jedermann mit freiem Zutritt“ darstellen, sodass auch schlechter situierte Kölner:innen einen Ort im Grünen haben. Die Stadt hielt sich an die Abmachung mit dem Kaufmann und begann 1887 mit der Anlage des Volksgartens - Kaesen aber sollte die Fertigstellung nicht mehr erleben: Der Stifter des Parks starb 71-jährig im Jahr des ersten Spatenstichs. Sein Ziel, etwas zu erschaffen, dass ihn überdauert, hat er aber dennoch erreicht.

Die Büste Kaesens, mit der an den Einsatz des Kölners erinnert werden soll, wurde erstmals 1892 errichtet, ging im Laufe des Zweiten Weltkriegs jedoch verloren. Erst 2002 wurde sie durch die Initiative der Wilhelm H. Pickartz-Stiftung rekonstruiert. Auch die Kaesenstraße, die unweit des Parks vom Eifelplatz auf die Lothringer Straße führt, wurde nach dem großzügigen Stifter benannt.

Text & Fotos: Florian Eßer

Quellen und Anmerkungen:

Neupreußische Stadtbefestigung - Fort IV - Fort IV Erbgroßherzog Paul von Mecklenburg (Volksgarten) auf koelner-festungsbauten.de (Stand: 10. April 2022)

Volksgartenweiher auf der Seite der Stadtentwässerungsbetriebe Köln (Stand: 10. April): www.steb-koeln.de/baeche-und-weiher/baeche-im-koelner-stadtgebiet/Volksgartenweiher.jsp

Brauhaus und Biergarten Hellers (Stand: 11. April 2022): www.hellers.koeln

Johann Wilhelm Kaesen in Köln auf denkmalplatz.de (Stand: 14. April 2022):

Büste Wilhlem Kaesen auf pickartz-stiftung.de (Stand: 14. April 2022)

Florian Eßer ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach einem Studium der Germanistik arbeitet er nun als freier Journalist und Autor in seiner Heimatstadt. Besonders schätzt er die Vielfältigkeit Kölns, die über Karneval und lecker Kölsch hinausgeht – wenn man genauer hinsieht.

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