Köln-Ostheim - Sorgenkind und Hoffnungsträger

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Köln-Ostheim: Sorgenkind und Hoffnungsträger

Der rechtsrheinische Stadtteil Ostheim gehört zum Stadtbezirk Kalk im Osten Kölns und kann auf eine ebenso lange wie bewegte Geschichte zurückblicken. Ausgehend von einem kleinen Dorf hat sich Ostheim über die Jahrhunderte hinweg zu einem lebendigen Stadtteil entwickelt und dabei keine Höhen und Tiefen ausgelassen.

Stadtteil mit Ecken und Kanten

„Die Bronx von Köln” – so nennt Comedian Carolin Kebekus den Stadtteil Ostheim, in dem sie geboren und aufgewachsen ist. Obgleich dieser Spitzname natürlich mit der nötigen Ironie gesehen werden muss, spiegelt er doch die öffentliche Wahrnehmung des rechtsrheinischen Viertels wider. Diese ist oftmals von Kriminalität und „Ghettoisierung” geprägt. Der schlechte Ruf des Viertels allein aber wird Ostheim nicht gerecht – schließlich besteht es nicht nur aus sogenannten sozialen Brennpunkten, sondern auch aus Ein- und Mehrfamilienhäusern in ruhiger Lage sowie etwa 14.000 Menschen, die den Stadtteil beleben und gestalten.
Ostheim, op Kölsch auch Ossheim oder Uustem genannt, hat sich dabei von einem kleinen Dorf, das lediglich aus einigen Gehöften bestand, zu einem kernigen Stadtteil gemausert – mit Ecken und Kanten zwar, aber eben auch nicht ohne Charme.

Ein Dorf namens Oestheim und der Heilige Servatius

Der heutige Stadtteil Ostheim wurde bereits im Jahr 959 n. Chr. schriftlich erwähnt und früh in einer Urkunde der Abtei Deutz genannt, in der die zur Abtei gehörenden Besitztümer aufgelistet wurden. Unter diesen befand sich eben auch Ostheim, damals noch Oestheim geschrieben. Der Name des Ortes ist vermutlich auf seine geografische Lage zurückzuführen, liegt er doch 7,5 Kilometer östlich vom Kölner Stadtzentrum entfernt. Obwohl die Existenz Ostheims schon früh dokumentiert wurde, verlor sich die Spur des kleinen Dorfes in den nachfolgenden Jahrhunderten immer mehr. Nachdem es nur noch sporadisch Erwähnung fand, gewann Ostheim durch den Bau der Servatiuskapelle im 18. Jahrhundert an Bedeutung.

Im Jahr 1707 wurde an der heutigen Werntgenstraße eine Kapelle errichtet, die dem Heiligen Servatius, ihrem Namensgeber, gewidmet wurde. Der Heilige Servatius, zu Lebzeiten Bischof des belgischen Tongeren, wird unter anderem als Schutzpatron gegen Fieber und Todesfurcht angerufen – und so wurde auch die nach ihm benannte Kapelle gebaut, um ihn nach Schutz vor dem Sumpf- und Fleckenfieber zu bitten. Dieses grassierte damals nicht nur in den Tropen, sondern auch in den feuchten Auen des Rhein-Neckar-Raums .

Unweit dieser ersten Kapelle steht heute die Servatiuskirche, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der gleichnamigen Straße eingeweiht wurde. In die Schwelle zur Sakristei ist noch heute ein Stein der alten Kapelle eingelassen, die kurz nach dem Bau des größeren Hauses abgerissen wurde. Die größere Servatiuskirche machte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs das einzige Gotteshaus des Ortes aus, später kamen die Kirche  „Zu den heiligen Engeln” am Buchheimer Weg und die evangelische Auferstehungskirche in der Heppenheimer Straße hinzu.

Relikte des Krieges: der Flugplatz Ostheim und der Vingster Berg

Bis in das 19. Jahrhundert hinein bestand Ostheim aus einigen Bauernhöfen und Wohnbauten, deren genaue Anzahl sich jedoch nicht rekonstruieren lässt. Mit dem Beginn der Industrialisierung siedelten sich in den benachbarten Ortschaften Kalk und Merheim vermehrt Fabriken und Unternehmen an, für deren Arbeiter neuer Wohnraum erschlossen werden musste. Diesen fand man in Ostheim, das in Folge an Bevölkerung gewann und 1914 schließlich als eigenständiger Teil Kölns in die Stadt eingegliedert wurde.

Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs gewann Ostheim auch militärpolitisch an Bedeutung: 1935 wurde der Stadtteil als Standort eines neuen Flugplatzes der Luftwaffe gewählt, dessen Planung zunächst unter Verschluss gehalten wurde, bis man seinen Bau 1936 in die Tat umsetzte. Der Flughafen reichte bis an das heutige Neubrück heran und beherbergte im Laufe des Krieges verschiedene Fliegerverbände, die sich von hier aus auf ihre Einsätze vorbereiteten.

Nach dem Ende des Krieges wurde der Fliegerhorst schließlich zu großen Teilen abgerissen, einzelne Kasernen wurden jedoch vom städtischen Krankenhaus Merheim übernommen. So erinnern noch heute übrig gebliebene Bauten und Straßen an den ehemaligen Flugplatz Ostheim.

Um ein Relikt aus der Zeit des Krieges handelt es sich übrigens auch bei dem Vingster Berg im Nordwesten des Viertels. Mit seinen 64 Metern ist dieser der geografisch höchste Punkt im Stadtteil und fußt auf dem „Großen Marberg”. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der natürliche Marberg mit den Trümmern zerstörter Gebäude – vorwiegend aus dem Stadtteil Kalk – aufgeschüttet und in Vingster Berg umbenannt. Dieser reiht sich somit in die Riege der sogenannten „Trümmerberge” Kölns ein, zu denen unter anderem auch der Herkulesberg im Stadtteil Neustadt-Nord und der Pilzberg im Sülzer Beethovenpark gehören. Wie die anderen Schuttberge Kölns auch, wurde der Vingster Berg nach seiner Aufschüttung bepflanzt und mit Wegen für Spaziergänger versehen, was ihn zu einem beliebten Ort zum Entspannen und Joggen im ansonsten emsigen Stadtteil macht.

Hoffnung, Resignation und wieder Hoffnung

Nach dem Krieg blühte jedoch nicht nur die Bepflanzung des Vingster Berges auf, auch die Kölner Industrie konnte sich erneut aus den Trümmern erheben. So auch in Kalk und Mülheim, was abermals für Arbeitsplätze und ein steigendes Bedürfnis nach Wohnraum in Ostheim sorgte. In den 50er-Jahren wurden so zunächst die Postsiedlung und das Badische Viertel im Süden des Stadtteils errichtet, bevor schließlich soziale Wohnungsbauprojekte im Norden des Veedels folgten.

Zu Beginn der 70er-Jahre wuchsen an der Gernsheimer Straße dann Hochhäuser empor, die bis zum heutigen Tag Wohnungen für zweieinhalbtausend Menschen bereitstellen. Wurde die Siedlung anfangs noch als Aushängeschild des sozialen Wohnungsbaus gehandelt, verloren die bis zu vierzehn Stockwerke hohen Häuser bald an Attraktivität. In der Folge verwahrloste das Areal zunehmend, das sich zu einem von Arbeitslosigkeit und Armut geprägten Brennpunkt entwickelte. Dieser Entwicklung versucht die Stadt Köln seitdem entgegenzuwirken: 2002 wurde die Siedlung an der Gernsheimer Straße in das Förderprogramm „Sozialraum mit erhöhtem Erneuerungsbedarf” aufgenommen, Streetworker, Vereine und die ansässigen Kirchengemeinden unterstützen das Vorhaben mit Betreuungsmaßnahmen und gemeinnützigen Projekten.

Das soziale Leben in Ostheim

Ein solches Projekt ist die Offene Tür Ostheim, die sich seit den späten 50er-Jahren am Buchheimer Weg befindet. In der Einrichtung des katholischen Familienzentrums „Am Heumarer Dreieck” wird Kindern und Jugendlichen ein umfassendes Programm an Freizeitaktivitäten geboten. Neben der Möglichkeit zur sportlichen Betätigung können die jungen Ostheimer hier auch an Workshops zum kreativen Arbeiten oder dem Umgang mit Medien und Computern teilnehmen. Zudem werden die Kinder und Jugendlichen bei den Hausaufgaben und der Jobsuche unterstützt, berufstätige Eltern werden durch Angebote der Übermittagsbetreuung entlastet.

Ebenfalls am Buchheimer Weg ansässig ist der „Veedel e.V.”, der sich in den 90er-Jahren gegründet hat. Seitdem hat der Verein in Ostheim Jobbörsen, eine Kleiderkammer, einen Jugendpavillon sowie ein Büro eingerichtet, an dessen Mitarbeiter sich die Ostheimer mit Fragen und Hilfsgesuchen wenden können. Wie der Veedel e.V. auf seiner Website erklärt, dienen die Angebote des Vereins dem Zweck, „den einzelnen Menschen in seinem Eigenbewusstsein und seiner Mitverantwortung für die Mitmenschen zu stärken.” So sollen die Leute etwa bei der Berufssuche in der Art beraten und gefördert werden, dass „sich durch eine Integration auf dem Arbeitsmarkt die mittelbaren und unmittelbaren Lebensbedingungen verändern können.” 1

Die Bürgervereinigung Köln-Ostheim e.V. von 1954, die ihren Sitz am Buchheimer Pfädchen hat, hat sich zudem der Archivierung und Dokumentation der Ostheimer Geschichte und des Lebens im Stadtteil verschrieben.

In Ostheim gibt es also viele Akteure, die dafür Sorge tragen, dass Comedians und andere Kölner den Stadtteil zukünftig nicht mehr als „die Bronx von Köln” bezeichnen müssen. Schließlich ist das Veedel - wenngleich auch manchmal von Härte – doch auch von jener Kölschen Herzlichkeit geprägt, die 1979 auch die Bläck Fööss zu einem Lied über Ostheim inspirierte. In diesem singt die Kölner Kultband über das Veedel und den hier lebenden Schlosser Manni:

„Wo dä Qualm vun d‘r Chemische Kalk jeden Daach op die Hüser fällt
do es hä jebore, do kennt hä sich us, he es sing Welt.
He jing hä zur Schull un späder beim Humboldt en de Lihr.
Un des Ovends trof hä sich off met Fründe zum Bier.”

„Wo der Qualm von der Chemiefabrik Kalk jeden tag auf die Häuser fällt,
da ist er geboren, da kennt er sich aus, hier ist seine Welt.
Hier ging er zur Schule und später beim Humboldt in die Lehre
und des Abends traf er sich oft mit Freunden auf ein Bier.” 2

Text: Florian Eßer
Fotos: Ertay Hayit

Quellen und Hinweise:

(1) Die Internetpräsenz des  “Veedel e.V.”

(2) Bläck Fööss: „Dä Mannu us Ossheim” (1979)

Die Offene Tür Ostheim

Die Bürgervereinigung Köln-Ostheim e.V.

Über den Autor

Florian Eßer ist in Köln geboren und aufgewachsen. Nach einem Studium der Germanistik arbeitet er nun als freier Journalist und Autor in seiner Heimatstadt. Besonders schätzt er die Vielfältigkeit Kölns, die über Karneval und lecker Kölsch hinausgeht – wenn man genauer hinsieht.

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